Punkte
 StartFachstelle > Arbeit Leitgedanken Ziele

Wir über uns: Unsere Arbeit, Leitgedanken und Ziele

Wer sind wir?

Die Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch engagiert sich im Rahmen des bundesweiten Netzwerks Integration durch Qualifizierung (IQ) für die nachhaltige berufliche Weiterbildung und Integration von Migrant_innen. Die Stärkung berufsbezogener sprachlicher und kommunikativer Kompetenzen von Migrant_innen ist zugleich Leitgedanke und Schwerpunkt unserer inhaltlichen Arbeit. Im Netzwerk IQ arbeiten Menschen mit und ohne Migrationgeschichte zusammen, um die Teilhabe von Migrant_innen am ersten Arbeitsmarkt zu fördern. 

Das Team der Fachstelle besteht aus mehreren Mitarbeiter_innen, die über eine Qualifikation im Bereich der Sprachlehr- und lernforschung oder des Zweitsprachenerwerbs und -unterrichts verfügen. Vor allem ist jedoch jede einzelne von uns seit mehreren Jahren im Kontext des Zweitsprachenunterrichts bzw. der sprachlichen Weiterbildung für Migrant_innen und/oder Flüchtlinge engagiert. 


Welche aktuellen Arbeitsschwerpunkte haben wir?

Unsere Arbeit lässt sich an der Schnittstelle von Arbeitsmarkt, Öffentlichkeitsarbeit, Weiterbildung und Zweitsprachenunterricht verorten.

Zu unseren Aufgaben gehören die inhaltliche Gestaltung, Begleitung und Koordinierung von Weiterbildungsangeboten im Bereich des berufsbezogenen Deutsch als Zweitspracheunterrichts. Wir unterstützen Betriebe bei der Entwicklung von Deutschkursen, die direkt an sprachliche Anforderungen am Arbeitsplatz anknüpfen sowie bei der Sprachbedarfsermittlung, auf deren Grundlage das Lehrmaterial und Kurskonzept entwickelt wird.

Erfolgreiche Maßnahmen aus diesem Bereich dokumentieren wir ebenso wie Lehrmaterialien in unserem Konzept- und Materialpool. Dieser stellt das Herzstück unserer Homepage dar, auf der wiederum aktuelle Informationen zum berufsbezogenen Deutschunterricht der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus bieten wir Fortbildungen für Lehrkräfte und Multiplikator_innen an und knüpfen Netzwerke mit Unternehmen, Gewerkschaften und mit Schlüsselpersonen, die sich im Handlungsfeld Berufsbezogenes Deutsch engagieren.


Wie lassen sich unsere Ziele formulieren?

Unsere Arbeit zielt im ersten Schritt darauf, Expertisen im Themenfeld Berufsbezogenes Deutsch zu bergen, bündeln und systematisieren und Synergien zwischen Weiterbildungsträgern, Personalentwicklern und Beschäftigten zu schaffen. Dabei ist es unser übergeordnetes Ziel, die Partizipation von Migrant_innen am beruflichen und gesellschaftlichen Leben zu unterstützen und den öffentlichen Diskurs zu den Zusammenhängen von Migration, Arbeit, Sprache und Integration zu beeinflussen.

Unser Ziel ist es, den Dialog mit allen Akteuren im Handlungsfeld Berufsbezogenes Deutsch zu führen und die Anforderungen aufzugreifen, die sich aus den Veränderungen in der Arbeitsorganisation sowie den gestiegenen Anforderungen an die berufliche Qualifizierung ergeben. Die aktuellen Veränderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen (Gesetz zur Feststellung beruflicher Qualifikationen, kurz: BQFG) fordern darüber hinaus zukünftig konzeptionelle Ansätze, die stärker individuelle betriebliche und überbetriebliche Weiterbildung im Kontext von Anpassungs- und Nachqualifizierung in den Blick nehmen. Dies alles erfordert nicht nur neue Methoden, sondern einen Perspektivenwechsel: Weg von einem Ansatz der sich an Defiziten orientiert hin zur Kompetenzentwicklung, bei der alle Akteure eine eigene Verantwortung tragen: 

  • Arbeitgeber sind gefordert, in die Qualifikation aller Beschäftigten zu investieren und Weiterbildungsmaßnahmen zur Entwicklung kommunikativer Fertigkeiten in bezahlter Arbeitszeit durchzuführen. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten: Wir haben in den letzten Jahren in einigen wenigen Betrieben die Möglichkeit gehabt, erste Erfahrungen in diesem Feld zu sammeln und daraus Empfehlungen zur Planung und Durchführung von innerbetrieblichen Angeboten zur Sprachbildung abzuleiten.
  • Die Öffentliche Hand ist gefordert, Förderinstrumente für Weiterbildungseinrichtungen und Betriebe anzubieten. Die bereits bestehenden Instrumente sind den Anforderungen entsprechend und im Sinne der Qualitätssicherung auszubauen. Unsere Kooperationspartner sind hier die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
  • Bildungsträger der sprachlichen und beruflichen Weiterbildung sind gefordert, Angebote zu entwickeln und umzusetzen, die den Bedarfen und Bedürfnissen der Lernenden und der Arbeitswelt gerecht werden. Wir als Fachstelle arbeiten hier mit dem Ziel der Qualitätssicherung vor allem mit Trägern des Förderprogramms IQ sowie des ESF-BAMF-Programms zur Berufsbezogenen Sprachförderung zusammen.
  • Forschung und Wissenschaft sind zum einen gefragt, Forschungsbedarfe aus den Praxisfeldern der Berufsbezogenen Sprachförderung aufzugreifen. Zum anderen sollten die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Impulse Eingang in Förderinstrumente und die Entwicklung von Konzepten finden. Unsere Partner sind hier das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE), das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die Universität Duisburg-Essen, die Universität Bielefeld, die Universität Leipzig und die Universität Erlangen-Nürnberg.
  • Betriebsräte und Gewerkschaften sind gefordert, das Augenmerk von Arbeitgebern und Mitarbeitenden verstärkt auf die kommunikativen Abläufe im Betrieb zu richten. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Teilhabe von Migrantinnen und Migranten an betrieblichen Prozessen. Ziel sollte es sein, die Durchführung von Weiterbildungsangeboten anzuregen, die dazu beitragen können, dass Migrantinnen und Migranten sich aktiver an der betrieblichen Kommunikation und an Qualifizierungsangeboten beteiligen können. Aktuell kooperiert die Fachstelle zu diesem Thema mit dem DGB Hamburg, der IG Metall und der IG Bergbau, Chemie , Energie. 
  • Und nicht zuletzt sind die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefordert, sich auf neue Lernprozesse einzulassen und aktiv in ihre Weiterbildung zu investieren (z. B. durch Lernanstrengungen und Zeit).

