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InLiQua - Journal V

Das Projekt InLiQua - Internationale Lehrkräfte in Qualifizierung - berichtet an dieser Stelle über den Stand der Dinge: Welche Meilensteine haben unsere Teilnehmenden schon gemeistert, welche Methoden haben wir gemeinsam ausprobiert und welche Materialien erarbeitet. Dieses Journal wirft kleine Schlaglichter auf die Ergebnisse der sechsmonatigen Qualifizierungsreihen.

Im November 2025 haben wir uns von unseren Teilnehmenden des fünften InLiQua Kurses verabschiedet. Und wir freuen uns darauf, auch 2026 mit InLiQua weiterzumachen. Dann mit spannenden Neuerungen wie der Begleitung unserer Teilnehmenden durch einen JobCoach sowie Online-Workshops für bundesweit am Thema und Kurs interessierten zugenwanderten Lehrkräften.

Hier möchten wir aber erstmal von unseren aktuellen Erfahrungen berichten.

Rückblick auf drei Jahre InLiQua – Internationale Lehrkräfte in Qualifizierung

Am 21.11.2025 ging unser 5. InLiQua-Kurs zu Ende. Und damit auch die erste Förderperiode unseres Projekts im Rahmen des Förderprogrammes Integration durch Qualifizierung (IQ). 

Dies möchten wir zum Anlass nehmen, um in einem kurzen Rückblick eine Zusammenfassung der bereits abgeschlossenen fünf InLiQua-Kurse zu geben. 

Das Wichtigste zuerst: Unsere Teilnehmenden Insgesamt 90 Teilnehmende besuchten zwischen 2023 und 2025 unsere Qualifizierung. Sie kamen aus 22 verschiedenen Herkunftsländern, der größte Teil aus der Ukraine, dem Iran und der Türkei.

Die Praxisorte
Da in unserer Qualifizierung insbesondere der Praxiseinsatz an den Schulen und das Kennenlernen des Hamburger Schulalltags eine wichtige Rolle spielt, lohnt ein Blick auf die Verteilung der Praxiseinsätze unserer Teilnehmenden. Die allermeisten Teilnehmenden entschieden sich für einen Praxiseinsatz im Bereich Vertretungslehrkraft, um die Unterrichtsführung- und Gestaltung an einer deutschen Schule kennenzulernen und um sich aktiv in das Kassengeschehen einzubringen. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an die Schulen und GBS-Einrichtungen für die tolle Kooperation in den letzten drei Jahren!

Highlights und Erfolgsgeschichten
Unsere „InLiQuas“ vereinte der Wunsch, Ihre Vorerfahrungen und Kompetenzen als Lehrkraft für ihre weitere berufliche Entwicklung und Ihre Arbeitsmöglichkeiten einzusetzen. Im Rahmen der Qualifizierung und insbesondere während der Praxiseinsätze an den Schulen säumten kleine und große Erfolgserlebnisse und Highlights die ersten Schritte auf diesem Weg: Gute Kontakte und Beziehungsgestaltungen zu den Schülern und Schülerinnen, ein wertschätzendes Kollegium, Durchführung selbstständiger Angebote und Unterrichtseinheiten, Mitgestaltung von Schulfesten und Projekten u.v.m. Die durch den Praxiseinsatz entstandene Vernetzung an den Schulen bereitete für einige unserer Teilnehmenden den Grundstein für Ihren Arbeitseintritt in den Schulbereich oder andere pädagogische Einrichtungen. Durch die Möglichkeit, sich im Praxiseinsatz mit all ihren Kompetenzen und Fähigkeiten zeigen zu können, konnten einige Teilnehmenden ihre Arbeit im GBS-Bereich aufnehmen. Und es gab auch einzelne Erfolgserlebnisse für Lehraufträge an den Schulen, Tätigkeit als Schulbegleiter*innen und im GBS-Leitungsbereich. 
Wir wünschen all unseren ehemaligen InLiQuas weiterhin viel Erfolg an ihren jetzigen oder künftigen Arbeitsstätten!

Anbei noch eine kleine Übersicht über den Verbleib unserer ehemaligen Teilnehmenden, soweit wir darüber nach Beendigung der Qualifizierung Informationen bekommen konnten.

 

Die Stadterkundungen

Regelmäßig im ersten Drittel der Kursdurchgänge fand die einwöchige Stadterkundung statt. 
Es gab fünf vorbereitete Touren, die zunächst in Gruppen erkundet wurden. Dafür bekamen die Gruppen ein Arbeitsblatt. Ziel der Erkundung war, die Orte zunächst selbst kennenzulernen, um dann eine Rallye zu erstellen. Diese Rallyes wurden dann von jeweils einer anderen Gruppe gespielt. Am Ende der Woche präsentierten die Gruppen ihre Rallye-Erlebnisse. 

