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Was trägt die Schule zum Erwerb von Bildungssprache bei? Vortrag von Prof. Dr. Ingrid Gogolin

Am 23. 9. 2009 hat Professor Dr. Ingrid Gogolin an der LMU München einen Vortrag mit dem Titel „Migranten im deutschen Bildungswesen – Perspektiven interkultureller Pädagogik“ gehalten. In dem Vortrag wird unter anderem erläutert, welche Merkmale Bildungssprache ausweisen (u. a. Gebrauchszweck, Grammatik, Textsorten, Register) und mit welchen bildungssprachlichen Herausforderungen Kinder mit Migrationshintergrund in der Schule konfrontiert sind. Nicht zuletzt wird in dem Vortrag anhand von Unterrichtsbeobachtungen aufgezeigt, welche Faktoren dazu beitragen, dass Kinder sich Bildungssprache aneignen - oder nicht.

 

Die Videoaufzeichnung dieses Vortrags steht auf der Homepage des Förmig-Kompetenzzentrums unter der Rubrik Bildungssprache zur Verfügung. Einzelne Kapitel des Vortrags können angewählt werden und die ausgesprochen verständlich gehaltenen Ausführungen zum Thema Bildungssprache beginnen im Kapitel 5 der Präsentation.

 

 

„Zur Professionalisierung von Lehrkräften im Bereich Deutsch als Zweitsprache“ von Prof. Dr. Udo Ohm

Beim Eintritt in die berufliche Ausbildung benötigen Jugendliche eine bildungssprachliche Kompetenz, die es ihnen ermöglicht, fach- und berufsbezogene Aufgaben zu bewältigen. Viele Schüler_innen, vor allem (aber nicht nur) diejenigen mit Migrationshintergrund, sind diesen Anforderungen jedoch nicht gewachsen. Eine der Ursachen dieser  Diskrepanz liegt nach Udo Ohm in der Lehrerausbildung: Fachlehrer_innen werden nämlich nicht auf die konstitutive Funktion von Sprache für das Fachlernen vorbereitet.

Udo Ohm schlägt deshalb in seinem Aufsatz drei Kompetenzbereiche vor, die zukünftig  Bestandteil eines fächerübergreifenden Ausbildungssegments Deutsch als Zweitsprache in der Erstausbildung für Fachlehrer sein sollten:

 

  • Die Unterstützung zweitsprachenspezifischer Entwicklungsprozesse Lehrkräfte müssen mit lernersprachlichen Entwicklungsprozessen vertraut sein und sollten deren Auswirkungen auf das Sprachverhalten von Schüler_innen kennen. Die besonderen sprachlichen Voraussetzungen von Lernenden mit Migrationsgeschichte müssen im Unterricht berücksichtigt werden: In diesem Kontext ist zum Beispiel das Einordnen von Fehlern als Ausdruck von Lernersprache ebenso von Bedeutung wie der tolerante und konstruktive Umgang damit. Außerdem ist es wichtig, dass Schüler_innen im Unterricht ausreichend Gelegenheit zu sprachlicher Produktion bekommen.
  • Die Förderung bildungssprachlicher Kompetenzen fachlichen Lernens Mangelnde bildungssprachliche Kompetenz (in der Zweitsprache) – dazu gehört etwa Lesekompetenz, das Erklären von Sachverhalten und Abläufen sowie die Fähigkeit zu argumentativen Auseinandersetzungen – schränkt die Handlungskompetenz der Schüler_innen ein. Lehrende sollten dafür Sorge tragen, dass Schüler_innen nicht-deutscher Herkunftssprachen Deutsch auf bildungssprachlichem Niveau erwerben können und typischen Schwierigkeiten  bei der Arbeit mit Fachtexten konstruktiv begegnen. Textvorentlastung, Verstehensstrategien und Lesestrategien müssen folglich Bestandteil des Unterrichts mit Fachtexten sein.
  • Schulsprachliche Normalitätserwartungen sollen reflektiert werden. Lehrende müssen für verschiedene Spracherwerbsbiographien und daraus resultierende Lernvoraussetzungen sensibilisiert werden, damit die normgerechte Beherrschung der deutschen Sprache nicht unreflektiert zum Selektionsinstrument bei der Verteilung von Bildungschancen wird. Ohm wendet Bourdieus Konzept der „legitimen Sprache“ auf die Schulsprache an: Wenn Schülerinnen und Schüler diese nicht adäquat beherrschen, sie aber normativ gesetzt wird, ist damit der Zugang zu Bildung und sozialen Welten begrenzt.

Wie sich die Integration dieser drei Kompetenzbereiche in die Lehrerausbildung gestalten könnte und welche Kenntnisse Lehrer_innen mitbringen müssen, damit sie in heterogenen Schulklassen einen sprachförderlichen Fachunterricht durchführen können, beschreibt Udo Ohm ausführlich in seinem Aufsatz, mit dem er einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Professionalisierung von Lehrkräften und Kursleitenden liefert. 

 

Ohm, Udo (2009): Zur Professionalisierung von Lehrkräften im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Überlegungen zu zentralen Kompetenzbereichen für die Lehrerausbildung. In: Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht, Jahrgang 14, Nr. 2, 28-36.

 

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"Intimacy Learning" von Matilde Grünhage-Monetti

Sprachenlernen ist eng verbunden mit Lernerfahrungen, beruflichen Identitäten und Selbstbildern, Lebensplänen sowie mit Zugängen, sozialen Optionen und Partizipationsaussichten.

 

Für die Konzeption sprachlicher Bildungsangebote in Betrieben spielen außerdem die Rahmenbedingungen und die Lernkultur im Betrieb eine bedeutende Rolle. Wie können Bildungsangebote im Rahmen innerbetrieblicher Weiterbildungen sowohl den subjektiven Erfahrungen, Kompetenzen und emotionalen Welten der Lernenden als auch betrieblichen Bedarfen Rechnung tragen? Welche lerntheoretischen Konzepte eignen sich, um die Komplexität des (Sprachen-)lernens zwischen kognitiven, emotionalen und sozialen Faktoren zu erklären?

 

Matilde Grünhage-Monetti stellt in ihrem Aufsatz „Intimacy Learning am Arbeitsplatz“ zunächst die Lerntheorie des Psychologen Knud Illeris vor, welche den Rahmen für ihre Überlegungen zu einem ganzheitlichen Sprachenlernansatz darstellt. Intimacy Learning wird von Matilde Grünhage-Monetti mit Rückbezug auf Illeris definiert als Lernprozess, in dem innere und äußere Faktoren in einer beständigen Wechselwirkung zusammenspielen.

 

Wie dieses Konzept für das Verstehen der subjektiven Gestaltung von Bildungsangeboten genutzt werden kann und welche Konsequenzen sich daraus für die Entwicklung von betrieblichen Weiterbildungen ergeben, illustriert Grünhage-Monetti anhand von zwei Fallstudien. Die beiden darin beschriebenen Migrantinnen reagieren unterschiedlich auf das Angebot betrieblicher arbeitsplatzbezogener Deutschkurse, was vor dem Hintergrund ihrer individuellen Deutungen des Weiterbildungsangebots, ihrer Biographien und Zukunftsperspektiven verständlich wird.

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Grünhage-Monetti, Matilde (2009): Lernen am Arbeitsplatz – ein „intimes“ Geschehen. In: DIE  Zeitschrift für Erwachsenenbildung. Bielefeld. II/2009, S. 26-29.

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