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Fortbildungsangebote: Rückschau 2016 – Zahlenschau – Vorschau 2017

Auch in diesem Jahr war es uns als Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in Kooperation mit den IQ Landesnetzwerken und Teilprojekten ein Anliegen, auf die sich entwickelnden inhaltlichen Bedarfe bei  Lehrenden im Bereich Deutsch-als-Zweitsprache und Fachlehrenden in der beruflichen Qualifizierung durch entsprechende Fortbildungsangebote einzugehen. Das erste Halbjahr 2016 hatte den Fokus „DaZ-Unterricht für Geflüchtete“. In den thematischen Fortbildungen wurden folgende Themen angeboten und bearbeitet:

  • „DaZ-Grundlagen im Unterricht mit Geflüchteten“
  • „Sprachschätze heben – Das Konzept der Sprachanimation im DaZ-Unterricht“
  • „Kollegiale Fallberatung“
  • „Umgang mit Konflikten“

Hier hatten vor allem neu- und quereinsteigende DaZ-Lehrende die Möglichkeit, sich von der Unterrichtsplanung- und Gestaltung bis hin zum kollegialen Austausch über Herausforderungen im Unterricht weiterzubilden und Impulse mitzunehmen.

Für das Arbeitsfeld „DaZ-Lernen im Betrieb“ konnten wir unsere Kollegin Claudia Feger vom IQ Teilprojekt beramí für die Fortbildung „Sprachpaten – Baustein interkultureller Organisationsentwicklung und Unterstützung in der beruflichen oder innerbetrieblichen Weiterbildung“ gewinnen.

Das zweite Halbjahr 2016 haben wir mit einem hochinteressanten Vortrag von Dr. Verena Plutzar zum Thema „Sprachenlernen nach der Flucht“ eingeläutet. In ihrem Vortrag stellte sie ein Konzept der Traumatisierung vor, das Flucht und Ankommen in der neuen Gesellschaft als Teil des Traumas versteht. Sie zeigte auf, wie das Erlernen der neuen Sprache durch die Erfahrung der Flucht beeinflusst wird und wie Deutschunterricht darauf reagieren kann. Der anschließende Austausch unter den Teilnehmenden war inspirierend und sehr berührend.
Der Vortrag wurde gefilmt und ist hier einzusehen.

Eine ganztägige Fortbildung „Spracherwerb in der Migration- Psychologische Aspekte des Erlernens der Landessprache im Erwachsenenalter“ schärfte den Blick für die spezielle Erfahrung der Migration und stellte den Zusammenhang von Migrationsprozess und Erlernen der Landessprache bei Erwachsenen her. So konnten Kursleitende eine neue Perspektive auf Lernende mit Lernschwierigkeiten gewinnen.

Die Themen „Chunk-Lernen“, „Szenario-Methode“, „Spiele und aktivierende Methoden für den berufsbezogenen DaZ-Unterricht“ sowie der „Einsatz von digitalen Medien im berufsbezogenen DaZ-Unterricht“ wurden als Fortbildungsthemen im 2. Halbjahr ausgewählt, um die Fortbildungsbedarfe von erfahrenen Kursleitenden im berufsbezogenen DaZ-Unterricht in den Fokus zu nehmen.


Fortbildungsreihe „Sprachcoaching DaZ für Arbeit und Beruf“

Die 5 Module „Sprachcoaching DaZ für Arbeit und Beruf“ wurden aufgrund des großen Interesses und der Nachfrage in diesem Jahr zweimal angeboten. Der Bedarf, Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache individuelle sprachliche Lernangebote zu machen, die sich an ihren persönlichen Lernbedürfnissen und ihren beruflichen Anforderungen orientieren, steigt. Das Sprachcoaching zielt darauf ab, DaZ-Lernende auf dem Weg zu ihrem jeweiligen beruflichen Ziel zu begleiten und hierbei sprachlich zu unterstützen. Die Fortbildungsreihe vermittelt den angehenden Sprachcoaches Instrumente, um Lernende/Coachees über einen vorab festgelegten Zeitraum zu begleiten und sie darin zu unterstützen, vorhandene Ressourcen zu nutzen, um auch nach dem Sprachcoaching ihre zweitsprachlichen Kompetenzen eigenständig verbessern zu können. An beiden Fortbildungsdurchgängen nahmen und nehmen DaZ-Lehrende und pädagogisches Lehrpersonal aus Berufsschulen teil, die sich im Bereich der individuellen Sprachbildung weiterbilden möchten.


