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BasisKomPlus – BasisKompetenzen am Arbeitsplatz stärken

Arbeit und Leben Hamburg führt seit Januar 2017 das Projekt „BasisKomPlus – BasisKompetenzen am Arbeitsplätz stärken“ durch. Das arbeitsplatzorientierte Grundbildungsprojekt wird im Rahmen der Dekade für Alphabetisierung vom BMBF gefördert und läuft bis 2020.

Projektinhalte sind passgenaue Qualifizierungen für Beschäftigte und Sensibilisierung im Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit betrieblichen Schlüsselpersonen. Grundbildung bezieht sich nicht nur auf die Verbesserung schriftsprachlicher und mathematischer Kompetenzen, sondern umfasst bspw. auch den Umgang mit digitalen Technologien, die Weiterentwicklung sozialer Kompetenzen oder Gesundheitsbildung. Hamburg ist eine von sieben Regionen, in denen das Verbundprojekt umgesetzt wird.

Hier haben wir uns schwerpunktmäßig für die Entwicklung von Branchennetzwerken entschieden, um langfristig eine höhere Akzeptanz für das Thema zu erreichen und um Grundbildungsangebote in die betrieblichen Weiterbildungen zu integrieren. Bisher konzentrieren wir uns auf die Branchen Pflege, Logistik, Gastronomie und Reinigung. Die ersten arbeitsplatznahen Qualifizierungen starten ab Dezember 2017. Der Unterricht findet in Kleingruppen statt oder im Einzelcoaching.

Parallel bauen wir einen Pool an geeigneten freiberuflichen Dozentinnen und Dozenten auf. Da einige von ihnen sich in dem Feld noch weiter fortbilden möchten, werden wir in den nächsten Monaten auch Schulungen für Dozenten anbieten. Einige brauchen mehr Handwerkszeug im Bereich der Alphabetisierung, andere möchten mehr Sicherheit im Unterrichten am Arbeitsplatz oder in der Vermittlung von Lerninhalten für Beschäftigte mit Migrationshintergrund. In der Regel gibt es pro Betrieb ein passgenaues Rahmencurriculum, in dem sich die Dozenten bewegen. Eine typische Maßnahme könnte sein, über ein Vierteljahr einmal in der Woche für 90 Minuten im Betrieb zusammen zu kommen und typische Aufgaben wie Kundengespräche oder die Umsetzung von Sicherheitsanweisungen zu üben und zu reflektieren.

Der Umgang mit dem PC ist für einige Beschäftigte eine wachsende Herausforderung. Dabei geht uns weniger um die Anwendung bestimmter Software Programme, sondern um die Heranführung an den Computer. Viele Tätigkeiten müssen mittlerweile am PC dokumentiert werden, eine handschriftliche oder gar mündliche Übergabe reicht bei vielen Tätigkeiten schon lange nicht mehr aus. So werden z.B. Bedarfe von Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen und Logistikunternehmen an uns herangetragen: die Angst vor dem PC nehmen, um zukünftig die Arbeit sicher und umfassend zu dokumentieren.

Wir stellen fest, dass arbeitsplatznahe Angebote einerseits direkt bei den Bedarfen der Mitarbeitenden ansetzen können, da die Inhalte auf die betrieblichen Anforderungen zugeschnitten sind und ihre individuellen Lernwünsche berücksichtigt werden. Zum Beispiel ist eine Pflegehelferin mit Hilfe des Unterrichts am Ende sicherer, einen Pflegebericht zu schreiben oder die Übergabe im Team verständlicher zu gestalten. Andererseits gibt es einige organisatorische Hürden zu nehmen: Der Unterricht findet dann statt, wenn es die betrieblichen Abläufe zulassen. Das führt manchmal zu ungewöhnlichen Unterrichtszeiten wie vor oder nach einer Schicht. Ohne die zeitliche Flexibilität der DozentInnen geht es also nicht. Es erfordert von allen Beteiligten Bereitschaft sich einzubringen und bisweilen kreative Lösungen zu finden, z.B. in Bezug auf einen ruhigen Raum im Betrieb oder ausreichend Kraft zum Lernen, nachdem schon einige Stunden Arbeit hinter einem liegen. Teamleitungen sind gefordert, die Einsatzpläne so zu gestalten, dass eine Kleingruppe zustande kommt. In der Regel sind die Mitarbeitenden freigestellt, in Ausnahmefällen bringen sie 50 % der Zeit privat ein.

Dass das Thema auf große Resonanz stößt, zeigte sich an der Auftaktveranstaltung am 12. Oktober 2017 im Berliner Bogen. Fast 90 interessierte Fachleute aus den Bereichen Bildung, Politik und Unternehmen kamen zum gemeinsamen Fachtag von BasisKomPlus und eVideotransfer in Hamburg.

Nach einer spannenden Podiumsdiskussion am Vormittag, u.a. mit Prof. Dr. Anke Grotlüschen von der Universität Hamburg, Katharina von Fintel vom Hamburger Institut für Berufliche Bildung und Karin Küßner, Leiterin der Koordinierungsstelle Dekade für Alphabetisierung war am Nachmittag Zeit, um in Branchen-Workshops Umsetzungsmöglichkeiten von Grundbildung kennenzulernen und zu diskutieren. Eine Dokumentation der Veranstaltung und ihrer Ergebnisse wird von eVideoTransfer erstellt und steht in Kürze zum Download zur Verfügung.

Informationen über das Projekt finden sich unter hamburg.arbeitundleben.de/basiskomplus

Wir stellen fest, dass auch eine kollegiale Ansprache von Beschäftigten entscheidend dazu beitragen kann, dass das Weiterbildungsangebot im Betrieb gut angenommen wird. Über das Projekt MENTO arbeiten wir daher eng mit KollegInnen zusammen, die sich in einer kostenfreien Qualifizierung zu MentorInnen ausbilden lassen, sich für ihre KollegInnen mit Grundbildungsbedarf engagieren und sie motivieren, an Weiterbildung teilzunehmen. Termine für die nächste Mentorenschulung sind: 16./17. März 2018 und 23./24. März 2018. Weiter Informationen finden sich unter  hamburg.arbeitundleben.de/mento.
 
Sabine Raab

BasisKomPlus
Besenbinderhof 60,
20097 Hamburg

Telefon: 040 284016-62
sabine.raab@hamburg.arbeitundleben.de