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Neues Jahr, neuer Fokus - Praxis und Forschung im Dialog

Eine Vortragsreihe der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Hamburg

Mehrsprachigkeit im DaZ-Unterricht – eine Ressource und keine Komplikation!

Martin Wurzenrainer, Verein Projekt Integrationshaus Wien & Thomas Laimer, Die Wiener Volkshochschulen / VHS Ottakring  | Freitag 24.01.2020 | Vortrag und Praxisphase 14.00 - 19.00h

Veranstaltungsort:
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration - Raum M (Neben der Behördenkantine)
Hamburger Straße 41

Der Zugang zum Sitzungsraum M befindet sich im Einkaufs- und Verwaltungszentrum Hamburger Straße, der "Hamburger Meile".

Sie erreichen den Veranstaltungsort mit der U-Bahn-Linie U3 oder mit den Bussen 37 und 261, jeweils Haltestelle "Hamburger Straße".

Hier finden Sie eine Wegbeschreibung.

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich bis 16.01.2020 unter anmeldung(at)deutsch-am-arbeitsplatz.de mit dem Betreff "Vortrag - Im Fokus - Januar" an.

Ein DaZ-Unterricht, der die Lernenden in den Mittelpunkt stellt und sich an deren vorhandenen Kompetenzen orientiert, kann Mehrsprachigkeit nur als Normalität betrachten und sollte sie auch als Ressource nützen. Der Einbezug des gesamten sprachlichen Repertoires der Lernenden ist nicht nur ein Gebot des Respekts, sondern auch für das Lernen von großer Bedeutung. Jede zusätzliche Sprache wird nicht getrennt von der Erstsprache bzw. den Erstsprachen erlernt, sondern sie wird in das bereits vorhandene sprachliche System integriert. Dies würde auch für den DaZ-Unterricht nahe legen, die Herkunftssprachen der Lernenden miteinzubeziehen. Ungeachtet wissenschaftlicher Befunde wird aus sprachenpolitischen Gründen Mehrsprachigkeit gegenwärtig zumeist als bildungsbenachteiligende Eigenschaft gehandelt. In Bildungsinstitutionen darf es aber zu keiner Reproduktion dieser Form der Diskriminierung kommen. Ein bewusster DaZ-Unterricht hat sich der Herausforderung migrationsbedingter sprachlicher Heterogenität in Bildungs- und Beratungsprozessen anzunehmen und den Einbezug der Mehrsprachigkeit für das Sprachenlernen zu forcieren.

Welches Hintergrundwissen zu den besonderen Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Mehrsprachigkeit im DaZ-Unterricht eine Rolle spielen können (wie die Diversität von Sprach- und Lernbiographien), braucht es?

Wie können Unterrichtende ihre Haltung zu und den Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Praxis reflektieren?

Wie kann der Einbezug von Mehrsprachigkeit in den Unterricht konkret erfolgen?

Welche Lernziele können dabei verfolgt und wie können dadurch neue Ressourcen geschaffen werden?

Zugänge und Antworten auf diese Fragen stehen an diesem interaktiven Nachmittag sowohl im Vortrag als auch in der anschließenden Praxisphase im Fokus.

 

REFERENTEN

Martin Wurzenrainer, Verein Projekt Integrationshaus Wien studierte an der Universität Wien Germanistik und Philosophie, Pädagogik und Psychologie auf Lehramt. Er ist Leiter des Fachbereichs Bildung im Verein Projekt Integrationshaus und in der Aus- und Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich und anderen Einrichtungen tätig.

Thomas Laimer, Die Wiener Volkshochschulen / VHS Ottakring studierte Germanistik und Romanistik auf Lehramt. Er arbeitet an der VHS Ottakring und ist als Referent in der Aus- und Weiterbildung für Die Wiener Volkshochschulen, den Verband Österreichischer Volkshochschulen und die Universität Wien tätig.

Planen, Formulieren, Überarbeiten: berufsbezogene Schreibkompetenzen fördern und entwickeln

Prof. Dr. Constanze Niederhaus, Olga Dohmann, Iska Niemeyer  | Montag 02.12.2019 | Vortrag und Praxisphase 14.00 - 19.00h

Veranstaltungsort:
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration - Raum M (Neben der Behördenkantine)
Hamburger Straße 41

Der Zugang zum Sitzungsraum M befindet sich im Einkaufs- und Verwaltungszentrum Hamburger Straße, der "Hamburger Meile".

