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Sprachenlernen in der Mehrsprachigkeit und Vielfalt - Praxis und Forschung im Dialog

Eine Vortragsreihe der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch

Sprachenlernen gerät in den Fokus durch die Diskussion über Zuwanderung und Migration. Sprachenlernen unter den Bedingungen von Vielfalt und Mehrsprachigkeit ist facettenreich.

Die Vortragsreihe nimmt unterschiedliche Facetten des Sprachenlernens in den Fokus und fächert Fragen nach Zielgruppen und methodisch-didaktischen Ansätzen differenziert auf.

Wer sind die Menschen, die sich nun neu der deutschen Sprache annähern? Welche Geschichte prägt sie? Was bringen sie mit und was brauchen sie?

Welche Formen des Lehrens und Lernens sind hilfreich? Welche Bedingungen unterstützen die sprachliche Integration?

Im Fokus in diesem Halbjahr:


Sprachenlernen in der Migration: Wie die Erfahrung der Migration auf das Erlernen der neuen Sprache wirkt

Dr. Verena Plutzar

Dienstag 04.09.2018, 16:00 - 19:00 Uhr, inklusive Kaffeepause

dockeurope e.V., Bodenstedtstr.16 Eingang West, 22765 Hamburg

Migration bedeutet in der Regel den Verlust des selbstverständlichen Gebrauchs der eigenen Sprache und die Notwendigkeit, sich eine neue Sprache in einem Maße anzueignen, dass selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben wieder aufgenommen werden kann. Die allermeisten Menschen, die sich aufmachen um in einem neuen Land ihren Lebensmittelpunkt zu suchen, nehmen sich daher auch vor, die Sprache dieses Landes zu erlernen. Sie wissen, dass sie Schlüssel sein wird, um das zu erreichen, was sie sich erhoffen. Dennoch erleben viele von ihnen, dass das nicht so einfach ist und trotz hoher Motivation und Deutschkursbesuchen, bleiben Erfolge aus, vor allem jene, die gesellschaftspolitisch erwartet werden. Wie kann das sein?

Der Vortrag möchte den Blick auf einen bisher noch wenig beachteten Aspekt im Zusammenhang mit dem Sprachlernen in der Migration lenken: auf das krisenhafte Erleben der Migration, das sich aus Notwendigkeit nicht nur einer äußeren, sondern auch einer inneren Neuorientierung ergibt. Psychoanalytisch gesehen ist Migration ein komplexer psychologischer Prozess mit bleibenden Auswirkungen auf die Identität eines Menschen. Wer man in der neune neuen Lebenswelt sein will und sein kann, ist ein Aushandlungsprozess, der nicht nur anstrengend ist - ebenso wie das Erlernen einer neuen Sprache selbst. - sondern auch einen unsicheren Verlauf und Ausgang hat. Unter diesen Bedingungen scheint es weniger angebracht zu fragen, ob Lernende ausreichend motiviert sind, sondern, ob unter den herausfordernden Bedingungen von Migration die Investition des Erlernens der neuen Sprache geleistet werden kann

Um aufzuzeigen, wie das Sprachenlernen durch die Erfahrungen in der Migration beeinflusst wird und welche Konsequenzen sich daraus für Lernangebote ergeben, fasst Dr. Verena Plutzar Erfahrungen und Kenntnisse aus ihrer langjährigen Praxis als Deutschdozentin und ihrer Forschende zusammen. Im Anschluss sind die Teilnehmenden eingeladen Fragen zu stellen und mit der Vortragenden und den KollegInnen in einen Erfahrungsaustausch zu gehen.

REFERENTIN
Dr. Verena Plutzar ist zu den Themen Sprache, Migration und Flucht in Erwachsenenbildungsinstitutionen, Flüchtlingsorganisationen, Universitäten, Schulen und Kindergärten und beratend in Bildungsprojekten tätig.

Lernende mit begrenzter oder unterbrochener Schulbildung: Voraussetzungen, Erwartungen, Förderung

Marco Triulzi, Mercator-Institut

Donnerstag, 18.10.2018,16:00 - 19:00 Uhr, inklusive Kaffepause

SOAL, Große Bergstraße 154, 22767 Hamburg

Jeder Mensch bewegt sich mit seinem individuellen „Rucksack“ an Wissen, Fähigkeiten, Erwartungen und Zukunftsplänen. Dazu gehören auch die bisher erlebten Formen des Lernens und Unterrichts, die jeweilige Sozialisation in informellen sowie formalen Bildungskontexten. Daher ist für eine lernerorientierte sprachliche Förderung neben einer gezielten Diagnostik der gesamtsprachlichen Kompetenzen von Kursteilnehmenden die Ermittlung von Lernbiografien von zentraler Bedeutung: Schließlich können unterschiedliche Lernerfahrungen und -kulturen zu unterschiedlichen Denk- und Lernweisen führen.

