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Fachbezogenes Deutsch in der Gesundheits- und Krankenpflege

Projekt: Lehrgang zur Vorbereitung auf die Eignungsprüfung für Personen mit ausländischem Berufsabschluss in der Kranken- und Kinderkrankenpflege

Projektzeitraum: seit März 2012 

Projektträger: Akademie Städtisches Klinikum München in Kooperation mit der Münchner Volkshochschule GmbH 

 

Vor dem Hintergrund des Mangels an Fachkräften in der Gesundheits- und Krankenpflege in München und der Region wurden ab Oktober 2010 Berufsfachschulen für Kranken- und Kinderkrankenpflege zur Durchführung von Anpassungslehrgängen ausgewählt. Eine dieser Berufsfachschulen ist die Akademie Städtisches Klinikum München. Hier startete im März 2012 das von der Landeshauptstadt München¹ geförderte Pilotprojekt „Lehrgang zur Vorbereitung auf die Eignungsprüfung für Personen mit ausländischem Berufsabschluss in der Kranken- und Kinderkrankenpflege“. Der Lehrgang richtete sich an Krankenpfleger/innen und Kinderkrankenpfleger/innen mit ausländischen Berufsabschlüssen, die nach dem BQFG eine Anpassungsqualifizierung benötigen, um eine Gleichwertigkeit ihres Berufsabschlusses zu erlangen.²

Lehrgangsdaten

Der erste Lehrgang zur Vorbereitung auf die Eignungsprüfung (sog. „Kenntnisstandprüfung“) begann im März 2012 und endete im Juli 2012. Die Teilnehmenden legten die Eignungsprüfung sowie die Prüfung zum Goethe-Zertifikat B2 als Nachweis fortgeschrittener Deutschkenntnisse ab. Ein zweiter Lehrgang folgte von September bis Dezember 2012. Pro Gruppe nahmen 15 Teilnehmer/innen teil.

Der Unterricht wurde in zehn Modulen durchgeführt und fand freitags statt. Jedes Modul beinhaltete sechs Unterrichtseinheiten (UE) Fachunterricht, der von unterschiedlichen Fachlehrkräften für Gesundheits- und Krankenpflege im Team-Teaching mit einer DaZ-Lehrkraft durchgeführt wurde. Nach dem Fachunterricht fanden jeweils zwei UE Fachbezogener Deutschunterricht und zwei weitere UE Allgemeinsprachlicher Unterricht zur Vorbereitung auf das Goethe-Zertifikat B2 statt.

Lehrgangsziele 

Die Ziele des Lehrgangs waren der Ausbau des pflegerischen und medizinischen Fachwissens sowie die Förderung der kommunikativen Kompetenzen für den beruflichen Alltag und für die Eignungsprüfung. Hierfür war eine Erweiterung der allgemeinsprachlichen und fachbezogenen Deutschkenntnisse in mündlicher und schriftlicher Form erforderlich. Auf Wunsch der Teilnehmer/innen fand in 8 Modulen eine Prüfungsvorbereitung auf das Goethe-Zertifikat B2 im Umfang von 2 UE statt.

Sprachbedarfsermittlung und Sprachstandfeststellung 

Während des ersten Lehrgangs wurde ein erhöhter Bedarf an Unterstützung durch DaZ-Lehrkräfte im Fachunterricht festgestellt. Im zweiten Lehrgang nahmen deshalb DaZ-Lehrkräfte am Fachunterricht teil, um den Sprachbedarf der Teilnehmer/innen durch Beobachtung zu ermitteln und zu dokumentieren und infolge im Team-Teaching die Fachlehrer/innen zu unterstützen. Zu Beginn des zweiten Moduls wurde auch eine Sprachstandfeststellung durchgeführt, die ein sprachliches Eingangs-Niveau der Teilnehmer/innen zwischen den Niveaustufen B1 und B2 ergab. 

Ablauf des Fachbezogenen Deutschunterrichts in Verzahnung mit dem Fachunterricht

A) Fachunterricht 

Thematische Inhalte in den 10 Modulen des Fachunterrichts waren: 

  • Standards, Hygiene und Prophylaxen,
  • Recht und Berufskunde,
  • Pflegeprozess und Pflegeplanung,
  • Pflegekonzepte,
  • Pflegetechniken 1 und 2,
  • Grundlagen der Gesprächsführung 1 und 2,
  • fallorientierte Prüfungsfragen lösen sowie
  • praktische Übungen zur Prüfungsvorbereitung.

Der Fachunterricht wurde im Team-Teaching mit der Fachlehrkraft und der DaZ-Trainerin durchgeführt. Die DaZ-Trainerin erklärte zum Beispiel bei Gruppenarbeiten schwierige Fachwörter und komplexe Satzstrukturen. Fachliche Themen wurden anhand von Praxisbeispielen in Gruppen bearbeitet und im Plenum vorgestellt. Hierbei unterstützte die DaZ-Trainerin, indem sie Formulierungshilfen bot oder neue Redemittel einführte.

