Punkte
 Start > Glossar

Glossar

Alle Einträge   A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z




8 Einträge gefunden:

Bedarfsorientierung beschreibt in Bezug auf Berufsbezogene Sprachkurse die Ausrichtung von Unterrichtsangeboten auf den Bedarf an Arbeitskräften, auf für die anvisierten Berufe erforderliche sprachliche und berufliche Fertigkeiten und auch auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden. Folglich beschreibt Bedarfsorientierung kein direktes didaktisches Prinzip, sondern bestimmt sich vor allem durch Arbeitsmarktpolitik und -interessen.

Für die Planung von Berufsbezogenen Deutschkursen bedeutet dies, dass die Struktur des regionalen Arbeitsmarktes erkundet werden sollte und die sprachlichen Fertigkeiten, die in einzelnen Arbeitsbereichen notwendig sind, ermittelt werden müssen (wenn möglich im Rahmen einer Sprachbedarfsanalyse) . Die Teilnehmer_innen solcher Maßnahmen werden auf ihre Berufsbiographien und beruflichen Wünsche und Vorkenntnisse hin befragt. Objektive Bedarfe und die Bedürfnisse von Teilnehmenden sollen optimalerweise in der Fortbildung zusammengebracht werden, stehen jedoch nicht selten im Widerspruch zueinander.

 

 

Im Mittelpunkt berufsbezogener Deutschkurse steht die Vermittlung sprachlicher und nichtsprachlicher Kompetenzen zur Bewältigung von mündlichen oder schriftlichen Kommunikationssituationen in der Arbeitswelt oder im Berufsleben. Folglich spielen fachsprachliche, berufssprachliche, allgemeinsprachliche und auch umgangssprachliche Komponenten sowie Schlüsselkompetenzen eine Rolle im Unterricht.

In Deutschland wurden mit der Einführung des ESF-BAMF-Programms zur berufsbezogenen Sprachförderung 2008 erstmalig bundesweite öffentliche geförderte Deutschkurse angeboten. Dieses Programm wurde 2016 durch die Berufssprachkurse abgelöst die zusammen mit den Integrationskursen das Gesamtprogramm Sprache des Bundes darstellen.

Berufsbezogenes Deutsch ist Kommunikation in der Arbeitswelt in allen Bereichen und Situationen der Berufsorientierung, in Qualifizierungen und im Betrieb – vom Vorstellungsgespräch bis zur Weiterbildung, vom Übergabeprotokoll bis zur Pausenunterhaltung. Berufsbezogene Deutschkurse und weitere Instrumente zur sprachlichen Unterstützung sollen Zugewanderten dabei helfen, sich nötige Sprachkenntnisse anzueignen und dadurch einen verbesserten Zugang zum Arbeitsmarkt und zu beruflicher Qualifizierung zu erhalten.

Berufsbezogenes Deutsch lässt sich als Arbeitsfeld und Fachdisziplin an der Schnittstelle von Germanistik/ Deutsch als Zweitsprache und Berufspädagogik ansiedeln und ist seit ca. 20 Jahren zunehmend im Fokus von Wissenschaft und Praxis.   

(BSK nach § 45a des AufenthG) ist ein Sprachlernangebot für Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen. BSK werden aus Bundesmitteln finanziert und stellen neben den allgemeinsprachlichen Integrationskursen die zweite Säule des Gesamtprogramms Sprache der Bundesregierung (GPS) dar. Die Kurse bestehen aus Basismodulen und Spezialmodulen. Basismodule vermitteln Kenntnisse auf Sprachniveaus B2 und C1, die generell in der Berufswelt wichtig sind: eine Bewerbung schreiben, an Vorstellungsgesprächen teilnehmen, Arbeitsverträge lesen und verstehen, Small Talk mit Kollegen führen etc. Spezialmodule bereiten Migrantinnen und Migranten sprachlich auf den Berufsalltag konkreter Berufsgruppen wie Ärztinnen und Ärzte (C1), Pflegekräfte (B2), Verkäuferinnen und Verkäufer (B2) oder auch KFZ-Mechatronikerinnen und -mechatroniker (B2) vor. Spezialmodule A2 und B1 sind auf Teilnehmende ausgerichtet, die nach Integrationskursen das Sprachniveau B 1 nicht erreicht haben. Die meisten Kurse enden mit einer Prüfung.

Betriebliche Sprachmentorinnen und Sprachmentoren sind Personen, die auf Basis ihrer muttersprachlichen Kompetenz bzw. sicheren deutschen Sprachkenntnisse Zugewanderte beim Lernen der Zweitsprache Deutsch unterstützen, so z.B. zugewanderte Fachkräfte beim sprachlichen und fachlichen Lernen für Berufstätigkeit und Qualifizierung.
Als Voraussetzungen für diese Tätigkeit sollten Betriebliche Sprachmentorinnen und Sprachmentoren sowohl in ihrem Berufsfeld fachlich versiert als auch mit sprachlichen Gepflogenheiten im Unternehmen oder in der Einrichtung vertraut sein.