Herausforderungen
Die größte Herausforderung für die Teilnehmenden: Was ist denn eine Rallye?!?
Der Beantwortung dieser Frage musste in jedem Durchgang viel Raum gegeben werden:

  • Warum macht man Rallyes?
  • Was hat das mit den Aufgaben einer Lehrkraft zu tun?
  • Wie erstellt man eine Rallye?
  • Welche Aufgabentypen gibt es in einer Rallye?
  • Was lernen wir und Schulkinder durch eine Rallye?

Zu den kleineren Herausforderungen zählten wir Fragen wie „Und was machen wir bei schlechtem Wetter?“ (Die Antwort ist natürlich eine hamburgische: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung!) oder auch die Frage nach der Anzahl der Aufgaben, dem Zeitumfang der Erkundung oder Rallye oder Ähnliches. 

Ablauf
Tag 1: Klärung der oben genannten Fragen, Recherche zu den Orten, Absprachen
Tag 2: Stadterkundungen
Tag 3: Vorbereitung der Rallyes
Tag 4: Rallyes
Tag 5: Präsentationen

Erkenntnisse
Die wohl wichtigste Erfahrung der Teilnehmenden war, verschiedene Orte von Hamburg aus dem Blickwinkel von „Einwohner*innen“ wahrzunehmen, statt sie touristisch zu erkunden. Dieser Perspektivenwechsel führte wie selbstverständlich zur Beantwortung der Fragen nach den Aufgaben einer Lehrkraft sowie den Lernerfahrungen.
Daraus ergab sich die Erkenntnis, dass „Lernen“ neben dem Faktenlernen auch Sinneserfahrungen und Aha-Erlebnisse einschließt sowie das Gefühl, gemeinschaftlich Neues zu entdecken.
Hier ein kleines Beispiel aus der Elbphilharmonie:
Auf der Plaza sind die Glasscheiben vor den Balkonzugängen geschwungen und verstellbar. Der touristische Blick nimmt vielleicht die Schönheit der Architektur oder die Lichtverhältnisse wahr. Der erkundende Blick stellt Frage: warum geschwungene und verstellbare Glasscheiben? Zur Beantwortung dieser Fragen mussten die Teilnehmenden ihr Hamburg-Wissen aktivieren (z. B. Hamburg ist eine windige und wasserreiche Stadt) und die besondere Architektur erleben (z. B. wie fühlt sich der Wind zwischen den Scheiben an, die wie Wellen geschwungen sind?). Aus diesem Blickwinkel entstanden in der Folge Rallye-Aufgaben wie „Stell dich zwischen die Glasscheiben, schließe die Augen und fühle den Wind. Was könnte passieren, wenn der Wind sehr stark weht? Warum, denkst du, sind die Scheiben verstellbar?“
Eine andere Erfahrung war, dass eine Rallye, die ausschließlich Wissens- oder Beobachtungsaufgaben enthielt, als langweilig empfunden wurde (z. B. Wie lang ist der alte Elbtunnel? Wie viele Stufen führen nach unten? Was steht auf dem Schild neben der Tür?). So wuchs – wenn auch manchmal erst nach der Erkundungswoche – die Erkenntnis, dass eine Rallye kein „Test“ ist, sondern zu einer gemeinsamen Entdeckungstour einlädt, die nicht nur viel Spaß macht, sondern deren Ergebnisse im Schulunterricht mit eben diesem Spaß aufgegriffen werden können.


Fazit
Das Lernen für sich neu zu entdecken, die Stadt mit „neuen Augen“ zu erforschen, neue Sinneseindrücke zu sammeln – ja, es gab viel Neues zu erleben. Unser Anliegen war, Denkanstöße zu geben, das Erlebte in einem Prozess, der nicht mit den Stadterkundungen endet, sondern dort zum Teil erst beginnt, zu verinnerlichen und in den zukünftigen Schulalltag zu integrieren. Das Konzept einer Rallye zu verstehen und umzusetzen, ist für manche Teilnehmenden ein schwieriges Unterfangen gewesen. Die Erfahrung, dass nicht alles klappt und Erwartungen und Ergebnisse nicht immer zu hundert Prozent übereinstimmen, sehen wir wie auch die Teilnehmenden als Teil eines Lernprozesses und somit positiv. 
Die Begeisterung, mit der die Teilnehmenden von ihren Erkundungen und Rallyes zurückkehrten, und die Kreativität, mit der sie ihre Erlebnisse präsentierten, hat auch uns jedes Mal begeistert.

