Punkte

Eine systematische Einarbeitung dient dazu, dass neue Mitarbeitende schnell selbständig ihre Tätigkeiten ausführen können. Bei Personen mit Deutsch als Zweitsprache trägt zu einem erfolgreichen Start viel bei, wenn gezielt die sprachlich kommunikativen Anforderungen am Arbeitsplatz thematisiert werden.

Geben Sie soweit möglich den neuen Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen:
- Arbeitsaufgaben eigenständig bearbeiten,
- Lernwege erproben,
- gemeinsam regelmäßig auswerten, was gut läuft und wo Bedarf für Hilfestellungen besteht.

Beispiel:  Übersicht erste 8 Wochen im Betrieb.[Foto]

Mehr dazu sowie Beispiele für Arbeitsaufgaben zur Einarbeitung finden Sie im „Werkzeugkoffer: Passgenaue Einarbeitung. Der Vielfalt eine Brücke bauen“

Betriebliche Dokumenten und Anweisungen sprachlich zu vereinfachen kommt nicht nur Deutschlernenden zugute, sondern allen Mitarbeitern entgegen. Formulierungen in betrieblichen Anweisungen und Dokumenten sind besser verständlich, wenn Sie

- kurze Hauptsätze statt viele Nebensätze schreiben,
- in der Alltagssprache oder international bekannte Wörter verwenden („sofort“ ist bekannter als „unverzüglich“, „alle“ bekannter als „jegliche“, „Checkliste“ ist internationaler als „Verfahrensanweisung“  usw.),
- aktiv statt passiv formulieren, was zu tun ist („Drücken Sie den Schalter...“ statt „...ist zu betätigen“),
- vermeiden, Verben zu Hauptwörtern zu machen und
- wenn möglich Schrift mit Piktogrammen oder Fotos ergänzen

Beispiele finden Sie hier

Für viele Personen, die eine Arbeit in einer neuen Sprache beginnen, sind Arbeitsbesprechungen eine Herausforderung, wenn
… Abläufe noch unklar sind,
… unbekannte Abkürzungen verwendet werden,
… auf Personen Bezug genommen wird, deren Funktion man nicht kennt,
… Themen vermischt werden,
… mehrere Personen durcheinander sprechen,
… man als neu Hinzugekommene*r nicht weiß, wie man sich einbringen kann und soll usw.

Stellen Sie neuen Mitarbeitenden bei Besprechungen ein*e Kolleg*in zur Seite, die vor, während oder nach der Besprechung Zusammenhänge und Begriffe erklärt.

Visualisieren Sie bei längeren Besprechungen wichtige Punkte und Verabredungen.

Wenn Beteiligung erwünscht ist, berücksichtigen Sie, dass neue Mitarbeitende ggf. mehr Zeit brauchen, um zu formulieren, was sie sagen möchten.

Welche Sprech- und Schreibweisen in bestimmten Arbeitssituationen angemessen sind, ist für Nicht-Muttersprachler*innen oft schwer zu erkennen.

Brigitte Hirsch, zuständig für die Pflegefachausbildung an einer Hamburger Beruflichen Schule, sagt: „Die Förderung der kommunikativen Kompetenzen spielt eine wichtige Rolle und ist eine große Herausforderung für Auszubildende mit einer anderen Muttersprache als Deutsch, selbst wenn sie mit einem B2 Zertifikat die Ausbildung beginnen. Für eine Vielzahl von Vorgängen müssen mindestens drei verschiedene Formulierungen gelernt werden: Bildungssprache, Umgangssprache, und um alle Patienten zu verstehen auch Vulgärsprache und Kindersprache.

Hier finden Kolleg*innen kreative Methoden, wie Ausdrücke eingeordnet und erweitert werden können.

[Bsp. Lungenstation]

In der Grammatik unterscheidet man zwischen „erheblichen“ Fehlern (solchen, die das Verständnis beeinträchtigen) und „unerheblichen“ (solchen, die das nicht tun). Zu den erheblichen Fehlern zählen z.B. Fehler im Satzbau.
„Das Kind der große Mann schlägt.“ Hier ist nicht leicht ersichtlich, wer etwas macht. „Unerhebliche“ Fehler wie falsche Artikel oder ein Akzent beeinträchtigen das Verständnis in aller Regel nicht „Die Geld liegt auf das Tisch.“ Hier ist die Sachlage klar. (La Mura Flores, Scherer-Papp: 18)

In der mündlichen Kommunikation braucht man in den meisten Fällen keine vollständigen und korrekten Sätze, um sich zu verstehen. Konzentrieren Sie sich bei kollegialen Gesprächen am besten auf die Inhalte und unterbrechen Sie den Redefluss nicht. Nur wenn eine Person der anderen nicht folgen kann, fragt sie am besten gleich nach.

Bei Erwachsenen wird die Sprachleistung in einer Fremdsprache besonders von emotionalen Faktoren beeinflusst. Achten Sie daher darauf, Stressfaktoren bei Gesprächen wie voreilig Sätze für die*den anderen zu beenden oder Ungeduld und Unverständnis zu signalisieren zu vermeiden.

Wenn ein*e neue Mitarbeiter*in darum bittet korrigiert zu werden, empfiehlt es sich eine Form zu finden, die Gespräche nicht unterbricht, sondern zu vereinbarten Zeitpunkten sprachliche Aspekte thematisiert.
Beispielsweise könnte ein Kollege mit dem neuen Mitarbeiter auf dessen Wunsch hin verabreden, vormittags auf die Verwendung der Artikel der/die/das zu achten, sich notieren, was ihm auffällt und vor der Mittagspause ein Feedback dazu geben.
Auf die Frage „Habe ich das richtig gesagt?“ gibt‘s natürlich sofort Rückmeldung!

Beim Schriftverkehr, Dokumentationen, Rechnungen und allem, wo formale Korrektheit wichtig ist, kann man im Team vereinbaren, wer die neue Kolleg*in dabei unterstützt.