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Integriertes Fach– und Sprachlernen in einer Altenpflegeausbildung

Projektzeitraum: 09/2013 bis 08/2015

Schulungsort: DRK-Pflegeschule Braunschweig, Senioreneinrichtungen der AWO Braunschweig 

Durchführende Weiterbildungsträger: DRK sowie VHS Braunschweig

 

Zur Ausbildungsgruppe

Im Rahmen eines GIZ-Programms zur Fachkräftesicherung absolvieren acht Krankenschwestern und zwei Krankenpfleger aus Vietnam an der DRK Pflegeschule Braunschweig eine verkürzte zweijährige Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. Der Fachunterricht wird von der Pflegeschule im Blocksystem angeboten, die Praxisphasen finden in unterschiedlichen Häusern der AWO Braunschweig statt. Der begleitende Deutschunterricht wird im Rahmen des ESF-BAMF-Programms von der Volkshochschule Braunschweig durchgeführt. Die Ausbildung hat im September 2013 begonnen und endet entsprechend im Sommer 2015. Im Herkunftsland hatten die jungen Vietnamesinnen und Vietnamesen Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2 erworben. Dieser Text beschreibt die Entwicklung des Gesamtkonzeptes sowie den Stand zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres.

Konzeptionelle Grundentscheidung

Das inhaltliche Ausbildungskonzept wurde speziell für diese Zielgruppe entwickelt; die DRK -Pflegeschule Braunschweig setzt bei der Umsetzung dieses Ausbildungslehrgangs auf eine enge Vernetzung aller beteiligten Akteure. Gemeinsame Konferenzen und Abstimmungsgespräche aller am Prozess beteiligten Institutionen sind daher regelmäßiger Bestandteil. Dies bedeutet auch, dass die in der Ausbildung tätigen DaZ-Lehrenden in das Konferenzsystem der Pflegeschule eingebunden sind. Nur durch den so gegebenen Austausch ist es möglich, das gesamte Konzept kontinuierlich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Der auf die gesamte Organisationsentwicklung zielende Ansatz wird auch darin deutlich, dass an die Ausbildung der vietnamesischen Pflegekräfte eine Schulung von Anleiterinnen und Anleitern angebunden ist, die unter anderem Interkulturelle Kompetenz und sprachsensibles Anleiten zum Inhalt hat.

Festlegung der fachlichen Inhalte

Die fachlichen Inhalte wurden auf einer Konferenz vor Beginn der Ausbildung von der Pflegeschule besprochen und auf die spezifische Lerngruppe zugeschnitten. Bei dieser Konferenz waren neben der Pflegeschule und den einbezogenen Fachlehrkräften auch Vertreterinnen und Vertreter aus den Praxisinstitutionen und der Volkshochschule Braunschweig anwesend. Besonders wurde berücksichtigt, dass die Fachkräfte aus Vietnam über gute behandlungspflegerische Kenntnisse verfügten, während grundpflegerische und sozialpflegerische Kenntnisse, letztere z. B. in der Biografiearbeit, vermittelt werden mussten.

Ziele der sprachlichen Qualifizierung

Die sprachliche Qualifizierung ist auf zwei Ziele ausgerichtet. Zum einen erwerben die Auszubildenden sprachliche Kompetenzen zur Erarbeitung der fachtheoretischen Inhalte der Ausbildung, zum anderen entwickeln sie die Kompetenzen, die nötig sind, um die Kommunikation am Arbeitsplatz erfolgreich bewältigen zu können. Die Inhalte der sprachlichen Qualifizierung orientieren sich an den konkret festgelegten fachlichen Inhalten der Ausbildung und den Bedarfen, die aus der Arbeitspraxis benannt wurden. Die Bedarfe wurden im Rahmen einer Abfrage sowohl in der Pflegeschule als auch in den Praxiseinrichtungen ermittelt. Dabei handelt es sich allerdings um einen fortlaufenden Prozess, der im Ablauf der Ausbildung begleitend wiederholt wurde und wird, so dass die Inhalte der sprachlichen Qualifizierung jeweils an die aktuellen Bedarfe angepasst werden können.

Elemente der sprachlichen Qualifizierung 

Die Umsetzung der sprachlichen Qualifizierung beinhaltet unterschiedliche Elemente, dabei handelt es sich um: 

  • Sprachlicher Blockunterricht beim Ausbildungsstart
  • Ausbildungsbegleitender Sprachblock
  • Team-Teaching
  • Individuelle Sprachförderung
  • Shadowing in den Praxiseinrichtungen
  • Online Tool 

Sprachlicher Blockunterricht 

Ein Ausgangsniveau A2 nach dem GER stellt für die Teilnahme an einer Ausbildung eine extreme Herausforderung dar. Aus diesem Grund wurde vor Eintritt in die theoretische Ausbildung ein Sprachmodul im Blockunterricht vorgeschaltet. Aufgrund der Einbindung in die Ausbildungsabläufe konnten allerdings nur zwei Wochen angeboten werden. Wünschenswert wäre ein längerer Sprachblock gewesen, um die Deutschkompetenz der Auszubilden vor Beginn der Ausbildung zu erhöhen. 

Ausbildungsbegleitender Sprachblock 

Im gesamten weiteren Verlauf der Ausbildung findet jeweils an einem Tag der Woche begleitend Deutschunterricht statt. Inhaltliche Schwerpunkte dieses begleitenden Unterrichts sind unter anderem Aspekte aus der alltäglichen Arbeitspraxis, Grundfragen aus der Altenpflege sowie zum Alltagsleben in Deutschland und die Bearbeitung sprachlicher Strukturen anhand des berufssprachlichen Hintergrunds. Das Material für den Unterricht wird von den Kursleitenden in Absprache mit den Fachlehrenden und den Praxiseinrichtungen entwickelt. 