Sie erreichen den Veranstaltungsort mit der U-Bahn-Linie U3 oder mit den Bussen 37 und 261, jeweils Haltestelle "Hamburger Straße".

Hier finden Sie eine Wegbeschreibung.

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich bis 25.11.2019 unter anmeldung(at)deutsch-am-arbeitsplatz.de mit dem Betreff "Vortrag - Im Fokus - Dezember" an.

Schreibprozesse sind komplex, brauchen Zeit und Ausdauer, ermutigendes Feedback und Wissen über hilfreiche Strategien. Oft fühlen sich Zweitsprachlernende beim Schreiben beruflicher Texte überfordert, manche haben Schreibhemmungen und empfinden Schreibscham; häufig wegen der Erwartung, den „perfekten Text“ im ersten Anlauf zu schreiben oder weil sie nicht einschätzen können, welche Textsorten oder Schreibkonventionen im jeweiligen Kontext erwartet werden.

Ein systematisches Training der Schreibkompetenz trägt diesen vielfältigen Herausforderungen und Blockaden Rechnung, vermittelt kleinschrittig Tipps und Tricks , motiviert und begleitet die Lernenden auf ihrem Weg zu größerer Text- und Schreibsicherheit und hilft Ängste abzubauen. Dabei ist auch nicht ausgeschlossen, dass hier und da Spaß & Freude am Schreiben aufblitzt und zunehmend  Stolz auf die eigenen Schreibprodukte entsteht.

Wie kann ich als DaZ- Lehrkraft Schreibkompetenzen in all ihren Aspekten nachhaltig und motivierend fördern und entwickeln?  Weiß ich genug über Schreibprozesse und mit welchem Methodenspektrum kann ich besonders Zweitspachlernende im Arbeits- oder Ausbildungskontext bei der Bewältigung ihrer Schreibaufgaben unterstützen?

All diese Fragen stehen an diesem interaktiven Nachmittag sowohl im Vortrag als auch in der anschließenden Praxisphase im Fokus.

 

REFERENTINNEN

Prof. Dr. Constanze Niederhaus ist Professorin für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Mehrsprachigkeit an der Universität Paderborn. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind u.a. Deutsch für den Beruf, die Professionalisierung von Lehrkräften für DaZ, migrationsbedingte Mehrsprachigkeit und Sprachbildung sowie das Unterrichten neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler in beruflichen Kontexten.

Olga Dohmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ)/Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Universität Paderborn sowie freiberufliche Fortbildnerin. Sie leitet an der Universität Paderborn den Schreib-Treff für internationale und mehrsprachige Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ihre Schwerpunkte in der Forschung und Lehre sind u.a. Deutsch für den Beruf, Schreiben und Schreibförderung in beruflichen Kontexten, wissenschaftliches Schreiben, integriertes Fach- und Sprachlernen in beruflichen Kontexten sowie Professionalisierung von Lehrkräften für DaF/DaZ.

Iska Niemeyer ist Germanistin und Erwachsenenbildnerin. Sie leitet in Bremen beim Paritätischen Bildungswerk ein IQ Projekt, das zugewanderte pädagogische Fachkräfte sprachlich und fachlich auf die Anforderungen im pädagogischen Berufsfeld vorbereitet. Überzeugt davon, dass berufsspezifische Schreibkompetenzen essenziell für einen Bildungsabschluss und eine erfolgreiche Tätigkeit im Beruf sind, wird im Bremer Projekt hierauf der Fokus gelegt. Diese Überzeugung leitet sie auch in ihrer Tätigkeit als Trainerin für Integriertes Fach- und Sprachlernen.

Wahrnehmen, Üben, Reflektieren: Phonetik im berufsbezogenen DaZ-Unterricht

Dr. Olga Haber | Montag 11.11.2019 | 16.00 - 19.00h

Veranstaltungsort:
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration - Raum M (Neben der Behördenkantine)
Hamburger Straße 41

Der Zugang zum Sitzungsraum M befindet sich im Einkaufs- und Verwaltungszentrum Hamburger Straße, der "Hamburger Meile".

Sie erreichen den Veranstaltungsort mit der U-Bahn-Linie U3 oder mit den Bussen 37 und 261, jeweils Haltestelle "Hamburger Straße".

