Punkte

Arbeitslinien der Fachstelle 2016

Das Phänomen des „Brain Drains“ lässt sich seit einigen Monaten auch im DaZ-Bildungsbereich feststellen und nimmt immer spürbarere Ausmaße an: Langjährig fortgebildete und fachkompetente Lehrkräfte aus Integrations- und ESF-BAMF-Kursen werden inzwischen in allen Bundesländern an allgemein- und berufsbildende Schulen abgeworben, wo sie ihre Expertise aus der außerschulischen Bildungsarbeit vor allem in die Sprachvorbereitung sowie in das Übergangssystem Schule-Beruf einbringen. Verdenken kann man dies weder den Kultusbehörden noch den DaZ-Lehrkräften: Den Schulen fehlt es an grundständig ausgebildetem bzw. fortgebildetem DaZ-Lehrpersonal, die Deutsch-Lehrkräfte arbeiten seit Jahrzehnten unter prekären Beschäftigungsbedingungen, die weder ihren Qualifikationen noch Erfahrungen entsprechen (s.a. letzter Newsletter). So ist es nur verständlich, dass Kursleitende ihre schlecht bezahlten Honorarstellen gegen besser dotierte und sicherere Stellen an den Schulen eintauschen. Ganz pragmatisch ging die Bundesagentur mit dem Personalnotstand im DaZ-Bereich um: In der  Ausschreibung für die Einstiegskurse für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit Bleibeperspektive wurde schlicht auf Vorgaben zur fachlichen Qualifikation des Lehrpersonals verzichtet...

Vor diesem Hintergrund stellt neben den regulären Aufgaben der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in diesem Jahr der Ausbau der Fortbildungsangebote für DaZ-Lehrkräfte eine wichtige Arbeitslinie dar. Um mittelfristig auch Betriebe in der sprachlichen Integration von Neu-Zugewanderten zu unterstützen und Förderstrukturen nachhaltig in den Unternehmen zu verankern, erarbeitet die Fachstelle darüber hinaus Schulungsformate zum betrieblichen Mentoring. Nicht zuletzt bekommt im Zuge der aktuellen Entwicklungen auch das Thema „Digitales Lernen“ in unserem Themenfeld eine besondere Bedeutung. Neben den Vorbereitungen auf den Fachtag „Digitales Lernen im Handlungsfeld Berufsbezogenes Deutsch“ am 9. Juni in Hamburg arbeiten wir derzeit zudem an der Entwicklung digitaler Lernangebote, um auf diesem Weg berufsbezogene Sprachbildung auch außerhalb von kursförmigen Lernformen zu unterstützen.

Iris Beckmann-Schulz