Punkte
 StartAktuelles > Veranstaltungen

Neues Jahr, neuer Fokus - Praxis und Forschung im Dialog

Eine Vortragsreihe der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Hamburg

Lebensgeschichte und Sprachen: Wie soziale Beziehungen unsere Sprachaneignung beeinflussen

Vertr.-Prof. Dr. Andrea Daase | Montag 23.09.2019 |16.00 - 19.00h

Veranstaltungsort:
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration - Raum M
Hamburger Straße 41

Der Zugang zum Sitzungsraum M befindet sich im Einkaufs- und Verwaltungszentrum Hamburger Straße, der "Hamburger Meile".

Sie erreichen den Veranstaltungsort mit der U-Bahn-Linie U3 oder mit den Bussen 37 und 261, jeweils Haltestelle "Hamburger Straße".

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich bis 20.09.2019 unter anmeldung(at)deutsch-am-arbeitsplatz.de mit dem Betreff "Vortrag - Im Fokus - September" an.

Lernenden-, Bedarfs- und Handlungsorientierung gelten als grundlegende didaktische Prinzipien guten (DaZ-)Unterrichts. Aber liegen wir mit unseren Annahmen, was dies bezüglich der einzelnen Individuen sowie ihrer Einbettung im Kontext von Migration und Integration bedeutet, wirklich immer so richtig? Was setzen wir stillschweigend voraus? Was bewegt die Lernenden und wie gestaltet sich der „Integrationsprozess“ aus der Binnenperspektive? Was bedeutet die Aneignung einer Sprache für deren Verwendung im täglichen sozialen und beruflichen Alltag? Was können wir aus einem tieferen Blick auf biographische und soziohistorische Zusammenhänge, die unser aller Handeln bedingen, lernen?

Mit Hilfe der soziokulturellen Theorie der Sprachaneignung und anhand von Daten aus sprachbiographischen narrativen Interviews gewinnen wir u.a. ein tieferes Verständnis dafür, welchen Stellenwert soziale Beziehungen, weit über Kursgrenzen hinaus, im Sprachaneignungsprozess haben.

An diesem Nachmittag überlegen wir mit Ihnen, welche Konsequenzen sich daraus für den Unterricht ergeben. Was könnte dies für meine Haltung und Rolle als Sprachlehrkraft bedeuten? Wie sind Kursrahmenbedingungen, Kooperationen und Verbindungen in die Arbeits- und Lebenswelt zu gestalten? Welche didaktisch-methodischen Ansätze sind hilfreich? Inwiefern können bspw. Elemente des Sprachcoaching entscheidende Hilfestellungen für den Lernprozess , sowohl individuell als auch im Unterricht, geben?

REFERENTIN
Dr. Andrea Daase (Universität Bielefeld/Universität Bremen)

Andrea Daase hat Deutsch als Fremdsprache, Spanien- und Lateinamerikastudien und Soziologie an der Universität Bielefeld sowie Sozialpädagogik an der FH Bielefeld studiert und – nach vielfältigen Berufserfahrungen als Lehrkraft in (berufsbezogenen) DaZ-Kursen sowie der Kurskoordination und -konzipierung bei einem Wohlfahrtsverband und in der Arbeitsverwaltung – an der Universität Bielefeld zu Sprachsozialisationserfahrungen in den Beruf promoviert. Im Sommersemester 2019 vertritt sie die Professur Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bremen. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache im Kontext von Schule, Ausbildung und Beruf sowie Soziokulturelle Theorie der Zweitsprachenerwerbsforschung.

SAVE THE DATE

Die nächsten Veranstaltungen der Reihe "Im Fokus", die wir dieses Jahr in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Hamburg durchführen, planen wir für den 11.11.2019 und den 02.12.2019. Wir freuen uns, Ihnen in Kürze an dieser Stelle mehr zu den Vortragsthemen zu veröffentlichen.



Unser Fokus im Jahr 2018

Sprachenlernen in der Mehrsprachigkeit und Vielfalt - Praxis und Forschung im Dialog

Eine Vortragsreihe der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch

Sprachenlernen gerät in den Fokus durch die Diskussion über Zuwanderung und Migration. Sprachenlernen unter den Bedingungen von Vielfalt und Mehrsprachigkeit ist facettenreich.

Die Vortragsreihe nimmt unterschiedliche Facetten des Sprachenlernens in den Fokus und fächert Fragen nach Zielgruppen und methodisch-didaktischen Ansätzen differenziert auf.

Wer sind die Menschen, die sich nun neu der deutschen Sprache annähern? Welche Geschichte prägt sie? Was bringen sie mit und was brauchen sie?

Welche Formen des Lehrens und Lernens sind hilfreich? Welche Bedingungen unterstützen die sprachliche Integration?