Hier finden Sie eine Wegbeschreibung.

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich bis 04.11.2019 unter anmeldung(at)deutsch-am-arbeitsplatz.de mit dem Betreff "Vortrag - Im Fokus - November" an.

Eine verständliche Aussprache und ein klarer Sprechstil sind für viele „kommunikationsintensive“ Berufe in der Medizin oder Pflege, in der Pädagogik aber auch im Verkauf unverzichtbar, um am Arbeitsplatz kompetent interagieren zu können. Auch in anderen Berufen oder im Alltag möchte man verstanden werden und seine Kommunikationspartnerinnen/-partner verstehen. Eine fehlerhafte Aussprache beeinträchtig das Verständnis jedoch manchmal viel stärker als grammatische oder lexikalische Fehler. Dabei wird dem Aussprachetraining im berufsbezogenen Unterricht sehr wenig bis gar keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Was macht eine verständliche Aussprache aus? Welche Voraussetzungen wirken auf die Bildung einer guten, verständlichen Aussprache? Wie kann ich als Lehrkraft in meinem berufsbezogenen Unterricht auf höheren Niveaustufen die Aussprache trainieren? Auf diese und weitere Fragen wird im Vortrag eingegangen. Es wird zum einen das didaktische Verfahren zum Aussprachetraining vorgestellt, welches dem vor kurzem in der IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch entwickelten Phonetiktrainer „SCHULE deine Aussprache“ zugrunde liegt und eine verständliche und authentische Aussprache in typischen beruflichen Gesprächssituationen aus dem Berufsfeld „Schule“ trainiert.

Zum anderen werden im Vortrag Vorschläge gemacht, wie der Phonetikunterricht in die Unterrichtspraxis integriert werden kann und wie die entwickelten Materialien auf andere Berufsfelder bzw. andere institutionelle Zusammenhänge übertragen werden könnten. Denn diese Materialien können von DaZ-Lehrenden sowohl in berufsspezifischen als auch in berufsübergreifenden und allgemeinsprachlichen Deutschkursen eingesetzt werden. Lassen Sie sich von der Vielzahl der Übungen, die den Lernprozess auf kognitivem, visuellem, auditivem, haptischem und kinästhetischem Wege unterstützen, begeistern und nehmen Sie viele Tipps für die Gestaltung des Aussprachetrainings mit in den Unterricht!

REFERENTIN
Dr. Olga Haber hat Deutsch und Englisch als Fremdsprache an der Staatlichen Universität Samara/Russland studiert, dort am Lehrstuhl für Deutsch in Germanistik promoviert und 15 Jahre Deutschlehrerinnen/-lehrer an der gleichen Universität ausgebildet. Aussprachearbeit war ein fester Bestandteil der Veranstaltungen zur Sprachpraxis Deutsch. Olga Haber ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachstelle mit dem Schwerpunkt pädagogische Berufe, Spracharbeit auf höheren Niveaustufen, Fortbildungen für DaF/DaZ-Dozentinnen. Zusätzlich arbeitet sie als Lehrkraft in BSK-Kursen der VHS Bremen.

Lebensgeschichte und Sprachen: Wie soziale Beziehungen unsere Sprachaneignung beeinflussen

Vertr.-Prof. Dr. Andrea Daase | Montag 23.09.2019 |16.00 - 19.00h

Veranstaltungsort:
Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration - Raum M
Hamburger Straße 41

Der Zugang zum Sitzungsraum M befindet sich im Einkaufs- und Verwaltungszentrum Hamburger Straße, der "Hamburger Meile".

Sie erreichen den Veranstaltungsort mit der U-Bahn-Linie U3 oder mit den Bussen 37 und 261, jeweils Haltestelle "Hamburger Straße".

Hier finden Sie eine Wegbeschreibung.

Anmeldung:

Bitte melden Sie sich bis 20.09.2019 unter anmeldung(at)deutsch-am-arbeitsplatz.de mit dem Betreff "Vortrag - Im Fokus - September" an.