Fortbildungsangebote für Betriebliche Integrationsbegleiterinnen und -begleiter

Betriebliche Integrationsbegleiterinnen und -begleiter sind im Hamburger Ausbildungsvorbereitung für Migranten (AvM Dual) an Berufsschulen tätig und begleiten schulpflichtige jugendliche Flüchtlinge im betrieblichen Praktikum und beim Deutschlernen. Für diese Zielgruppe wurden 2016 zwei Workshops mit dem Titel „Deutschlernen im Unterricht und im Betriebspraktikum motivierend gestalten“ angeboten. In diesen Workshops wurde zuerst der notwendige Wortschatz für den Lernort Betrieb erarbeitet. Anschließend wurden anhand von Beispielen Strategien vermittelt, wie man den Lernenden möglichst effektiv Wortschatz erklären und beibringen kann. Die Teilnehmenden lernten auch verschiedene Lerntechniken kennen, die für die Arbeit mit heterogenen Lerngruppen geeignet sind.

Für die oben genannte Zielgruppe wurden außerdem zwei Workshops „Deutsch lernen im Betrieb“ im Rahmen der Fachtage vom Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) angeboten. In mehreren Stationen wurden Methoden und Instrumente zur Ermittlung von sprachlichen Bedarfen, zur Wortschatzarbeit, zur Sprachverwendung im schulischen Deutschunterricht und im betrieblichen Praktikum, zur Einbindung von Anleiterinnen und Anleitern sowie Praxisanwendungen vorgestellt und diskutiert.
Für das Jahr 2017 sind für die Zielgruppe zwei weitere Workshops geplant.


Fortbildungsreihe "Sprachsensibler Fachunterricht"

Zu Erfahrungen mit einer Fortbildungsreihe, die sich insbesondere an Fachlehrende in beruflicher Qualifizierung richtet, und zu weiterführenden Planungen dazu siehe hier.


Fortbildungsreihe „Deutsch am Arbeitsplatz - Neue DaZ-Lernangebote für Betriebe entwickeln“

Von September bis Dezember 2016 wurden die vier Module der Fortbildungsreihe „Deutsch am Arbeitsplatz“ in Frankfurt/Main in den Räumen von berami – berufliche Integration e.V. durchgeführt. Die Fortbildungsreihe wurde ursprünglich von der Studiengruppe "Deutsch am Arbeitsplatz" (DaA) am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung mit Förderung der VolkswagenStiftung entwickelt und in diesem Jahr zum vierten Mal durchgeführt.

Im Rahmen der Fortbildung setzten sich die Teilnehmenden mit Konzepten der Sprachvermittlung am Arbeitsplatz auseinander, führten eine Sprachbedarfsermittlung bei Betrieben vor Ort durch und entwickelten ausgehend von der Szenario-Methode eigene Entwürfe passgenauer Angebote zur Sprachvermittlung am Arbeitsplatz. Neben der inhaltlichen Arbeit im Rahmen der Fortbildung profitierten die Teilnehmenden vom Austausch untereinander, der die Arbeit der einzelnen sicher auch in Zukunft befördern und beleben wird.


Sprachsensibel beraten

Das Fortbildungsangebot „Sprachsensibel beraten“ wurde auch in diesem Jahr häufig angefragt und angeboten. Beratende aus der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung im Förderprogramm IQ haben bundesweit an der eintägigen Fortbildung teilgenommen, die zweimal in Kassel und einmal in Nürnberg stattfand. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit den IQ-Beratenden zum Thema „Umgang mit Sprache in der Beratung“ ist immer wieder anregend und spannend. Das Interesse und Engagement der IQ-Beratenden, die Ratsuchenden inhaltlich und sprachlich zu erreichen, um vorhandene Qualifikationen und Qualifizierungsmöglichkeiten auszuloten, beeindruckt in jeder Fortbildung von neuem. Der rege kollegiale Austausch unter den Beratenden über unterschiedliche Strategien und Handlungsmöglichkeiten wird als anregend und fruchtbar zurückgemeldet.

