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Deutsch für das Berufsleben

Deutsch als Fremdsprache für Erwachsene – Kurs- und Übungsbuch.
Zug: Klett und Balmer Verlag (2010)
Graziella Guenat und Peter Hartmann 


Zielgruppe

des Lehrwerks sind erwachsene Lernende, die im deutschsprachigen Raum oder im Ausland die Stufe B1 erreicht haben. Das Lehrwerk wendet sich an Menschen, die sich bereits im Berufsleben befinden oder eine Erwerbstätigkeit aufnehmen möchten. Aufgrund der behandelten Themen, der zügigen Progression sowie des verwendeten Bildmaterials, eignet sich das Lehrwerk primär für lerngewohnte Menschen, die auf eine solide Vorbildung zurückgreifen können und möglicherweise über berufliche Vorerfahrungen (im Herkunftsland) verfügen. Der Umfang der Aufgaben zur Entwicklung der Fertigkeit des Hörverstehens deutet darauf hin, dass die Hauptadressat_innen des Lehrwerks Lernende im Ausland sind.

Themen & Aufgaben im Kursbuch

Das Lehrwerk setzt sich aus einem Kurs- und einem Übungsbuch sowie aus zwei Audio-CDs zur Unterstützung der im Kursbuch enthaltenen Übungen zusammen. Das Kursbuch ist in sechs Kapitel unterteilt, deren Titel das jeweils behandelte Thema in prägnanter Weise darstellen. Folgende Themen werden im Lehrwerk behandelt:

  1. Am Telefon: Aus dem Ausland anrufen, sich verbinden lassen, einen Termin vereinbaren, eine Nachricht hinterlassen – Zum Lesen: Telefon und Kommunikationsmittel in europäischen und deutschen Unternehmen ;
  2. Auf Geschäftsbesuch: Kontaktaufnahme, (kulturspezifische) Gepflogenheiten beim ersten Kontakt, Betriebsbesichtigungen planen und durchführen – Zum Lesen: Verhaltensregeln in geschäftlichen Situationen;
  3. Sich kennen lernen: Geschäftsessen, sich über Familie und Freizeit unterhalten – Zum Lesen: die Stadt Frankfurt;
  4. Über die Firma: Industriebereiche und Dienstleistungsunternehmen, deren Struktur, Personal und Umsatzdaten – Zum Lesen: Vorstellung des Schweizer Messerherstellers Victorinox;
  5. Bei der Arbeit: Aufbau und Funktionen verschiedener Abteilungen eines Unternehmens, Arbeitsabläufe; Aufgaben zum Leseverstehen: Geschlechter-Pay- Gap;
  6. Messen und Veranstaltungen: Planung, Organisation und Durchführung von Geschäftsreisen; Aufgaben zum Leseverstehen: Deutschland als Messeland.

Die Kapitel werden durch ein Einstimmungsfoto eröffnet, das Impulse zum Assoziieren liefert. Unterhalb des Fotos sind die fünf im Kapitel zu bearbeitenden Lernziele angegeben, denen wiederum fünf Unterkapitel entsprechen. Im Anschluss an die Kapitel folgt eine „Zum Lesen“-Seite mit kulturspezifischen Informationen zum jeweils behandelten Thema. Verschiedene Aspekte eines Themas werden anhand von drei Grundtechniken angesprochen:

  • Hörtexte, die oft durch klassische Aufgabentypen wie „etwas notieren“, „Fragen beantworten“ oder „Lücken ergänzen“ begleitet werden;
  • Lesetexte, die mehrere Textsorten umfassen wie Tabellen, statistische Grafiken, Stadt- und Fahrpläne, Organigramme und die hin und wieder auch als Sprechanlass dienen;
  • Sprechaufgaben, meistens Gesprächssimulationen, die oft durch geeignete schematische Gesprächsverläufe sowie durch entsprechende Redemittel stark gelenkt sind; in jedem Kapitel finden sich auch mehrere Verweise auf den Abschnitt „Datenblätter“ in der zweiten Buchhälfte mit über dreißig thematisch passenden Rollenspielsituationen.

Trotz einiger Partner- bzw. Gruppenaufgaben ist die am häufigsten vorgeschlagene Sozialform für die Bearbeitung der Inhalte die Einzelarbeit.

Produktive Schreibaufgaben wie das Verfassen von Geschäftsbriefen, Emails oder Gesprächsprotokollen werden gänzlich ausgelassen.