Im Fokus 2018 waren:


Sprachenlernen in der Migration: Wie die Erfahrung der Migration auf das Erlernen der neuen Sprache wirkt

Dr. Verena Plutzar | Dienstag 04.09.2018

Migration bedeutet in der Regel den Verlust des selbstverständlichen Gebrauchs der eigenen Sprache und die Notwendigkeit, sich eine neue Sprache in einem Maße anzueignen, dass selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben wieder aufgenommen werden kann. Die allermeisten Menschen, die sich aufmachen um in einem neuen Land ihren Lebensmittelpunkt zu suchen, nehmen sich daher auch vor, die Sprache dieses Landes zu erlernen. Sie wissen, dass sie Schlüssel sein wird, um das zu erreichen, was sie sich erhoffen. Dennoch erleben viele von ihnen, dass das nicht so einfach ist und trotz hoher Motivation und Deutschkursbesuchen, bleiben Erfolge aus, vor allem jene, die gesellschaftspolitisch erwartet werden. Wie kann das sein?

Der Vortrag möchte den Blick auf einen bisher noch wenig beachteten Aspekt im Zusammenhang mit dem Sprachlernen in der Migration lenken: auf das krisenhafte Erleben der Migration, das sich aus Notwendigkeit nicht nur einer äußeren, sondern auch einer inneren Neuorientierung ergibt. Psychoanalytisch gesehen ist Migration ein komplexer psychologischer Prozess mit bleibenden Auswirkungen auf die Identität eines Menschen. Wer man in der neune neuen Lebenswelt sein will und sein kann, ist ein Aushandlungsprozess, der nicht nur anstrengend ist - ebenso wie das Erlernen einer neuen Sprache selbst. - sondern auch einen unsicheren Verlauf und Ausgang hat. Unter diesen Bedingungen scheint es weniger angebracht zu fragen, ob Lernende ausreichend motiviert sind, sondern, ob unter den herausfordernden Bedingungen von Migration die Investition des Erlernens der neuen Sprache geleistet werden kann

Um aufzuzeigen, wie das Sprachenlernen durch die Erfahrungen in der Migration beeinflusst wird und welche Konsequenzen sich daraus für Lernangebote ergeben, fasst Dr. Verena Plutzar Erfahrungen und Kenntnisse aus ihrer langjährigen Praxis als Deutschdozentin und ihrer Forschende zusammen.

REFERENTIN
Dr. Verena Plutzar ist zu den Themen Sprache, Migration und Flucht in Erwachsenenbildungsinstitutionen, Flüchtlingsorganisationen, Universitäten, Schulen und Kindergärten und beratend in Bildungsprojekten tätig.

Lernende mit begrenzter oder unterbrochener Schulbildung: Voraussetzungen, Erwartungen, Förderung

Marco Triulzi, Mercator-Institut | Donnerstag, 18.10.2018

Jeder Mensch bewegt sich mit seinem individuellen „Rucksack“ an Wissen, Fähigkeiten, Erwartungen und Zukunftsplänen. Dazu gehören auch die bisher erlebten Formen des Lernens und Unterrichts, die jeweilige Sozialisation in informellen sowie formalen Bildungskontexten. Daher ist für eine lernerorientierte sprachliche Förderung neben einer gezielten Diagnostik der gesamtsprachlichen Kompetenzen von Kursteilnehmenden die Ermittlung von Lernbiografien von zentraler Bedeutung: Schließlich können unterschiedliche Lernerfahrungen und -kulturen zu unterschiedlichen Denk- und Lernweisen führen.

Teilnehmende, die eine begrenzte oder unterbrochene Schulbildung in ihren Biografien aufweisen, erleben oft erhebliche Herausforderungen, wenn sie im deutschsprachigen Bildungs- und Ausbildungskontext mit einer Unterrichtskultur konfrontiert werden, die mit unterschiedlichen Ausprägungen auf (oft abstrakter) Schriftlichkeit basiert. Diese Herausforderung ist das Ergebnis einer lernkulturellen Dissonanz d.h. einer Diskrepanz zwischen der bisher erfahrenen und der im institutionalisierten Kontext neuen Lernstruktur.

Im Vortrag wird die Frage diskutiert, wie Lernende mit begrenzter oder unterbrochener Schulbildung adäquat gefördert werden können, insbesondere wenn sie schnell in die Arbeitswelt einsteigen möchten und sie durch Aus- und Weiterbildung nach beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten suchen. Zu diesem Zweck wird zunächst eine Auseinandersetzung mit wichtigen Diskrepanzfaktoren sowie Erwartungen von Lehrkräften und Curricula stattfinden, um anschließend Ansätze zu besprechen und reflektieren, die brückenschlagend die Überwindung von Dissonanzen eine angemessene Deutschsprachförderung anstreben.

