Punkte

Deutsch im Detail

Sprache und Kommunikation für die Berufsbildung
Markus Gsteiger, Andrea Schweizer
Klett und Balmer (Schweiz, 2008)


Zielgruppe und Lernziele

„Deutsch im Detail“ wurde als Deutschlehrmittel für die reformierte Grundbildung im Detailhandel (mit diesem Begriff wird in der Schweiz der Einzelhandel bezeichnet) entwickelt. Es richtet sich an Lernende in kaufmännischen und gewerblich-industriellen Berufsfachschulen, insbesondere an Auszubildende im Detailhandel, und setzt die Leistungszielkataloge der dreijährigen sowie der zweijährigen Ausbildung (in der Schweiz) um. Im Fokus der Lernziele steht die Förderung der beruflichen kommunikativen Kompetenzen: „Deutsch verstehen, sprechen und schreiben: Erst von dieser Grundlage aus lassen sich die verschiedenen Fachbereiche im Berufsleben oder in der Schule erschließen.“ (Band 1, Vorwort)

Überblick

„Deutsch im Detail“ trainiert in beiden Bänden ausgewählte kommunikative Kompetenzen für den beruflichen Alltag auf drei Ebenen: 

  • „Stark in Kommunikation“: Hier werden Fertigkeiten für eine erfolgreiche mündliche und schriftliche Kommunikation ausgeführt und eingeübt (z. B.: „Sich und andere vorstellen“, „Interviewen“, „Präsentieren“, „Argumentieren“ und Beschreiben). 
  • „Nah am Text“: Ziel hier ist es, das Gelesene zu verstehen und zu bearbeiten als Voraussetzung zur erfolgreichen Bewältigung der Anforderungen in der beruflichen Ausbildung; auf dieser Ebene soll auch zum Lesen und Schreiben angeregt werden.
  • „Sicher im Ausdruck“: Hier werden Themen der Grammatik wie Satzbau, Zeichensetzung und die Verwendung von Wortarten kurz und prägnant vorgestellt und Übungen dazu angeboten.

Der Begleitband inkl. CD-ROM für Unterrichtende enthält u. a. Kopiervorlagen, sämtliche Lösungen zu den Aufgaben und Übungen beider Arbeitsbücher, allgemeine und didaktische Hinweise, Übersichten zu den Anspruchsniveaus sowie Tests und Materialien zur Prüfungsvorbereitung.

Gliederung der Bände: modulares Lernen

Die drei Ebenen werden in den Kapiteln der beiden Bänden in drei Abteilungen untergliedert und in der Reihenfolge „Kommunikation“, „Textarbeit, „Ausdruckssicherheit“ vorgestellt; sie sind durchgängig farblich gekennzeichnet, wodurch auch deutlich „sichtbar“ wird, dass die erste Ebene („Stark in der Kommunikation“) - vor allem im ersten Band - quantitativ überwiegt. Die Texte und Übungen innerhalb der Kapitel sind sehr übersichtlich gestaltet und zahlreiche Grafiken, Diagramme und Tabellen unterstützen das Verstehen der Erläuterungen und der Aufgabenstellungen. 

In den beiden Bänden werden insgesamt 42 Kapitel (Band 1: 22 Kapitel, Band 2: 20 Kapitel) mit je 3 bis 21 Seiten angeboten (die vollständigen Inhaltsverzeichnisse können unter http://www.klett.ch/mediafiles/inhaltsverzeichnis/978-3-264-83693-6.pdf (Band 1) und http://www.klett.de/web/uploads/pondus_datei/DiD2_Inhalt.pdf(Band 2) eingesehen werden).

Aufgrund der thematischen Strukturierung der Kapitel bietet es sich an, sie nicht systematisch in der Reihenfolge, wie sie im Buch vorgestellt wird, im Unterricht umzusetzen, sondern die einzelnen Kapitel als „Module“ zu bearbeiten. – Vermutlich haben auch die Autor_innen dieses Konzept verfolgt: Jedes Kapitel ist in sich geschlossen, eine Progression von Kapitel zu Kapitel wird offensichtlich nicht verfolgt und es gibt auch keinen durchgehenden Handlungsstrang oder Protagonisten, die durch die Bände führen.