Die Behandlung der sechs Themen erfolgt überwiegend anhand von rezeptiven und reproduktiven Aufgaben (insbesondere im Übungsbuch), während die rein produktiven (Transfer-) Fertigkeiten und Fähigkeiten in weitaus geringerem Umfang angeregt werden. Im Kapitel 6 „Messen und Veranstaltungen“ finden sich beispielsweise 4 Aufgaben mit Fragen zu schriftlichen Texten und 10 Hörtexte, deren Verständnis durch Fragen gesichert werden soll. Die themenbezogene Sprechfertigkeit wird mittels stark gelenkter Rollenspiele trainiert; darüber hinaus erhalten Lernende die Möglichkeit zum Anwenden der aufgelisteten Redemittel durch Wegbeschreibungen – wobei Start und jeweilige Ziele vorgegeben sind. In Aufgabe 3 des ersten Unterthemas „Ein Hotel suchen und reservieren“ können Lernende zwischen den zwei angezeigten Hotels entscheiden, welches das geeignete für den Gast ist und dann die eigene Entscheidung begründen; dies bietet - erstmalig im gesamten Kapitel - Raum für eine Diskussion beim abschließenden Vergleich im Plenum. Die Aufgabe 3 des Unterthemas „Auf der Messe“ bietet Lernenden die Möglichkeit für eine freie Präsentation der Messen im eigenen (Herkunfts-)Land. Die Transkriptionen der Hörtexte sowie die Lösungen zu den im Kursbuch gestellten Aufgaben machen eine Nachbereitung zu Hause durchaus möglich.

Im Übungsbuch kann man dem thematischen Aufbau sowie der Gliederung des Kursbuches exakt folgen. Lernende finden zu Beginn eines jeden Unterkapitels die entsprechende Wortliste mit der Möglichkeit, eine Übersetzung bzw. Beispielsätze zu notieren. Auf derselben Seite sind dann noch einmal die punktuellen Lernziele bzw. Sprechintentionen mit den entsprechenden Redemitteln aus dem Kursbuch angeführt. Die zweite Seite enthält die Erklärung der grammatischen Phänomene, die für die Realisierung der jeweiligen Kommunikationssituation als sinnvoll erachtet werden. Diese können durch Ergänzen von Lückentexten, Umformulierung, Zuordnung etc. geübt werden. Einen besonderen Platz findet die Festigung des im Kursbuch eingeführten Die Auswahl des Bildmaterials beschränkt sich im Lehrwerk auf authentische Fotos. Das zweite Kapitel „Auf Geschäftsbesuch“ wird z.B. durch ein großformatiges Foto eingeleitet, welches den Ausschnitt eines Händedrucks zweier männlichen Personen zeigt. Der eher offene Charakter dieser Fotos bietet der Kursleitung die Möglichkeit, Diskussionen anzuregen. Anders verhält es sich mit den drei darauf folgenden Fotos: Hier werden Frau Brett und Herr Becker bei der Begrüßung, beim Aufhängen des Mantels und am Tisch vermutlich bei einer ersten Besprechung gezeigt. Solche Fotos scheinen eher als Entlastung für das durch die recht klein gehaltene Schrift etwas angestrengte Auge und weniger als ergiebige Sprechanlässe zu dienen. 

Resümee

Das Lehrwerk eignet sich gut für Lernende mit akademischem Hintergrund bzw. für solche, die im Herkunftsland schon eine relativ hoch qualifizierte berufliche Position besetzt haben. Layout, Themen, Grammatikdarstellungen und Übungsformen bergen in ihrer geordneten und etwas nüchternen Erscheinungsform keine großen Überraschungen. Kognitiv lernenden und vor allem lerngewohnten Menschen bietet sich ein systematisch aufgebautes Lehrwerk, das jedoch wenig Raum für einen kreativen Umgang mit Sprache lässt. Effektive Lerntechniken sind dagegen kein Bestandteil des Lehrwerks. Transferaufgaben, wie z. B. C im Kapitel 4.3 „Wie groß ist die Firma?“, würden sich sehr gut für Projekte im In- oder Ausland, wie z.B. Umfragen, Flughafenbefragungen, Internetrecherchen, etc. eignen, kommen jedoch im Lehrwerk ebenfalls etwas zu kurz. Das systematisch realisierte Erlernen und Einüben geeigneter Redemittel sowie morphologisch-syntaktischer Konstruktionen bleibt somit entfernt von den konkreten kommunikativen Alltagsanforderungen an die Teilnehmenden, so dass eine handlungsorientierte, erlebte und pragmatische Vorbereitung auf das Berufsleben in Deutschland unvollständig bleibt. 

Rezensentin: Marina Mannarini

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