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Der Begriff des Scaffolding (engl. scaffold = Baugerüst) wird im Kontext des Zweitspracherwerbs verwendet, um ein Unterstützungssystem im (sprachsensiblen) Fachunterricht zu bezeichnen, mit dem Lernende anspruchsvollere Aufgaben lösen können als solche, die sie allein bewältigen könnten. Scaffolding wird durch drei grundlegende Besonderheiten charakterisiert: Erstens bedarf es einer gemeinschaftlichen Interaktion zwischen Lernenden und Lehrkraft. Zweitens gibt die Lehrkraft den Lernenden gerade die Unterstützung, die sie brauchen, um die nächste Stufe in ihrer Entwicklung zu erreichen; dazu braucht die Lehrkraft Kenntnis vom aktuellen Wissensstand der Lernenden. Drittens wird die Unterstützung – das Gerüst – langsam in dem Maße entfernt, in dem der Lerner an Kompetenzen gewinnt und die Unterstützung nicht mehr braucht.

Scaffolding kann mit Unterrichtsinteraktionen wie aktivem Zuhören, Re-Kodierung von Äußerungen, Variationen der Interaktionsmuster zwischen Lehrkraft und Lernenden erfolgen (Mikro-Scaffolding). Eingebettet ist es in Bedarfsanalyse, Lernstandsanalyse und Unterrichtsplanung (Makro-Scaffolding).

 

 

Unter "Job Shadowing" (engl. to shadow s.o. = jmd. beschatten) versteht man eine Methode des Lernens am Arbeitsplatz, bei der eine Person an ihrem Arbeitsplatz von einer anderen Person begleitet und bei der Arbeit beobachtet wird. Ziel kann sein, dass

  • die beobachtende Person den Arbeitsplatz bzw. die Arbeit des/der anderen kennenlernt, also von diesem/dieser neue Aspekte der Arbeit, Kompetenzen etc. lernt.
  • das Weiterlernen der beobachteten Person gefördert wird, der Beobachter / die Beobachterin sie also begleitet, um im Anschluss durch ein Feedback den Lernprozess zu unterstützen.

Beim Sprach-Shadowing wird gezielt mit Menschen gearbeitet, die als Zweitsprachenlernende Unterstützung bei der Bewältigung der kommunikativen Aufgaben am Arbeitsplatz brauchen. Hier werden im Rahmen des Shadowings einerseits die kommunikativen Anforderungen am Arbeitsplatz ermittelt, andererseits wird das Kommunikationsverhaltens der Migrantin / des Migranten im Umgang mit diesen Anforderungen analysiert, so dass Lernbedarfe gezielt in einem teilnehmerorientierten Sprachtraining aufgearbeitet werden können.

Diese Art des Shadowings hat sich z. B. bei der sprachlichen Unterstützung von Ärztinnen und Ärzten bewährt: Der Trainer / Die Trainerin begleitet den Arzt bei seiner täglichen Arbeit im Krankenhaus, sammelt und dokumentiert den persönlichen Sprachbedarf und berät und unterstützt ihn anschließend. Für das Coaching ist es notwendig, dass der Trainer / die Trainerin die Erlaubnis zur Begleitung des Arztes / der Ärztin im Krankenhaus-Arbeitsalltag erhält und sich zum Schweigen verpflichtet.

Soziale Lernstrategien ermöglichen den Lernenden die Bitte um Klärung und Korrektur sowie eine produktive Zusammenarbeit mit anderen Teilnehmenden.

Der objektive Sprachbedarf beschreibt die kommunikativen Anforderungen in einer bestimmten Zielsituation (z. B. auf dem Arbeitsmarkt). Eine Beschreibung dieses Bedarfs sollte optimalerweise auch die Sicht von Unternehmer_innen und die fachlichen und kommunikativen Anforderungen eines Berufs berücksichtigen. Der subjektive Sprachbedarf, das Sprachbedürfnis, bezieht sich auf die Bedürfnisse der Sprechenden (subjektive Kenntnisse, Einstellungen, Erfahrungen, Erwartungen, Motivation). Sprachbedarf und Bedürfnisse lassen sich im Zuge einer Sprachbedarfsermittlung erheben und beschreiben. Objektive Sprachbedarfe und subjektive Sprachbedürfnisse können sich unterscheiden und in einem konfliktaften, widersprüchlichen Verhältnis zueinander stehen.

Siehe auch:
Sprachbedarfsermittlung

Bezogen auf die europäischen Projekte zum Thema Zweitsprache am Arbeitsplatz wird Sprachbedarfsermittlung oder –erhebung als Mittel zum Erkunden der sprachlichen Anforderungen am Arbeitsplatz einerseits und der individuellen Sprachbedürfnisse der Beschäftigten mit Deutsch als Zweitsprache andrerseits verstanden.

Befragungen, teilnehmende Beobachtungen im Betrieb und das Einsammeln von Fachtexten und Arbeitsanweisungen stellen dabei Zugänge dar, um herauszufinden, welche sprachlich-kommunikativen Mittel für bestimmte Berufsfelder von Bedeutung sind.

Sprachbedarfsanalysen stellen in diesem Kontext die Grundlage für Kurs- und Materialentwicklungen dar. Wenn die Teilnehmer_innen selbst erlebte kommunikative Situationen am Arbeitsplatz oder aber authentische Fachtexte in den Unterricht mitbringen, wird die Sprachbedarfsanalyse sogar zum Bestandteil des Unterrichts selbst.

Siehe auch:
Sprachbedarf, Handlungsorientierung

Sprachcoaches begleiten Migrantinnen und Migranten für eine begrenzte Zeit in einer wichtigen Phase ihrer beruflichen Entwicklung. Sie treffen ihre Klienten und Klientinnen in diesem Zeitraum regelmäßig und unterstützen sie sprachlich entsprechend ihrer individuellen Bedarfe.