Welches Verständnis von Sprache und Zweitsprachenunterricht liegt unserer Arbeit zugrunde?

Wir betrachten Sprache nicht nur als Kommunikationsmedium und soziales Handeln, sondern auch als bedeutsame Ressource und als Kapital der Sprechenden: So ermöglichen Sprachen etwa den Zugang zu Bildung, Netzwerken, sozialen und beruflichen Kontexten, Zukunftsplänen und zu selbstständigem Handeln. Darüber hinaus hängen Sprachen eng mit der Konstruktion von Identitäten zusammen. Aus diesem Verständnis von Sprache resultieren unsere Vorstellungen von einem „guten“ Zweitsprachenunterricht: Dieser sollte

  • teilnehmerorientiert sein, indem er einen Bezug zu den Biographien, Lernwegen und Bedürfnissen der Teilnehmenden herstellt. Darüber hinaus ist ein bedeutendes Prinzip der Lernerorientierung, dass die Relevanz der Unterrichtsinhalte für die Lernenden transparent ist: Sie müssen die Bedeutung von Unterrichtsthemen erkennen und eine Beziehung zu den Inhalten herstellen können.
  • bedarfsorientiert gestaltet werden. Um dies zu gewährleisten, sollten, wenn möglich, Bedürfnisse und Bedarfe der Teilnehmenden im Vorfeld erhoben werden, etwa im Zuge einer Sprachbedarfsermittlung. Der Unterricht kann sich nur so an den Lebenslagen und kommunikativen Bedürfnissen der TN orientieren.
  • handlungsorientiert vorgehen, indem er die Lernenden auf die sprachpraktischen Situationen vorbereitet, die sie im Alltag bewältigen müssen.
  • eine ressourcenorientierte Vorgehensweise zugrundelegen. Das bedeutet, dass sowohl die Mehrsprachigkeit als auch die beruflichen und praktischen Kompetenzen der TN anerkennend behandelt und in den Unterricht, wo möglich, auch einbezogen werden
  • sensibel für die Möglichkeit der Diskriminierung sein: So eröffnen Sprachen nicht immer Zugänge. Das Argument, dass Migrant_innen nicht „gut genug“ Deutsch sprechen, wird immer wieder benutzt, um ihnen Arbeitsplätze zu verweigern. In dieser Begründung verbirgt sich nicht nur eine Qualifizierungsdebatte, sondern u.U. auch ein latenter Rassismus. Ebenso wird im Arbeitsleben die Mehrsprachigkeit von Migrant_innen oft nicht als Potenzial anerkannt, gerade wenn deren Muttersprachen in Deutschland kein hoher Status oder „Nutzen“ zuerkannt wird.

Wie lässt sich unsere Philosophie / politische Positionierung beschreiben?

In Deutschland wird der Zugang zum Arbeitsmarkt und die Partizipation am gesellschaftlichen und beruflichen Leben in starkem Zusammenhang mit der Beherrschung der deutschen Sprache diskutiert. Auch wenn wir die Bedeutsamkeit von Deutschkenntnissen für die Integration von Migrant_innen nicht bestreiten, möchten wir doch gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass Sprache nicht der einzige Schlüssel für den Zugang zum Arbeitsmarkt und zum gesellschaftlichen Leben ist – diese Annahme wäre eine gefährliche Verkürzung der Diskussion über gesellschaftliche Integration. Gesamtgesellschaftliche Integration bedeutet nicht zuletzt, dass auch die aufnehmende Gesellschaft Selbstverantwortung übernimmt und in diesem Sinne Migrant_innen eine gleichberechtigte Teilhabe am sozialen, (bildungs-)politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ermöglicht, ohne von ihnen eine einseitige Anpassung zu erwarten.

In Hinsicht auf den Berufsbezogenen Deutschunterricht wird die Förderung von sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen in enger Verzahnung mit berufsqualifizierenden oder arbeitsplatzbezogenen Inhalten als notwendig erachtet. Der berufsbezogene Zweitsprachenunterricht setzt sich demnach nicht nur das Ziel, die Lernenden bei der Realisierung von sprachlichen Anforderungen rund um den Arbeitsplatz zu unterstützen und damit ihre Arbeitssituation ebenso wie innerbetriebliche Abläufe zu verbessern. Er sollte darüber hinaus zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen und als ein Mittel der Personalentwicklung verstanden werden.