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Von der Gründung in die Festanstellung

Nada Al Assali geht mit Fitness ihren Weg

Im Rahmen des IQ Auftrags, zugewanderte Existenzgründungsinteressierte bei der Bewältigung der vielfältigen kommunikativen Herausforderungen auf dem Weg zur Selbstständigkeit zu unterstützen und zu stärken, begegnen uns immer wieder beeindruckende Gründer*innen voller Ideen und Power. Nada Al Assali ist eine von ihnen. Im November 2021 gewann sie beim Pitch von „Perspektive Neustart – The Human Safety Net“ mit ihrer Idee sowohl den Publikumspreis als auch den Jurorenpreis der CosmosDirekt Versicherung. Hier erzählt sie ihre Geschichte und wie sie das Deutsch Lernen erlebt hat.


Nada, wie war dein beruflicher Weg in Deutschland bisher?


Ich bin 2017 aus Syrien ins Saarland gekommen, habe einen Integrationskurs und einen Berufssprachkurs B2 gemacht. Und den Führerschein, der ist hier sehr wichtig! Dann habe ich mich bei Perspektive neuStart angemeldet, um an einem Training für Unternehmer*innen mit Fluchterfahrung teilzunehmen.


In Syrien war ich Unternehmerin. Ich hatte englische Literatur studiert und leitete meine Sprachschule und hatte ein eigenes Auto.


Aber hier mache ich etwas anderes: Als Zumba® Instructor und mit meiner Übungsleiter C-Lizenz habe ich angefangen, als Übungsleiterin für Fitnesskurse für Frauen und Kinder zu arbeiten. 2020 habe ich mit dem Landessportverband im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ ehrenamtlich Fitnesskurse für Frauen angeboten. Im Juli 2021 bin ich auf der Website des Landessportvereins für das Saarlands auf das Projekt GeniAl aufmerksam geworden. Dafür war eine halbe Stelle als Referentin ausgeschrieben. Ich habe ein Vorstellungsgespräch gemacht und habe den Job bekommen. Seit November habe ich zusätzlich eine halbe Stelle im Projekt „Demokratie leben“ für Jugendliche. Außerdem arbeite ich seit 2020 bis heute ehrenamtlich für die Diakonie Malstatt: Ich helfe bei der Zubereitung des Frühstücks für Schüler der Kirchbergschule.

Du bist also über dein Engagement, Sportkurse anzubieten, und durch die Qualität deiner Arbeit aufgefallen und bist jetzt angestellt.

Ja. Zum Glück kenne ich hier im Saarland viele… und ich habe Energie. Ich kann nicht zu Hause sitzen.

Was hat dir bei der Verwirklichung deiner Ziele geholfen?

Das Team von FITT  im Projekt Perspektive neuStart hat mir sehr geholfen, meine ursprüngliche Idee, ein Fitnessstudio für Frauen und Kinder zu gründen, zu verfolgen.

Gab es sprachliche Probleme?

Viele! Als ich in das Training von Perspektive neuStart gekommen bin, hatte ich B2, aber ich dachte, ich kann Null. Viele Leute dort sprachen besser als ich. Ich war sehr schüchtern. Als Mutter von zwei kleinen Kindern hatte ich wenig Sprachgelegenheiten.

Wir haben im Saarland ein Problem: Es gibt hier viele Geflüchtete aus Syrien. Daher benutzen wir die deutsche Sprache nicht viel, nur im Sprachkurs. In allen Geschäften arbeiten jetzt syrische Angestellte. Und es gibt noch ein anderes Problem: Als wir hierhergekommen sind, habe ich oft versucht, mich mit meinen Nachbarn zu unterhalten, um mein Deutsch zu verbessern. Unten in unserem Haus wohnt ein älteres Ehepaar, dem ich vorgeschlagen habe, zusammen Tee zu trinken und zu sprechen. Aber die Frau hat gesagt, dass sie keine Zeit haben.

Das ist ja schade!

Ja. Es gibt hier auch ein anderes deutsches Paar, aber sie arbeiten immer, von sieben bis sieben.
Ich habe alles probiert: Als meine Tochter Geburtstag hatte, habe ich alle Nachbarn zur Feier in den Hof eingeladen. Sie sind gekommen, haben uns ein Geschenk gegeben und „Tschüß“ gesagt.
Jetzt – mit meiner Arbeit – geht es besser. Alle meine Kolleg*innen sind Deutsche. Im ersten Monat hatte ich immer mein Handy bei mir und habe übersetzt.

Was würde dich denn noch bei deinem Deutschlernen unterstützen?


Ich muss jetzt oft mit Deutschen Kontakt aufnehmen. So kommt die Sprache: Wenn ich jeden Tag mit Deutschen rede und in mein kleines Heft schreibe. Das ist besser als ein Sprachkurs. Der ist gut für die Grammatik.


Wichtig bei den Deutschkursen ist, dass man keine langen Pausen dazwischen hat. Sonst vergisst man alles.
Als ich hierhergekommen bin und mit dem B1-Kurs begonnen habe, war ich schwanger. Meine Tochter wurde im Januar 2018 geboren und die Sprachprüfung war im März. Als sie 6 Monate alt war, habe ich mit dem Berufssprachkurs B2 angefangen. Das ging, weil mein Mann zu Hause war. Aber trotzdem: Vier Stunden Deutschkurs am Tag und dann nach Hause gehen, das reicht für das Sprachenlernen nicht. Wir brauchen mehr!

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!