Team-Teaching 

Etwa ein Viertel der theoretischen Unterrichtsstunden können durch ein Team-Teaching begleitet werden. Jeweils vor Beginn eines Praxisblocks wird entschieden, in welchem theoretischen Lernfeld das Team-Teaching sinnvollerweise eingesetzt werden soll. Eine feste Stundenverteilung an bestimmten Tagen ist daher nicht vorgesehen. Auch die Umsetzung gestaltet sich je nach Team unterschiedlich. Dabei finden sowohl Formen ihre Umsetzung, in der die DaZ-Lehrkraft den von der Fachlehrkraft geplanten Unterricht begleitet und unterstützt, als auch Formen, in denen Fach- und Sprachlernkraft den Unterricht vor- und nachbesprechen oder Testformate besprechen. Dieses offene Konzept hat sich sehr bewährt. Schon bei der ersten Planungskonferenz wurde es den Fachlehrenden vorgestellt und von diesen insgesamt sehr positiv aufgenommen. 

Individuelle Sprachförderung 

Neben der sprachlichen Qualifizierung in der gesamten Lerngruppe besteht darüber hinaus die Möglichkeit, einzelne Teilnehmende individuell zu fördern. Zunächst wurde diese Möglichkeit besonders für ein, häufig individuelles, Phonetik-Training genutzt, da sich in diesem Bereich bei einzelnen Teilnehmenden ein besonderer Handlungsbedarf zeigte. Im aktuell laufenden zweiten Ausbildungsjahr verschiebt sich der Schwerpunkt mehr in Richtung eines mündlichen Kommunikationstrainings in Kleingruppen oder auch im Einzeltraining. 

Shadowing 

Insbesondere im jetzigen zweiten Ausbildungsjahr werden die Auszubildenden von den DaZ-Lehrenden an ihren Arbeitsplätzen besucht und bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten begleitet. Im Anschluss findet ein Beratungsgespräch statt, in dem weitere kleine Schritte insbesondere bezogen auf die Anwendung von Gelerntem in der Praxis vereinbart werden. Voraussetzung für das sehr eng an die Arbeitsprozesse angebundene Shadowing ist ein Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten, in diesem Fall zwischen den Lehrkräften, den Auszubildenden, den Praxisinstitutionen mit ihren Mitarbeitenden aber auch den Bewohnerinnen und Bewohnern. Dieses Vertrauensverhältnis hat sich im Laufe der Zusammenarbeit mit allen Praxiseinrichtungen aufgebaut. 

Online Lernmodul 

Im Rahmen des Kurses wurde darüber hinaus das von der VHS Main-Taunus-Kreis entwickelte Online-Lernmodul Berufsbezogenes Deutsch in der Pflege als additives Lernangebot über sechs Monate pilotiert. Aufgrund des Kursstruktur – unter anderem der Tatsache, dass der Kurs zu dem Zeitpunkt schon fast ein Jahr stattgefunden hatte – konnte kein integratives Konzept gewählt werden. Der Onlinekurs wurde aber jeweils zwei Stunden pro Woche von einer DaZ-Kollegin begleitet, die nach Absprache mit der Kollegin in dem begleiteten Sprachmodul einzelne Inhalte freigeschaltet hat. So konnte begrenzt eine Verbindung zu den Inhalten des Sprachunterrichts gehalten werden. Diese zusätzliche Lernmöglichkeit wurde von einzelnen Teilnehmenden sehr intensiv, von anderen nahezu gar nicht genutzt. 

Resümee zum jetzigen Stand 

Keine/Keiner der Auszubildenden hat die Ausbildung abgebrochen und alle haben den Übergang vom zweiten in das dritte Ausbildungsjahr erfolgreich absolviert. Dies ist unter anderem dem übergroßen Engagement und Lerneifer der vietnamesischen Auszubildenden zuzuschreiben. Ein Ausbildungsbeginn mit einem Ausgangssprachniveau A2 war für alle Beteiligten eine erhebliche Herausforderung und ist in keinem Fall empfehlenswert. So ist auch geplant, eine weitere Ausbildungsgruppe mit sprachlichen Vorkenntnissen auf dem Niveau B2 beginnen zu lassen. In Bezug auf die sprachlichen Qualifizierungselemente war das Team-Teaching in dieser Zielgruppe zunächst besonders hilfreich, insgesamt hat sich die enge Verknüpfung aller sprachlichen Förderelemente mit der fachlichen und praktischen Ausbildung sehr bewährt. Zum bisherigen Erfolg des Ausbildungslehrgangs hat sicher auch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten beigetragen, die an vielen Stellen eine Korrektur und Anpassung an die konkreten Bedarfe und Entwicklungen ermöglicht hat. 

Eike Klingberg, DRK Altenpflegeschule Braunschweig, Wilhelmine Berg, VHS Braunschweig

Link: https://www.giz.de/de/downloads/giz2013-de-fachkraeftesicherung-triple-win.pdf

Kontaktdaten:

DRK Altenpflegeschule Braunschweig
Leitung: Eike Klingberg 
Tel.: 0531 7009780 
klingberg(at)altenpflegeschule-braunschweig.de 

Volkshochschule Braunschweig
IQ Netzwerk Niedersachsen: Teilprojekt: Berufsbezogenes Deutsch 
Wilhelmine Berg 
Tel.: 0531/2412-455 
Wilhelmine.berg(at)vhs-braunschweig.de