Im Mittelpunkt des Sprachcoachings stehen ausgewählte für die Klienten wichtige berufliche Situationen – je nach Gegebenheit z. B. in der Umschulung, am Arbeitsplatz, in der Berufsberatung, bei der Bewerbung. Ausgehend von diesen Situationen erkunden Coach und Klient/in partnerschaftlich den jeweiligen Sprachbedarf und die bisherige Sprachlernbiographie und legen (Zwischen-)Ziele fest. Es wird an sprachlichen Strukturen, Wortschatz und Kommunikationsstrategien gearbeitet sowie das Selbstlernen thematisiert. (vgl. SprunQ NRW)

Unter Spracherwerb wird in der Regel der ungesteuerte Spracherwerb verstanden. Das bedeutet, dass eine Sprache oder Elemente der Sprache nicht im Unterricht sondern im Alltag und ohne fachliche Anleitung erworben wird. Zweitsprachen werden zu einem gewissen Prozentsatz in der Regel auch neben dem Unterricht erworben. Erfolgt jedoch gar keine Anleitung, kann es, vor allem bei wenig lernerfahrenen Menschen auch zu Fossilisierungen kommen.

Siehe auch:
Fossilierung

Als Pate oder Patin wird ursprünglich ein Ehrenamt zur Unterstützung der Eltern bei der religiösen Erziehung des Kindes verstanden. Übertragen auf den Bereich des Integrierten Fach- und Sprachlernens sind Sprachpaten und -patinnen Personen, die Migrantinnen und Migranten beim Lernen der Zweitsprache unterstützen, so z. B. zugewanderte Fachkräfte beim sprachlichen und fachlichen Lernen für Qualifizierung und Berufstätigkeit.

Die jeweilige Förderung kann in Gestaltung und Dauer sehr individuell sein. Sprachpaten und Sprachpatinnen sollten als Voraussetzungen selbst auch fachliche Kenntnisse und sichere deutsche Sprachkenntnisse mitbringen.

Im Betrieb übernehmen in der Regel die Kollegen/Kolleginnen die Rolle der Sprachpaten. Auf der Basis ihrer muttersprachlichen Kompetenz unterstützen sie ihre nicht-muttersprachlichen Kollegen und Kolleginnen bei der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse, sichern nachhaltig den Lernerfolg und sensibilisieren Verantwortliche des Unternehmens für das Lernen und Arbeiten in einer Zweitsprache.

Unter Sprachsensibilisierung wird die Vermittlung von Wissen an Fachlehrende über sprachliche Merkmale und Herausforderungen im Kontext von beruflichem und fachlichem Lernen in der Zweitsprache Deutsch verstanden.

Die Reflexion des eigenen Sprachgebrauchs als Fachlehrende im Fachunterricht sowie das Wissen über typische sprachliche Merkmale von Fachwortschatz auf der Wortebene (z.B. komplexe Komposita, Adjektive mit Prä- und Suffixen) und über schwierige sprachliche Strukturen sowohl auf der Satz- als auch auf der Textebene, dienen als Grundlage für die Gestaltung eines sprachsensiblen Fachunterrichts.

Ein sprachsensibler Fachunterricht verzahnt fachliches und sprachliches Lernen miteinander, mit dem Ziel das Verstehen von neuem Fachwissen in der Zweitsprache Deutsch zu fördern und zu erleichtern.

"Im sprachsensiblen Fachunterricht liegt der Fokus darauf, gezielt und geplant die sprachliche Handlungsfähigkeit der Lerner im jeweiligen Fach zu fördern. Das bedeutet, dass sich die Lehrkraft auch um Spracharbeit und Sprachentwicklung kümmern muss.“ (Aus: Josef Leisen (2010): Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Unterricht in der Praxis, Varus Verlag, S.29)

Siehe auch:
Bildungssprache

Mit der Sprachstandsermittlung werden die kommunikativen Kompetenzen einer Person mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) erhoben. Sprachstandserhebungen sind häufig standardisiert und folgen analog gängiger Sprachprüfungen der Teilung in die vier Fertigkeiten Hörverstehen, mündliche Ausdrucksfähigkeit, Leseverstehen und schriftliche Ausdrucksfähigkeit.

Im Bereich Berufsbezogenes Deutsch werden bei Sprachstandserhebungen die Fertigkeiten je nach Lernziel unterschiedlich gewichtet und fachbezogen gefüllt.

Szenarien können als ein Scharnier zwischen den ermittelten sprachlichen Anforderungen der Arbeitswelt und der Unterrichtsgestaltung im berufsbezogenen Deutschunterricht verstanden werden.

Die Beschreibung eines Szenarios erfolgt zunächst durch die diskursanalytische Transkription von Gesprächsaufnahmen (z. B. am Arbeitsplatz). Dabei werden einzelne Diskursphasen, Diskursmittel, der Kontext des Gesprächs, Sprechintentionen, Wortschatz und Grammatik "herausgefiltert". Diese Informationen dienen dann im Unterricht gewissermaßen als Grundlage für eine Reihe von realitätsnahen Rollenspielen, in denen die Kursteilnehmer_innen berufsbezogenes sprachlich-kommunikatives Handeln sowie auch paralinguistisches Handeln erproben können.

So könnte ein Szenario zum Thema "Konfliktsituation am Arbeitsplatz" zum Beispiel folgende Rollenspiele einschließen: einen Konflikt zwischen Pflegepersonal und Patient_in, die Beschwerde der Patient_in beim Arzt, die Weitergabe der Information vom Arzt an die Stationsschwester sowie abschließend ein Mitarbeitergespräch zwischen Stationsschwester und der involvierten Pflegeperson.