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Nachhaltige Perspektiven für Geflüchtete

Drei Fragen an das Netzwerk Fluchtort Hamburg 5.0

Geflüchtete bei ihrer beruflichen Orientierung und dem Einstieg in Ausbildung und Arbeit zu unterstützen ist das Ziel des Projektverbunds FLUCHTort Hamburg 5.0. 

 

 

Was sind die wichtigsten Bausteine bei der Beratung und Begleitung Geflüchteter, um Brücken in dauerhafte Lebens- und Berufsperspektiven zu bauen?

 


Das ist im Kern zum einen der häufig längerdauernde Prozess zur Berufsorientierung für Ausbildung und Beschäftigung, um gemeinsam mit den Teilnehmenden einen in Bezug auf ihre Lebenssituation, ihre vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen sowie den Bedarfen des Arbeitsmarkts realisierbaren Einstieg in den Arbeitsmarkt zu gestalten. Zum anderen geht es um die Akquise von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen vor dem Hintergrund ausländerrechtlich bedingter eingeschränkter Arbeitsmarktzugänge sowie um die Begleitung der Einstiegsphasen im Betrieb sowohl für den Teilnehmenden als auch für Betriebsangehörige.

 

Welche Rolle haben dabei die Unternehmen, mit denen ihr kooperiert?

 

Wir vermitteln ja überwiegend Geflüchtete mit noch ungesichertem Aufenthalt und eingeschränktem Arbeitsmarktzugang in Ausbildung und Arbeit. Unternehmen müssen die Bereitschaft haben, sich sowohl auf die deutlich unsichereren Aufenthaltsperspektiven der Bewerber*innen einzulassen als auch auf die Prüfung der Beschäftigungsbedingungen durch die Arbeitsagentur (bei Beschäftigung). Zudem müssen sie teilweise deutlich früher als gewöhnlich Bescheinigungen von Beschäftigungs- und Ausbildungsplatzzusagen ausstellen, um zur Aufenthaltssicherung der Teilnehmenden beizutragen.

Im Betriebsalltag sind sie nicht selten auch für individuelle Lösungen gefragt, z.B. um behördliche Verpflichtungen der betreffenden Arbeitnehmer*innen (Amt für Migration, ehemals Einwohnerzentralamt) zu ermöglichen. Insbesondere bei Ausbildung kümmern sich viele Betriebe auch um ergänzende Unterstützung, damit ihre Azubis vor allem die berufsschulischen Anforderungen der Ausbildung meistern. Hier steht unser Netzwerk den Betrieben unterstützend zur Seite.

 

An welchen Stellen müsste das Netzwerk verstärkt werden? Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

 

Flüchtlinge sind als besonders vulnerable Gruppe auch auf dem Arbeitsmarkt besonders von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen - wie auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einem Bericht in 2020 konstatiert - und überdurchschnittlich häufig von Kündigungen bzw. zurückgenommenen Ausbildungs- und Beschäftigungszusagen betroffen. Diese Effekte werden noch weit in die Folgejahre hineinwirken.

Hier wünschen wir uns zum einen, dass wir dem erhöhten Bedarf an beruflicher Neuorientierung wie auch der damit einhergehenden Qualifizierungsbedarfe durch entsprechende Angebote auch in unserem Netzwerk begegnen können. Um die Teilnahme an Qualifizierung und Ausbildung zu erhöhen, sind vor allem Angebote zur Grundbildung, insbesondere auch der digitalen Kompetenzen notwendig. Außerdem finden wir es an der Zeit, dass mit einer Neuregelung des Bleiberechts für mehrjährig Geduldete Perspektiven aus der Duldung heraus geschaffen werden und die Anforderungen für die Erlangung von Aufenthaltserlaubnissen an tatsächlich zumutbaren und für die Betroffenen umsetzbaren Schritten ausgerichtet werden. Es muss ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden, nachhaltige Perspektiven zu entwickeln, die nicht nur auf die kurzfristige Absicherung von selbstständigem Einkommen durch oft prekäre Beschäftigungsverhältnisse orientiert ist.

 

Vielen Dank an Franziska Voges und Ines Fögen, Netzwerkleitung und Koordination von FLUCHTort Hamburg 5.0, für das Interview. Die Koordination des Projektverbunds liegt bei der passage gGmbH.

Der Kooperationsverbund FLUCHTort Hamburg 5.0 wird im Rahmen der ESF-Integrationsrichtlinie Bund im Handlungsschwerpunkt „Integration von Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Flüchtlingen“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert sowie durch die Freie und Hansestadt Hamburg kofinanziert.