Lernenden-, Bedarfs- und Handlungsorientierung gelten als grundlegende didaktische Prinzipien guten (DaZ-)Unterrichts. Aber liegen wir mit unseren Annahmen, was dies bezüglich der einzelnen Individuen sowie ihrer Einbettung im Kontext von Migration und Integration bedeutet, wirklich immer so richtig? Was setzen wir stillschweigend voraus? Was bewegt die Lernenden und wie gestaltet sich der „Integrationsprozess“ aus der Binnenperspektive? Was bedeutet die Aneignung einer Sprache für deren Verwendung im täglichen sozialen und beruflichen Alltag? Was können wir aus einem tieferen Blick auf biographische und soziohistorische Zusammenhänge, die unser aller Handeln bedingen, lernen?

Mit Hilfe der soziokulturellen Theorie der Sprachaneignung und anhand von Daten aus sprachbiographischen narrativen Interviews gewinnen wir u.a. ein tieferes Verständnis dafür, welchen Stellenwert soziale Beziehungen, weit über Kursgrenzen hinaus, im Sprachaneignungsprozess haben.

An diesem Nachmittag überlegen wir mit Ihnen, welche Konsequenzen sich daraus für den Unterricht ergeben. Was könnte dies für meine Haltung und Rolle als Sprachlehrkraft bedeuten? Wie sind Kursrahmenbedingungen, Kooperationen und Verbindungen in die Arbeits- und Lebenswelt zu gestalten? Welche didaktisch-methodischen Ansätze sind hilfreich? Inwiefern können bspw. Elemente des Sprachcoaching entscheidende Hilfestellungen für den Lernprozess , sowohl individuell als auch im Unterricht, geben?

REFERENTIN
Dr. Andrea Daase (Universität Bielefeld/Universität Bremen)

Andrea Daase hat Deutsch als Fremdsprache, Spanien- und Lateinamerikastudien und Soziologie an der Universität Bielefeld sowie Sozialpädagogik an der FH Bielefeld studiert und – nach vielfältigen Berufserfahrungen als Lehrkraft in (berufsbezogenen) DaZ-Kursen sowie der Kurskoordination und -konzipierung bei einem Wohlfahrtsverband und in der Arbeitsverwaltung – an der Universität Bielefeld zu Sprachsozialisationserfahrungen in den Beruf promoviert. Im Sommersemester 2019 vertritt sie die Professur Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bremen. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache im Kontext von Schule, Ausbildung und Beruf sowie Soziokulturelle Theorie der Zweitsprachenerwerbsforschung.

SAVE THE DATE

Die Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Hamburg wird im nächsten Jahr fortgeführt. Merken Sie sich den 24. Januar 2020 zum Thema "Mehrsprachigkeit" vor. Wir freuen uns, Ihnen in Kürze an dieser Stelle mehr dazu zu veröffentlichen.



Unser Fokus im Jahr 2018

Sprachenlernen in der Mehrsprachigkeit und Vielfalt - Praxis und Forschung im Dialog

Eine Vortragsreihe der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch

Sprachenlernen gerät in den Fokus durch die Diskussion über Zuwanderung und Migration. Sprachenlernen unter den Bedingungen von Vielfalt und Mehrsprachigkeit ist facettenreich.

Die Vortragsreihe nimmt unterschiedliche Facetten des Sprachenlernens in den Fokus und fächert Fragen nach Zielgruppen und methodisch-didaktischen Ansätzen differenziert auf.

Wer sind die Menschen, die sich nun neu der deutschen Sprache annähern? Welche Geschichte prägt sie? Was bringen sie mit und was brauchen sie?

Welche Formen des Lehrens und Lernens sind hilfreich? Welche Bedingungen unterstützen die sprachliche Integration?

Im Fokus 2018 waren:


Sprachenlernen in der Migration: Wie die Erfahrung der Migration auf das Erlernen der neuen Sprache wirkt

Dr. Verena Plutzar | Dienstag 04.09.2018

Migration bedeutet in der Regel den Verlust des selbstverständlichen Gebrauchs der eigenen Sprache und die Notwendigkeit, sich eine neue Sprache in einem Maße anzueignen, dass selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben wieder aufgenommen werden kann. Die allermeisten Menschen, die sich aufmachen um in einem neuen Land ihren Lebensmittelpunkt zu suchen, nehmen sich daher auch vor, die Sprache dieses Landes zu erlernen. Sie wissen, dass sie Schlüssel sein wird, um das zu erreichen, was sie sich erhoffen. Dennoch erleben viele von ihnen, dass das nicht so einfach ist und trotz hoher Motivation und Deutschkursbesuchen, bleiben Erfolge aus, vor allem jene, die gesellschaftspolitisch erwartet werden. Wie kann das sein?