Die Publikation „Sprachsensibel beraten“ wurde in diesem Jahr wieder bundesweit nachgefragt und 4400 mal verschickt.

Unter www.netzwerk-iq.de/publikationen/iq-good-practice.html finden Sie eine Zusammenstellung von Good-Practice-Beispielen aus dem Förderprogramm IQ. Das Fortbildungskonzept „Sprachsensibel beraten“ wird hier vorgestellt und es werden einige Stimmen dazu eingefangen.


Zahlenschau

Seit 2015 werden die Veranstaltungen und Schulungen im Förderprogramm IQ in einer Datenbank dokumentiert und alle Schulungsteilnehmenden ausführlich zu den vermittelten Themen, zur Bewertung der Schulungen und zu weiteren Schulungsbedarfen befragt. Mit Stichtag 15. November 2016 waren insgesamt 79 Schulungen zur Methodik und Didaktik im berufsbezogenen DaZ-Unterricht und Fachunterricht mit Teilnehmenden mit Deutsch als Zweitsprache und rund 1.100 Schulungsteilnehmende dokumentiert. Dazu kommen noch 16 Schulungen, die sich an betriebliche Akteure richteten. Die Dokumentation zeigt, dass neben den sprachbezogenen Kernthemen in den Schulungen immer auch Aspekte der interkulturellen Kompetenzentwicklung, der interkulturellen Öffnung und/oder Willkommenskultur eine Rolle spielen. Die Bewertungen der Schulungsteilnehmenden sind durchgängig sehr positiv. Die fachliche und methodische Versiertheit der Trainerinnen und Trainer wird ohne Abstriche als positiv bewertet, ebenso auch das Schulungs-Setting und hier die Möglichkeiten, eigene Erfahrungen und Fragen in die Schulung einzubringen. Aktuell laufen weitere Auswertungen dazu, welche zusätzlichen Schulungs- bzw. Vertiefungsbedarfe bestehen und welche förderlichen aber auch hinderlichen Faktoren Schulungsteilnehmende für die Umsetzung der vermittelten Inhalte in ihren jeweils konkreten Arbeitszusammenhängen benennen.

Hier die Überblickspräsentation von Dr. Heidrun Czock – ebb, MUT – IQ Multiplikatorenprojekt zu den Daten des Fortbildungsmonitoring.


Vorschau 2017 - Was wir planen

Ein neues Jahr stellt uns auch vor neue Anforderungen und bringt neue Bedarfe, die wir mit passenden Fortbildungsangeboten aufgreifen möchten. Die Verordnung über die berufsbezogene Deutschsprachförderung (DeuFöV) ist am 1. Juli 2016 in Kraft getreten. Die Durchführung der berufsbezogenen Deutschsprachförderung liegt in der Verantwortung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. „Dem ESF-BAMF-Programm nachfolgend und aufbauend auf die sprachliche Grundförderung bis B1 wird in den nächsten Jahren ein umfassendes Konzept für eine bundesweite berufsbezogene Deutschsprachförderung mit drei Basis- und einer Reihe von Spezialmodulen entwickelt.“ www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/DeutschBeruf/Bundesprogramm-45a/bundesprogramm-45a-node.html

Die Umsetzung der Basismodule sieht vor, Sprachkursangebote auf hohen Niveaustufen anzubieten. Die Berufssprachkurse sollen in Basismodulen von je 300 UE von einer Niveaustufe zur nächsten führen (von B1 auf B2, von B2 auf C1 und von C1 auf C2). Das pädagogische Konzept für die Basismodule B2 und C1 ist bereits veröffentlicht (siehe unter: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/ESF/03_VordruckeAntraege/Deutschfoerderung45a/modulkonzept.html ) Die ersten Kurse sind bundesweit bei unterschiedlichen Bildungsträgern gestartet. Die Anforderungen an die Lehrenden sind zum Teil neu, da auf hohen Niveaustufen und berufsbezogen unterrichtet werden soll. Gleichzeitig ist das erfolgreiche Ablegen einer Sprachprüfung maßgeblicher Bestandteil des Kurses. Für die Kursleitenden gilt es jetzt auf diese neuen Anforderungen im Unterricht einzugehen.