Teilnehmende, die eine begrenzte oder unterbrochene Schulbildung in ihren Biografien aufweisen, erleben oft erhebliche Herausforderungen, wenn sie im deutschsprachigen Bildungs- und Ausbildungskontext mit einer Unterrichtskultur konfrontiert werden, die mit unterschiedlichen Ausprägungen auf (oft abstrakter) Schriftlichkeit basiert. Diese Herausforderung ist das Ergebnis einer lernkulturellen Dissonanz d.h. einer Diskrepanz zwischen der bisher erfahrenen und der im institutionalisierten Kontext neuen Lernstruktur.

Im Vortrag wird die Frage diskutiert, wie Lernende mit begrenzter oder unterbrochener Schulbildung adäquat gefördert werden können, insbesondere wenn sie schnell in die Arbeitswelt einsteigen möchten und sie durch Aus- und Weiterbildung nach beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten suchen. Zu diesem Zweck wird zunächst eine Auseinandersetzung mit wichtigen Diskrepanzfaktoren sowie Erwartungen von Lehrkräften und Curricula stattfinden, um anschließend Ansätze zu besprechen und reflektieren, die brückenschlagend die Überwindung von Dissonanzen eine angemessene Deutschsprachförderung anstreben.

REFERENT
Marco Triulzi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (Köln). Derzeit ist er als Dozent für die Erwachsenenbildung im Weiterbildungsstudium Deutsch als Zweitsprache tätig.

Oh, viel zu tun!: Chunks im berufsbezogenen und – vorbereitenden DaZ Unterricht

Susanne Oberdrevermann

Donnerstag, 22.11.2018; 16:00 - 19:00 Uhr, inklusive Kaffepause

SOAL, Große Bergstraße 154, 22767 Hamburg

Was sind denn eigentlich Chunks?
Sie sind die Dreh- und Angelpunkte eines Unterrichts, der Lernende auf eine flüssige, kompetente und souveräne Sprachverwendung in Kommunikationssituationen am Arbeitsplatz vorbereitet.
Die konsequente Vermittlung dieser sprachlich relevanten Strukturen und der analytische Blick auf die Formelhaftigkeit der Sprache helfen den Sprachlernenden, Sprachbewusstheit zu entwickeln. Das führt zu nachhaltigem Spracherwerb.

Der Workshop gibt Anregungen, den Blick auf das Lehrwerk und die Lernenden durch die Chunk-Perspektive zu verändern, die mündliche Sprechfertigkeit und das flüssige Sprechen noch effizienter zu trainieren.

Wozu diese Perspektive?
Das Training von Wortschatz und Grammatik wird in den meisten Lehrwerken getrennt gesehen und vermittelt. Für die mündliche Sprachfertigkeit gibt die Forschung dem Trainieren von Chunks aber eine größere Bedeutung als dem isolierten Training von Vokabeln und Grammatik.

Die Informationen zu Spracherwerb, Mehrsprachigkeit und Lernen aus der Perspektive der Neurowissenschaften sind auch für diejenigen interessant, die Spaß daran haben, über die eigene Muttersprache und MehrsprachigkeiteEN (vgl. Prof. Dr. Sara Hägi-Mead) nachzudenken.

Susanne Oberdrevermann fasst Erfahrungen und Kenntnisse aus der Praxis als DaF- und DaZ-Trainerin in Wirtschaft und Schule/Weiterbildung zusammen, sowie Erfahrungen aus der Lehrkräftefortbildung und ihrer Forschung. Sie erläutert, wie sich mündliches Sprachtraining verändern lässt, um das kommunikative Handeln in der Zweitsprache Deutsch nachhaltiger zu ermöglichen.

REFERENTIN
Susanne Oberdrevermann arbeitet zu den Themen Spracherwerbsforschung, Mehrsprachigkeit, Methodik/Didaktik Berufsbezogenes Deutsch und Diversität. Sie ist in der Lehrkräftefortbildung und als Organisationsberaterin in sozialwirtschaftliche Unternehmen und Bildungseinrichtungen tätig.


ZIELGRUPPE

Der interaktive Workshop richtet sich an DaZ-Sprachlehrende und an Personen, die Interesse an der Spracherwerbs- und Mehrsprachigkeitsforschung haben. Informationen zu Sprachgebrauch, Mehrsprachigkeit und die Reflexion über Sprache(n) sind die erweiterten Themen dieser Fortbildung.

Dem inneren Drehbuch folgen: Unterrichten mit Szenarien

Margrit Hagenow-Caprez, Anne Sass

Vorträge und Workshops, Montag 03.12.2018, 14:00 - 19:00 Uhr

Amerikazentrum Hamburg e.V., Am Sandtorkai 48, 20457 Hamburg

Zur Anmeldung für einen oder mehrere Vorträge senden Sie uns bitte eine e-mail an: anmeldung(at)deutsch-am-arbeitsplatz.de und nennen Sie uns im Betreff bitte, für welche Daten wir Sie vormerken dürfen.