B) Fachbezogener Deutschunterricht 

Im nachfolgenden Fachbezogenen Deutschunterricht lernten die Teilnehmenden berufliche Sachverhalte mit eigenen Worten wiederzugeben. Die DaZ-Trainerin bearbeitete mit den Teilnehmenden auch Fragen zu sprachlich und inhaltlich relevanten Themen. Ein weiterer Schwerpunkt des Fachbezogenen Deutschunterrichts lag auf der Förderung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit für die Kommunikation am Arbeitsplatz. Hierzu wurden Rollenspiele zu unterschiedlichen beruflichen Situationen eingesetzt und im Plenum reflektiert. 

Zentrale Inhalte des Fachunterrichts wurden im Fachbezogenen Deutschunterricht zumeist in Gruppenarbeit mithilfe von Unterrichtsmaterialien wiederholt und geübt. Fragen zum Fachwortschatz, der im Fachunterricht nicht verstanden wurde, wurden im Plenum geklärt. In dieser Unterrichtseinheit lernten, bzw. wiederholten die Teilnehmenden Grammatik-Themen, die im Fachunterricht aufgetaucht waren. Die DaZ-Lehrkräfte erstellten im Fachbezogenen Deutschunterricht gemeinsam mit den Teilnehmenden und mit den Fachlehrkräften ein medizinisches und pflegerisches Fachwort-Glossar, das für weitere Lehrgänge verwendet wird.

Resümee 

Die Teilnahme einer Deutsch-Trainerin am Fachunterricht erwies sich als konstruktiv und erfolgreich. So konnte von Anfang an eine Zusammenarbeit mit den Fachlehrkräften stattfinden und es gab die Möglichkeit, Team-Teaching auszuprobieren und zu entwickeln. Das Team-Teaching war besonders sinnvoll, wenn Raum für Gruppenarbeit gegeben wurde. Beispielsweise ergab sich in den Modulen Berufskunde, Gesprächsführung 1 und 2, Pflegeprozess und Pflegeplanung ein aktives Team-Teaching zwischen der Deutschdozentin und der Fachdozentin: gemeinsam konnten Gruppenarbeiten betreut und sprachlich relevante Ergänzungen zum Fachthema eingebracht werden. Durch die Beobachtung des Fachunterrichts beispielsweise zum Thema Gesprächsführung in der Berufspraxis erschlossen sich Themenschwerpunkte in der beruflichen Kommunikation, die sowohl für den Berufsalltag als auch für die Eignungsprüfung relevant waren. Diese Themenschwerpunkte wurden im Fachbezogenen Deutschunterricht ebenfalls vertieft. 

Ferner bestand im Fachunterricht die Möglichkeit, den Sprachbedarf der Teilnehmenden in Bezug auf Grammatik, Wortschatz und kommunikative Strategien zu ermitteln. Die so identifizierten Lernziele und -inhalte konnten dann im Fachbezogenen Deutschunterricht mit den Teilnehmenden bearbeitet werden. Durch die Teilnahme einer Deutschdozentin am Fachunterricht wurde auch klar, welche Begriffe in ein Glossar aufgenommen werden sollten. Auch war es manchmal möglich, die Lehrtexte zu vereinfachen bzw. verständlicher darzustellen, was die Vorbereitung der Teilnehmenden auf die Eignungsprüfung erleichterte. Durch entsprechende praktische Übungseinheiten gelang es, die Teilnehmenden effektiver auf die bevorstehende mündliche Eignungsprüfung vorzubereiten. 

Insgesamt konnte ein guter Kontakt und ein Vertrauensverhältnis zu den Teilnehmenden aufgebaut werden, was dazu führte, dass die Teilnehmenden häufig Fragen stellten und ihre kommunikativen Fähigkeiten trainieren konnten. Nach Abschluss des zweiten Lehrgangs haben die Teamer/innen Vorschläge und neue Ideen eingebracht, die im dritten Lehrgang erprobt wurden. Die Akademie Städtisches Klinikum München als Partner äußerte sich sehr positiv zur Zusammenarbeit. Durch die intensive DaZ-Begleitung der Fachdozent/innen im Fachunterricht und den nachfolgenden Fachbezogenen Deutschunterricht konnten sich die Teilnehmenden umfassend sprachlich weiter entwickeln, was sich auch positiv auf das Ergebnis der Eignungsprüfung auswirkte. 

Edith Böhm-WittmannAnita Baumann-Krischker, Münchner Volkshochschule GmbH (April 2014)

Kursbetreuung und Kontakt: marina.bilotta-gutheil(at)mvhs.de

 

Anmerkungen 

¹ Referat für Arbeit und Wirtschaft und das Sozialreferat, Amt für Wohnen und Migration der Landeshauptstadt München 

² Ein Teil des in Deutschland berufstätigen Pflegepersonals mit Migrationshintergrund verfügt über einen im Herkunftsland erworbenen Berufsabschluss in der Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege. Diese Berufsabschlüsse werden nach bestandener Eignungsprüfung nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) anerkannt (siehe www.anerkennung-in-deutschland.de/media/20120320_erlaeuterungen_zum_anerkennungsg_bund.pdf). Im Bundesland Bayern ist für die Berufsausübung, neben bestandener Eignungsprüfung, der Nachweis von Deutschkenntnissen auf dem B2-Niveau erforderlich.