Das Sprachmentoring kann in Gestaltung und Dauer sehr individuell sein und viele Komponenten beinhalten:
- Ermunterung, bei Unsicherheiten in Deutsch nachzufragen
- einen Modus zur Fehlerkorrektur vereinbaren
- Sprachvorbild sein, das zur Nachahmung geeignet ist
- Kommunikationssituationen vorbereitend üben oder nachbereiten
- Fachsprache, aber auch verwendete Umgangssprache erklären
- betriebliche sprachliche Gepflogenheiten erläutern
- schriftliche Hilfestellungen wie Formulierungsbeispiele oder Wortlisten erstellen usw.

Auf organisatorischer Ebene kann Betriebliches Sprachmentoring bedeuten ein lernförderlicheres Arbeitsumfeld zu gestalten, beispielsweise durch das Anpassen von Schriftstücken auf das Sprachniveau der Deutsch Lernenden und Visualisierungen, die Anpassung der Arbeitsorganisation oder die Sensibilisierung der Kolleginnen und Kollegen für das Thema Arbeiten in der Zweitsprach Deutsch.

Anmerkung: Sprachpatin / Sprachpate und betriebliche/r Sprachmentorin /Sprachmentor werden oft synonym verwendet.

Links:

Deutsch am Arbeitsplatz. Betriebliches Sprachmentoring.
www.deutsch-am-arbeitsplatz.de/fileadmin/user_upload/PDF/10_Fachstelle/Betriebliches_Sprachmentoring_Deutsch-am-Arbeitsplatz.pdf

Sprachpaten. Baustein zur interkulturellen Organisationsentwicklung und Unterstützung in der beruflichen oder innerbetrieblichen Weiterbildung – am Beispiel Erzieher und Erzieherinnen. Dokumentation und Leitfaden.
www.deutsch-am-arbeitsplatz.de/fileadmin/user_upload/PDF/IQ_LNW_He_Doku_und_Leitfaden_Sprachpaten_Erzieher_innen_Teil1-2.pdf

Basic Interpersonal Communicative Skills, Deutsch: Alltagssprache, zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass ein hoher Grad an Mündlichkeit vorherrscht und Inhalte mithilfe kontextueller und interpersoneller Hinweise (wie Gestik, Mimik, Intonation) vermittelt werden. Alltagssprachliche Kommunikation ist auch im Arbeitsalltag von nicht zu unterschätzender Bedeutung: In Pausengesprächen oder im Smalltalk zwischen Mitarbeitenden werden zwischenmenschliche Beziehungen und damit auch die Basis für die Zusammenarbeit verhandelt.

Die Unterscheidung zwischen BICS und CALP wurde 1979 von Jim Cummins eingeführt.

Siehe auch:
CALP

Bildungssprache zeichnet sich durch einen hohen Grad an Abstraktheit und das relative Fehlen kontextueller Hinweise aus; anders als im Alltag spielen konzeptuelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit eine große Rolle. Bildungssprache findet sich vor allem in akademischen Texten und Fachtexten.

Um bildungssprachliche Texte zu entschlüsseln brauchen Leser_innen gute Lesestrategien. Das Verfassen bildungssprachlicher Texte erfordert ebenfalls eine ganze Reihe verschiedener Fertigkeiten, wie etwa die Fähigkeit zum analytischen Denken und zum Strukturieren.

Auf der grammatischen Ebene zeichnet sich Bildungssprache häufig durch Nominalisierungen und starken Passivgebrauch aus. Bildungssprachliche Kompetenzen sind eine wichtige Grundlage für fachliches Lernen und Handeln. Aufgrund der hohen Bedeutung von Bildungssprache für die berufliche Qualifizierung wird heute verstärkt für eine gemeinsame Vermittlung sprachlicher und fachlicher Inhalte – etwa in Form eines integrierten Sprachunterrichts oder Weiterbildungsbegleitender Hilfen – plädiert.

Siehe auch:
BICS, CALP

Binnendifferenzierung ist ein pädagogisches Konzept für die Gestaltung des Unterrichts, das sich abwendet von der Annahme, dass innerhalb einer heterogenen Lerngruppe jede/r Lernende zum gleichen Zeitpunkt die gleichen Inhalte nach der gleichen Methode zu lernen habe. Unter Binnendifferenzierung werden demnach alle Maßnahmen verstanden, die innerhalb einer Lerngruppe dazu beitragen, den Lernprozess für verschiedene Lernende unterschiedlich zu gestalten und den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Lerngeschwindigkeiten und Interessen sowie unterschiedlichen Motivationslagen Rechnung zu tragen. Ziel ist ein ganzheitlicher und lebendiger Unterricht, der allen Lernenden die Möglichkeit gibt, etwas für sie Relevantes zu lernen.

Siehe auch:
Didaktik, Lernerorientierung, Heterogenität