REFERENT
Marco Triulzi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (Köln). Derzeit ist er als Dozent für die Erwachsenenbildung im Weiterbildungsstudium Deutsch als Zweitsprache tätig.

Oh, viel zu tun!: Chunks im berufsbezogenen und – vorbereitenden DaZ Unterricht

Susanne Oberdrevermann | Donnerstag, 22.11.2018

Was sind denn eigentlich Chunks?
Sie sind die Dreh- und Angelpunkte eines Unterrichts, der Lernende auf eine flüssige, kompetente und souveräne Sprachverwendung in Kommunikationssituationen am Arbeitsplatz vorbereitet.
Die konsequente Vermittlung dieser sprachlich relevanten Strukturen und der analytische Blick auf die Formelhaftigkeit der Sprache helfen den Sprachlernenden, Sprachbewusstheit zu entwickeln. Das führt zu nachhaltigem Spracherwerb.

Der Workshop gibt Anregungen, den Blick auf das Lehrwerk und die Lernenden durch die Chunk-Perspektive zu verändern, die mündliche Sprechfertigkeit und das flüssige Sprechen noch effizienter zu trainieren.

Wozu diese Perspektive?
Das Training von Wortschatz und Grammatik wird in den meisten Lehrwerken getrennt gesehen und vermittelt. Für die mündliche Sprachfertigkeit gibt die Forschung dem Trainieren von Chunks aber eine größere Bedeutung als dem isolierten Training von Vokabeln und Grammatik.

Die Informationen zu Spracherwerb, Mehrsprachigkeit und Lernen aus der Perspektive der Neurowissenschaften sind auch für diejenigen interessant, die Spaß daran haben, über die eigene Muttersprache und MehrsprachigkeiteEN (vgl. Prof. Dr. Sara Hägi-Mead) nachzudenken.

Susanne Oberdrevermann fasst Erfahrungen und Kenntnisse aus der Praxis als DaF- und DaZ-Trainerin in Wirtschaft und Schule/Weiterbildung zusammen, sowie Erfahrungen aus der Lehrkräftefortbildung und ihrer Forschung. Sie erläutert, wie sich mündliches Sprachtraining verändern lässt, um das kommunikative Handeln in der Zweitsprache Deutsch nachhaltiger zu ermöglichen.

REFERENTIN
Susanne Oberdrevermann arbeitet zu den Themen Spracherwerbsforschung, Mehrsprachigkeit, Methodik/Didaktik Berufsbezogenes Deutsch und Diversität. Sie ist in der Lehrkräftefortbildung und als Organisationsberaterin in sozialwirtschaftliche Unternehmen und Bildungseinrichtungen tätig.


ZIELGRUPPE

Der interaktive Workshop richtet sich an DaZ-Sprachlehrende und an Personen, die Interesse an der Spracherwerbs- und Mehrsprachigkeitsforschung haben. Informationen zu Sprachgebrauch, Mehrsprachigkeit und die Reflexion über Sprache(n) sind die erweiterten Themen dieser Fortbildung.

Dem inneren Drehbuch folgen: Unterrichten mit Szenarien

Margrit Hagenow-Caprez, Anne Sass | Vorträge und Workshops, Montag 03.12.2018

Lernszenarien holen für Alltag und Berufsleben wesentliche Kommunikationssituationen lebendig und authentisch in den Unterricht. Lernende erwerben Strategien, Wortschatz und Strukturen für den eigenen beruflichen Kontext. Sie trainieren ihre Kommunikations- und Zweitsprachkompetenzen realitätsnah an den mündlichen und schriftlichen Herausforderungen, die ihnen in ihrer Arbeits- und Lebenswelt begegnen. Sie können so ein „inneres Drehbuch“ aufbauen und weiterentwickeln, das ihnen hilft z.B. auf Station, im Kundengespräch, im Telefonat, in der Teambesprechung, bei der Schichtübergabe mit wachsendem Selbstvertrauen zu kommunizieren.

Wie lassen sich nun solche hilfreichen Ketten von fiktiven handlungsbezogenen Aufgaben mit einem realistischen Hintergrund zielgruppen-  und bedarfsorientiert konstruieren?
Wie entstehen die jeweils passenden „Kulissen“, die Rollen und Dialoge für die Lernszenarien? Auf welche Hilfen und Anregungen kann ich als „Regisseur“ und Lehrkraft zurückgreifen? Wie können die Lernenden zu Ko-Regisseuren und Schritt für Schritt auch zu Autorinnen und Autoren ihrer eigenen Lernszenarios werden?

All diese Fragen stehen an diesem interaktiven Nachmittag sowohl im Vortrag von Margrit Hagenow-Caprez und Anne Sass als auch in den darauffolgenden Workshops im Fokus.

Hier geht´s zum detaillierten Programmablauf