Der Vortrag möchte den Blick auf einen bisher noch wenig beachteten Aspekt im Zusammenhang mit dem Sprachlernen in der Migration lenken: auf das krisenhafte Erleben der Migration, das sich aus Notwendigkeit nicht nur einer äußeren, sondern auch einer inneren Neuorientierung ergibt. Psychoanalytisch gesehen ist Migration ein komplexer psychologischer Prozess mit bleibenden Auswirkungen auf die Identität eines Menschen. Wer man in der neune neuen Lebenswelt sein will und sein kann, ist ein Aushandlungsprozess, der nicht nur anstrengend ist - ebenso wie das Erlernen einer neuen Sprache selbst. - sondern auch einen unsicheren Verlauf und Ausgang hat. Unter diesen Bedingungen scheint es weniger angebracht zu fragen, ob Lernende ausreichend motiviert sind, sondern, ob unter den herausfordernden Bedingungen von Migration die Investition des Erlernens der neuen Sprache geleistet werden kann

Um aufzuzeigen, wie das Sprachenlernen durch die Erfahrungen in der Migration beeinflusst wird und welche Konsequenzen sich daraus für Lernangebote ergeben, fasst Dr. Verena Plutzar Erfahrungen und Kenntnisse aus ihrer langjährigen Praxis als Deutschdozentin und ihrer Forschende zusammen.

REFERENTIN
Dr. Verena Plutzar ist zu den Themen Sprache, Migration und Flucht in Erwachsenenbildungsinstitutionen, Flüchtlingsorganisationen, Universitäten, Schulen und Kindergärten und beratend in Bildungsprojekten tätig.

Lernende mit begrenzter oder unterbrochener Schulbildung: Voraussetzungen, Erwartungen, Förderung

Marco Triulzi, Mercator-Institut | Donnerstag, 18.10.2018

Jeder Mensch bewegt sich mit seinem individuellen „Rucksack“ an Wissen, Fähigkeiten, Erwartungen und Zukunftsplänen. Dazu gehören auch die bisher erlebten Formen des Lernens und Unterrichts, die jeweilige Sozialisation in informellen sowie formalen Bildungskontexten. Daher ist für eine lernerorientierte sprachliche Förderung neben einer gezielten Diagnostik der gesamtsprachlichen Kompetenzen von Kursteilnehmenden die Ermittlung von Lernbiografien von zentraler Bedeutung: Schließlich können unterschiedliche Lernerfahrungen und -kulturen zu unterschiedlichen Denk- und Lernweisen führen.

Teilnehmende, die eine begrenzte oder unterbrochene Schulbildung in ihren Biografien aufweisen, erleben oft erhebliche Herausforderungen, wenn sie im deutschsprachigen Bildungs- und Ausbildungskontext mit einer Unterrichtskultur konfrontiert werden, die mit unterschiedlichen Ausprägungen auf (oft abstrakter) Schriftlichkeit basiert. Diese Herausforderung ist das Ergebnis einer lernkulturellen Dissonanz d.h. einer Diskrepanz zwischen der bisher erfahrenen und der im institutionalisierten Kontext neuen Lernstruktur.

Im Vortrag wird die Frage diskutiert, wie Lernende mit begrenzter oder unterbrochener Schulbildung adäquat gefördert werden können, insbesondere wenn sie schnell in die Arbeitswelt einsteigen möchten und sie durch Aus- und Weiterbildung nach beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten suchen. Zu diesem Zweck wird zunächst eine Auseinandersetzung mit wichtigen Diskrepanzfaktoren sowie Erwartungen von Lehrkräften und Curricula stattfinden, um anschließend Ansätze zu besprechen und reflektieren, die brückenschlagend die Überwindung von Dissonanzen eine angemessene Deutschsprachförderung anstreben.

REFERENT
Marco Triulzi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (Köln). Derzeit ist er als Dozent für die Erwachsenenbildung im Weiterbildungsstudium Deutsch als Zweitsprache tätig.