 

Danksagung

„Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“
(Henry Ford)

Ein Projekt wie InLiQua lebt von den Menschen, die ihre Zeit, ihre Ideen, ihr Wissen und ihre Begeisterung einbringen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle all jenen danken, die das Projekt begleitet, unterstützt und mitgestaltet haben.

Unser besonderer Dank gilt unseren Teilnehmenden. Sie haben sich mit Mut und Engagement auf neue Lern- und Arbeitswelten eingelassen, Fragen gestellt, Erfahrungen geteilt und immer wieder neue Herausforderungen angenommen. Ihr Einsatz, ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, Neues auszuprobieren, haben InLiQua maßgeblich geprägt.

Von Herzen danken wir auch unserem Lehrerinnen-Team und allen externen Referent*innen. Mit ihrer fachlichen Kompetenz, ihrer pädagogischen Erfahrung und ihrem persönlichen Engagement haben sie die Inhalte aus Pädagogik, Recht und Psychologie nicht nur vermittelt, sondern mit Leben gefüllt. Ihre praxisnahen Impulse und die vielen gemeinsamen Gespräche haben wertvolle Lernräume geschaffen.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Schulen und Ganztagseinrichtungen, die ihre Türen geöffnet und unseren Teilnehmenden Einblicke in den pädagogischen Alltag ermöglicht haben. Wir danken den Lehrkräften, Betreuungskräften und allen weiteren Mitarbeitenden für ihre Zeit, ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, Erfahrungen zu teilen. Sie haben Begegnungen ermöglicht, Fragen beantwortet und unseren Teilnehmenden das Gefühl gegeben, willkommen zu sein. 

Und natürlich möchten wir auch den Kindern danken. Ihre Neugier, ihre Unbefangenheit und die vielen kleinen Begegnungen im Alltag haben unseren Teilnehmenden ganz unmittelbare und besondere Einblicke in das Arbeitsfeld ermöglicht.

Ebenso danken wir unseren Förderern und Unterstützer auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Ihr Vertrauen in die Idee und Ziele von InLiQua und Ihre verlässliche Unterstützung haben entscheidend dazu beigetragen, dass das Projekt umgesetzt und weiterentwickelt werden konnte. Gemeinsam mit Ihnen konnten Räume für Begegnung, Lernen und berufliche Perspektiven geschaffen werden.

 

Wie geht es weiter?

Nach dem regulären Ende der Förderphase im Dezember 2025 freuen wir uns, dieses Projekt ab 2026 weiterführen zu können. Es wird ein paar Veränderungen geben, aber die Zielgruppe und das Format bleiben erhalten. Interesse? Dann tragen Sie sich doch gerne auf unserer Interessentenliste ein:

>> Interesse


Das Projekt "InLiQua" wird im Rahmen des Förderprogramms IQ - Integration durch Qualifizierung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge administriert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit. Weitere Fördererin ist die Freie und Hansestadt Hamburg.


Alle Angebote im Regionalen Integrations-netzwerk Hamburg unter 
www.hamburg.netzwerk-iq.de

Kursaufbau

Sprachliche Qualifizierung:
bei fehlendem B2-Niveau 400 UE Berufssprachkurs mit Ziel B2 (30 UE/Woche)

Fachliche Qualifizierung:
- Fachunterricht in den Bereichen Schule und Ganztagsbetreuung
- Praxiseinsätze im pädagogischen Bereich

Dauer der gesamten Maßnahme:

vorgeschalteter Berufssprachkurs B2:  4 Monate

fachliche Qualifizierung: 6 Monate

Weitere Informationen zur beruflichen Anerkennung unter:

Kontakt & Anmeldung

PASSAGE gGmbH
Nagelsweg 14
20097 Hamburg

Dr. Olga Haber | Tel.: 040/ 87 09 09 19
E-Mail: olga.haber(at)passage-hamburg.de

Silvia Brassel | Tel.: 040/ 636 75 382
E-Mail: silvia.brassel@passage-hamburg.de

Für die Anmeldung benötigen wir folgende Unterlagen:

  • Ihre Qualifikation als Lehrer*in aus Ihrem Herkunftsland
  • Ablehnungsbescheid Ihres Antrags auf Anerkennung in Deutschland
  • Nachweis über Ihre Deutschkenntnisse (zum Beispiel B1 Zertifikat)

>> Hier nochmals alle Infos als pdf-Flyer


Redaktion des Journals

Text, Recherche und Fotos: Silvia Brassel | Dr. Olga Haber | Monika Siegert

Umsetzung: Dr. Sarita Batra