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Fachpersonal im Sektor Sprachbildung dringend gebraucht!

Vor dem Hintergrund der starken Zuwanderung von Menschen aus Krisenregionen
erreichen uns als Fachstelle zur Zeit viele Anfragen von Weiterbildungsinstitutionen und Unternehmensverbänden, die sich zu Fragen der betrieblichen Integration von Flüchtlingen sowie zu deren möglichen Sprachunterstützungsangeboten beraten lassen möchten. 

Die Öffnung der Integrationskurse zumindest für einen Teil der Flüchtlinge bei gleichzeitiger Aufstockung der Fördermittel ist ab November vorgesehen. Außerdem schreibt die Agentur für Arbeit am 07.10.15 Sprachkurse für Flüchtlinge aus, die als den Integrationskursen vorgeschaltete Maßnahmen bis zum 31.12.15 beginnen sollen. Zusätzlich bestehen Planungen, die Angebote zum berufsbezogenen Deutsch erheblich auszubauen. 

Diese Entwicklungen in Richtung eines abgestimmten Gesamtsystems öffentlicher Sprachbildung begrüßen wir als Fachstelle natürlich sehr, es drängt sich jedoch gleichzeitig die Frage auf, woher eigentlich das viele Fachpersonal kommen soll, das in diesen Maßnahmen eingesetzt werden soll, um den wachsenden Bedarfen gerecht zu werden. Träger der Integrations- und ESF-BAMF-Kurse haben schon seit Jahren zunehmend Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zur Durchführung ihrer Kursangebote zu finden. Seit einigen Monaten hat sich die Personallage in vielen Bundesländern weiter verschlechtert, weil DAZ-Lehrkräfte zunehmend in den Schuldienst abgeworben werden, wo ihnen mit befristeten Angestelltenverträgen in der Regel weitaus bessere Beschäftigungsbedingungen geboten werden als im Rahmen ihrer Honorartätigkeiten in Integrations- oder ESF-BAMF-Kursen. Allein in Hamburg sind zum neuen Schuljahr 200 nach TV-L dotierte Stellen an allgemeinbildenden Schulen mit DaZ-Lehrkräften besetzt worden, die jetzt in den Integrations- und ESF-BAMF-Kursen fehlen.

Dem steht gegenüber, dass inzwischen nahezu alle deutschen Universitäten in ihren Instituten für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache Deutsch-Lehrkräfte vor allem für die Erwachsenenbildung qualifizieren. So entlässt allein die Universität Jena jährlich ca. 120 Master- und Bachelor-Absolventen. Diese hervorragend ausgebildeten Fachkräfte haben aufgrund ihres akademischen Abschlusses theoretisch Anspruch auf eine entsprechend dotierte Anstellung. Sie finden jedoch einen Arbeitsmarkt vor, der geprägt ist von prekären Beschäftigungsbedingungen und Honoraren, die ihren Qualifikationen nicht angemessen sind. 

Da in diesen Wochen in den zuständigen ministeriellen Stellen zusätzliche Mittel für die Aufstockung der Integrationskurse berechnet und über die Bereitstellung von öffentlichen Mitteln für die zukünftige berufsbezogene Sprachbildung verhandelt wird, möchten wir daher von dieser Stelle aus dringend empfehlen, Beschäftigungsstrukturen in die Kalkulationen einzubeziehen, die dieses Fachpersonal an den Sektor Sprachbildung für erwachsene Zugewanderte binden. Nur so lassen sich im Bereich der öffentlichen Sprachbildung mittel- und langfristig Professionalität bewahren und zudem sowohl die Quantität als auch die Qualität der Angebote sicherstellen.

Iris Beckmann-Schulz