Konzept- und Materialpool
„Den Job kommunizieren“: arbeitsplatznahe Lernformen als Schrittsteine in arbeitsrelevante Diskurse
Alex Braddell ist Leiter des Oxford Skills Escalator Center und Praxisforscher im Bereich arbeitsplatzbezogener Grundbildung. Sein langjähriger Arbeitsschwerpunkt besteht in der Entwicklung von Konzepten und Lernmaterialien für lernförderliche Arbeitsplätze jenseits von klassischen Kursräumen (siehe hierzu auch den Artikel „Beyond the classroom“). In seinem aktuellen Beitrag fasst der erfahrene Praktiker die Ergebnisse eines in England durchgeführten Untersuchungsprogramms zum Thema „Organisationsbezogene kommunikative Kompetenzen bei der Arbeit im Krankenhaus“ zusammen.
Projekthintergrund
Das vorgestellte Praxisforschungsprogramm „Stepping Stones“, das von März 2001 bis März 2006 in einem südenglischen Krankenhauskonzern und Pflegeausbildungsbetrie durchgeführt worden ist, orientierte sich an den folgenden zwei Leitfragen, die sich als Bedarfe der Organisationsentwicklung für den Betrieb stellten.
- Welche Maßnahmen unterstützen die Mitarbeiter, um ihre Arbeit so effektiv wie möglich zu erledigen?
- Wie können Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter erweitert und optimiert werden?
Bei den verschiedenen Untersuchungen, die im Rahmen des Projekt zur Beantwortung dieser Fragen unternommen wurden, lag bei drei Aktionen der Fokus auf der Rolle des Sprechens und Hörverstehen am Arbeitsplatz.
Sprachkompetenz für Mitarbeitergespräche und Arbeitssicherheit
Zum einen wurde die Planung und Durchführung eines umfassenden Mitarbeiterbeurteilungsprozesses begleitet und evaluiert, der sich auf 11 Abteilungen und mehr als 330 Mitarbeiter aus allen Organisationsebenen des Konzerns bezog.
Für die meisten Teilnehmenden waren diese Mitarbeitergespräche, die als Gruppengespräche von den Akteur_innen des Stepping-Stones-Projekts durchgeführt wurden, eine völlig neue Erfahrung. Auch die eingesetzte Sprache gespickt mit Termini und Konzepten wie „Ziele setzen“ oder „Schlüsselergebnisbereiche“ waren Zweitsprachlernenden wie auch Muttersprachler_innen fremd und ungewohnt.
Zum anderen wurde das Training der Arbeitsschutz- und Arbeitssicherheitsbestimmungen, die sich an Abteilungen und mehrere hundert Mitarbeiter_innen richtete, unter die Lupe genommen.
Untersuchen wie „der Job“ kommuniziert wird
Drittens wurden die Praktiken und Prozeduren, durch die die Mitarbeiter sowohl mit ihren Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten als auch mit den Zielen und Aufgaben ihrer jeweiligen Abteilungen vertraut gemacht werden, beobachtet.
Zur Entwicklung lernförderlicher Arbeitsplätze jenseits von Kursräumen: Ein Bericht aus England
Auf der Metropolistagung 2010 haben Matilde Grünhage-Monetti und Bettina Kleiner mit Alex Braddell und weiteren europäischen Kolleginnen einen Workshop veranstaltet, dem auch nach der Konferenz in Den Haag ein reger inhaltlicher Austausch zwischen den Veranstalterinnen folgte. Umso mehr freuen wir uns, Ihnen die Arbeit von Alex Braddell vorstellen zu können.
Alex Braddell arbeitet in Großbritannien seit vielen Jahren im Bereich der Grundbildung am Arbeitsplatz. Er ist unter anderem der Leiter des Oxfordshire Skills Escalator Centre.
Dort und im Rahmen seiner selbstständigen Tätigkeiten entwickelt und managt er Projekte zur organisationsbezogenen Grundbildung, führt Praxisforschung durch, moderiert elektronische Lernprogramme und entwickelt auch bedarfs- und teilnehmerorientierte Lehr- und Lernmaterialien – um nur einige seiner Arbeitsfelder zu nennen. Inhaltlich liegt sein Schwerpunkt auf der Entwicklung lernförderlicher Arbeitsplätze für geringqualifizierte Berufe. Im Mittelpunkt der von ihm entwickelten Trainings und Weiterbildungskonzepte steht dabei wiederum die Förderung arbeitsplatzbezogener kommunikativer Kompetenzen.
Verlinkt finden Sie hier zwei Texte zur Arbeit von Alex Braddell:
Ein E-Mail Interview mit ihm, in dem er auf die Bedeutung von Grundbildung in Großbritannien sowie auf staatliche Maßnahmen dazu eingeht. Letztere weisen gerade bezogen auf berufsbezogene Grundbildung noch deutliche Schwächen auf.
Hier geht es zum Interview mit Alex zum Hintergrund von Grundbildungsmaßnahmen in UK.
In seinem aktuellen Artikel beyond the classroom wiederum beschreibt Alex Braddell einige der von ihm mitentwickelten Projekte Grundbildung am Arbeitsplatz ganz konkret. Besonders interessant fanden wir das Konzept der „Englischhäppchen am Arbeitsplatz“, das Alex mit Kolleginnen in einem Krankenhaus für das Pflegehilfspersonal mit Migrationshintergrund durchgeführt hat. Da das Personal für die Weiterbildung nicht freigestellt wurde, musste eine andere Herangehensweise gewählt werden: Mit den Teilnehmenden wurden pro Woche drei Zehn-Minutentermine vereinbart, zu denen eine Art Blitzunterricht durchgeführt werden sollte. Nachdem zunächst zusammen mit Personal und Leitungsebene relevante sprachliche Handlungsfelder wie z. B. Kommunikation über Gesundheit, Teamgespräche, Feedback etc. identifiziert worden waren, wurden diese wiederum in konkrete Sprachhandlungen (wie etwa erklären, um Hilfe bitten etc.) heruntergebrochen.
Dann wiederum entwickelten die Fortbildner_innen für jedes Modul oder Häppchen ein Lernkärtchen (hier finden Sie eine Lernkarte zum Thema: Grenzen des eigenen Aufgabenbereichs)
, das relevante Redemittel und grammatische Strukturen beinhaltete. Diese Kärtchen stützten in Folge die kleinen Sprachweiterbildungseinheiten und dienten dem Personal im Arbeitsalltag zum selbstständigen Lernen oder zum Weitergeben der neuen Redemittel.
Über den Erfolg und die Hürden dieses und anderer Grundbildungsansätze lesen Sie hier mehr…..
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