Zur Einführung in die Thematiken der Kapitel in der Ebene „Stark in Kommunikation“ wird jeweils das Lernziel benannt, z.B. für das Kapitel 6 Visualisieren: „Lernziel: Ich visualisiere den Inhalt einer Präsentation mit geeigneten Hilfsmitteln. Folien gestalte ich anschaulich und übersichtlich. Die Körpersprache setze ich so ein, dass sie meine Botschaft unterstützt.“ (Band 2, S. 47). Des Weiteren beginnt jedes Kapitel mit einem „Warm-up“, z.B. mit einem „Blitzlicht“, einem Fragebogen oder Piktogrammen. Die Aufgaben für die Lernenden sind innerhalb der Kapitel an verschieden Stellen verteilt, wobei im Vorfeld von Aufgaben häufig auch neue Inputs gegeben werden. Die Aufgabenstellungen der Ebene „Stark in Kommunikation“ sind meistens aktivierend: Die Lernenden werden aufgefordert, Notizen zu vervollständigen, Tabellen auszufüllen, Sätze umzuformulieren etc. Auch einige Aufgabenstellungen der Ebene „Nah am Text“ sind aktivierend (“Erfinden Sie einen Werbespruch mit Endreim, Stabreim oder Binnenreim“ – Band 1, S. 101), meistens aber eher diskursiv („Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Ende von Freundschaften gemacht?“ – Band 1, S. 93).

Den jeweils vier Kapiteln der Ebene „Sicher im Ausdruck“ werden auch in den Unterkapiteln Lernziele vorangestellt; in dieser Ebene werden zunächst sehr kurz „Theorien“ zum Thema vorgestellt und Übungen angeboten. – Jedes Kapitel hier wird mit einem Test beendet.

Kommentar

So lobenswert einerseits die Konzentration des Lehrwerks auf die berufliche Kommunikation in deutscher Sprache ist, sei hier doch kritisch angemerkt, dass der didaktische Ansatz häufig als „belehrend“ charakterisiert werden kann. Nur selten bis nie werden die Kenntnisse und Erfahrungen der Lernenden gezielt angesprochen und einbezogen, allzu häufig werden „Ratschläge“ erteilt, ohne vorab zu klären, über welche (individuellen) Lösungsansätze die Lernenden bereits verfügen, z.B. folgen auf die Aussage „So erledige ich die Hausaufgaben effizient“ sieben ausführliche Ratschläge (u. a. „Nach ca. 45 Minuten mache ich eine Pause von zehn Minuten“ - Band 1, S. 26). – Erst nach dieser detaillierten Auflistung werden die Lernenden aufgefordert, sich zwei Wochen lang beim Erledigen der Hausaufgaben zu beobachten.

Obwohl das Lehrwerk nicht ausdrücklich auf den Unterricht „Deutsch-als-Fremd- oder Zweitsprache“ zielt, kann es auch in Deutschland – insbesondere für die berufliche Ausbildung und insbesondere für Jugendliche „mit Migrationshintergrund“ – zur Förderung der beruflichen Kommunikation in Deutsch genutzt werden – je nach weiterer Didaktisierung der Materialien durch die Lehrkräfte aufbauend auf einem Niveau ab etwa B1.

Insgesamt bietet das Lehrwerk einen fundierten und umfassenden „Steinbruch“ für die Thematisierung und Einübung kommunikativer (deutsch-)sprachlicher Kompetenzen im Berufs- und Arbeitsalltag. Die Materialien der Ebene „Sicher im Ausdruck“ bieten darüber hinaus einen prägnanten Zugang zur theoretischen Betrachtung von (deutsch-)sprachlicher Kommunikation.

Insbesondere mit Blick auf die Ebene „Nah am Text“ muss allerdings einschränkend erwähnt werden, dass viele der ausgewählten Texte und Themen tatsächlich nur für Jugendliche und weniger für Erwachsene motivierend sein dürften; ebenfalls vor allem bei den Lesetexten – aber nicht nur dort - wird an mehreren Stellen inhaltlich allzu deutlich, dass die Texte für den Unterricht in der Schweiz konzipiert wurden. In Deutschland (und in Österreich) dürften einige der Texte bei den Lernenden eher Verwirrung stiften. – Dessen ungeachtet bietet das Lehrwerk möglicherweise vielen Lehrkräften Anregungen für Verfahren, mit denen gezielt Kommunikations- und Lesestrategien eingeübt werden können.

Rezensentin: Petra Szablewski-Cavus

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