Für Kursleitende in den Berufssprachkursen planen wir 2017 ein Fortbildungsangebot, das die Anforderungen des pädagogischen Konzepts aufgreift. Die Fachstelle wird mittels einer Bedarfsermittlung und Hospitationen die veränderten methodisch-didaktischen Herausforderungen in den Berufssprachkursen eruieren und ein bedarfsgerechtes Fortbildungsangebot für Kursleitende entwickeln und erproben.  


Qualifizierung für Kursleitende im Berufsbezogenen DaZ-Unterricht - Grundlagen Methodik & Didaktik

Für neu– und quereinsteigende Kursleitende in Kursen und Maßnahmen mit berufsbezogenem Deutschunterricht bietet die Fachstelle ab Januar eine neue modulare Fortbildung in Hamburg an.
Näheres dazu hier.


Fortbildungskonzept für betriebliches Sprachmentoring

Vor dem Hintergrund des Bedarfs an Maßnahmen, die den Spracherwerb am Arbeitsplatz unterstützen, arbeitet die IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in Kooperation mit den Landesnetzwerken Niedersachsen und NRW an einem Fortbildungskonzept für betriebliches Sprachmentoring.

Eine im Rahmen der Konzeptentwicklung durchgeführte Betriebsbefragung in unterschiedlichen Branchen stieß auf großes Interesse, gleichzeitig bestätigte sich die Annahme, dass viele Betriebe vor Ort bereits unterschiedliche Strategien entwickelt haben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Sprachlernbedarf in den Arbeitsprozess zu integrieren.

Ressourcen, die zur Weiterentwicklung der jeweiligen Ansätze zur Verfügung gestellt werden können, unterschieden sich jedoch in hohem Maße, ebenso unterschieden sich die konkreten Bedarfe in den verschiedenen Branchen. Daher entschieden sich die an der Konzeptentwicklung Beteiligten in einem flexiblen Lösungsansatz dazu, vor dem Hintergrund bereits bestehender Konzepte und der Ergebnisse aus der Betriebsbefragung, adaptierbare Bausteine zu entwickeln, die potenzielle Sprachmentorinnen und -mentoren individualisiert und passgenau in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich unterstützen.


Das Konzept für betriebliches Sprachmentoring soll das Angebot von Beratung, beispielsweise für mit dem Thema befasste Führungskräfte, genauso wie das Angebot einer modularen Fortbildung für die direkten Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz beinhalten. Ziel ist es, verschiedene Bestandteile des Konzepts miteinander kombinierbar zu machen. Weitere Informationen zu dieser Konzeptentwicklung erhalten Sie von Rita Leinecke und Ute Köhler.


Danke – የቀንየለይ- Merci - Gracias – شكر – Thank You – Grazie - ممنون مرسی

An dieser Stelle möchten wir uns bei Ihnen, den Fortbildungsteilnehmenden, für Ihr Interesse an unseren Angeboten bedanken. Wir schätzen Ihre konstruktive Mitarbeit und Ihr Engagement sich in Ihrer Freizeit freiwillig weiterzubilden. Erwartungsvoll freuen wir uns auf neue Herausforderungen im nächsten Jahr und möchten auch weiterhin Lern- und Austauschmöglichkeiten schaffen und dazu einen heißen Tee, Kekse und gesunde Vitamine reichen, denn auch das trägt zu einer guten Lernatmosphäre bei. Vielen Dank.

Tatiana La Mura Flores und das gesamte Fortbildungsteam der Fachstelle