Oh, viel zu tun!: Chunks im berufsbezogenen und – vorbereitenden DaZ Unterricht

Susanne Oberdrevermann | Donnerstag, 22.11.2018

Was sind denn eigentlich Chunks?
Sie sind die Dreh- und Angelpunkte eines Unterrichts, der Lernende auf eine flüssige, kompetente und souveräne Sprachverwendung in Kommunikationssituationen am Arbeitsplatz vorbereitet.
Die konsequente Vermittlung dieser sprachlich relevanten Strukturen und der analytische Blick auf die Formelhaftigkeit der Sprache helfen den Sprachlernenden, Sprachbewusstheit zu entwickeln. Das führt zu nachhaltigem Spracherwerb.

Der Workshop gibt Anregungen, den Blick auf das Lehrwerk und die Lernenden durch die Chunk-Perspektive zu verändern, die mündliche Sprechfertigkeit und das flüssige Sprechen noch effizienter zu trainieren.

Wozu diese Perspektive?
Das Training von Wortschatz und Grammatik wird in den meisten Lehrwerken getrennt gesehen und vermittelt. Für die mündliche Sprachfertigkeit gibt die Forschung dem Trainieren von Chunks aber eine größere Bedeutung als dem isolierten Training von Vokabeln und Grammatik.

Die Informationen zu Spracherwerb, Mehrsprachigkeit und Lernen aus der Perspektive der Neurowissenschaften sind auch für diejenigen interessant, die Spaß daran haben, über die eigene Muttersprache und MehrsprachigkeiteEN (vgl. Prof. Dr. Sara Hägi-Mead) nachzudenken.

Susanne Oberdrevermann fasst Erfahrungen und Kenntnisse aus der Praxis als DaF- und DaZ-Trainerin in Wirtschaft und Schule/Weiterbildung zusammen, sowie Erfahrungen aus der Lehrkräftefortbildung und ihrer Forschung. Sie erläutert, wie sich mündliches Sprachtraining verändern lässt, um das kommunikative Handeln in der Zweitsprache Deutsch nachhaltiger zu ermöglichen.

REFERENTIN
Susanne Oberdrevermann arbeitet zu den Themen Spracherwerbsforschung, Mehrsprachigkeit, Methodik/Didaktik Berufsbezogenes Deutsch und Diversität. Sie ist in der Lehrkräftefortbildung und als Organisationsberaterin in sozialwirtschaftliche Unternehmen und Bildungseinrichtungen tätig.


ZIELGRUPPE

Der interaktive Workshop richtet sich an DaZ-Sprachlehrende und an Personen, die Interesse an der Spracherwerbs- und Mehrsprachigkeitsforschung haben. Informationen zu Sprachgebrauch, Mehrsprachigkeit und die Reflexion über Sprache(n) sind die erweiterten Themen dieser Fortbildung.

Dem inneren Drehbuch folgen: Unterrichten mit Szenarien

Margrit Hagenow-Caprez, Anne Sass | Vorträge und Workshops, Montag 03.12.2018

Lernszenarien holen für Alltag und Berufsleben wesentliche Kommunikationssituationen lebendig und authentisch in den Unterricht. Lernende erwerben Strategien, Wortschatz und Strukturen für den eigenen beruflichen Kontext. Sie trainieren ihre Kommunikations- und Zweitsprachkompetenzen realitätsnah an den mündlichen und schriftlichen Herausforderungen, die ihnen in ihrer Arbeits- und Lebenswelt begegnen. Sie können so ein „inneres Drehbuch“ aufbauen und weiterentwickeln, das ihnen hilft z.B. auf Station, im Kundengespräch, im Telefonat, in der Teambesprechung, bei der Schichtübergabe mit wachsendem Selbstvertrauen zu kommunizieren.

Wie lassen sich nun solche hilfreichen Ketten von fiktiven handlungsbezogenen Aufgaben mit einem realistischen Hintergrund zielgruppen-  und bedarfsorientiert konstruieren?
Wie entstehen die jeweils passenden „Kulissen“, die Rollen und Dialoge für die Lernszenarien? Auf welche Hilfen und Anregungen kann ich als „Regisseur“ und Lehrkraft zurückgreifen? Wie können die Lernenden zu Ko-Regisseuren und Schritt für Schritt auch zu Autorinnen und Autoren ihrer eigenen Lernszenarios werden?

All diese Fragen stehen an diesem interaktiven Nachmittag sowohl im Vortrag von Margrit Hagenow-Caprez und Anne Sass als auch in den darauffolgenden Workshops im Fokus.

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