Punkte

Besuch der 24. DGFF-Tagung

Alex Braddell aus Oxford stellte im Rahmen seiner Präsentation eine Reihe zusammenhängender Praxisforschungsprojekte vor, die gewissermaßen eine „Antwort“ auf die Grundbildungskampagne der britischen Regierung darstellen: Diese war wenig erfolgreich, weil sie Grundbildungsmaßnahmen in Kursen und damit fern vom Arbeitsalltag verortete. Die von Alex Braddell vorgestellten Projekte hingegen befördern Weiterbildungen am Arbeitsplatz, ermitteln die dafür notwendigen Erfolgsbedingungen und setzen diese in die Praxis um. In den von ihm vorgestellten Projekten zeigte sich, dass kurze Lerneinheiten am Arbeitsplatz, handliche Lernmaterialien mit handlungsorientierten Memorierungsübungen sowie Sensibilisierung von Führungskräften für die sprachlich-kommunikativen Bedarfe von Menschen in geringqualifizierten Tätigkeiten wichtige Gelingensbedingungen sind. Alex Braddells Power Point Präsentation finden Sie hier:  http://kongress.dgff.de/uploads/media/Sektion11_Braddell_01.pdf

Ein in Neuseeland durchgeführtes Praxisforschungsprojekt stellte Chris Holland vor. Im Mittelpunkt des von ihr vorgestellten Projekts stand zum einen die Frage, inwiefern Maoris und Migrant_innen von den pazifischen Inseln durch Mentor_innen dabei unterstützt werden können, sprachlich-kommunikative Anforderungen im Bereich der Elektrikerlehre zu meistern. Zum anderen ging es auch darum, institutionelle Diskriminierung aufzudecken. Das Projekt basierte dabei auf einem konsequent partizipativen Ansatz: Die Mentor_innen kamen aus den communities der Lehrlinge und sowohl das Vorgehen als auch die im Projekt erhobenen Daten wurden den Teilnehmenden transparent gemacht. Letzteres korrespondiert mit einer kolonialismuskritischen Methodologie, mit der koloniale Konstruktionen von „Anderen“ sowie der Forschung zugrundeliegende Bewertungen in Frage gestellt werden. Zur Präsentation von Chris Holland: http://kongress.dgff.de/uploads/media/Sektion11_Holland.pdf 

Auch der Vortrag von Laurent Filliettaz fokussierte sprachlich-kommunikative Anforderungen in Interaktionen zwischen Lehrlingen, ihren Kollegen und Vorgesetzten. Diese waren im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts an der Universität Genf untersucht worden. Filliettaz zeigte am Beispiel einer Videoaufnahme von einer Interaktion am Arbeitsplatz, wie durch eine unkonkret gestellte fachliche Frage eines Elektrikerlehrlings eine Kommunikationssituation in Gang gesetzt wird, die durch das unkooperative Verhalten seiner Kollegen geprägt ist. Im Rahmen der Interaktionen werden die Machtverhältnisse zuungunsten des Lehrlings verhandelt, der am Ende keine Unterstützung für sein praktisches Problem bekommt. Mit Fallbeispielen wie diesem lässt sich jedoch nicht nur aufzeigen, wie Benachteiligung sprachlich realisiert wird; darüber hinaus ergeben sich aus der Gesprächsanalyse der Arbeitsplatzkommunikation wichtige Anhaltspunkte für Ausbilderschulungen und sprachliche Weiterbildungen am Arbeitsplatz. Zur Präsentation: http://kongress.dgff.de/uploads/media/Sektion11_Filliettaz_01.pdf

Christophe Portefin und Florence Mourlhon-Dallies wiederum brachten einen anderen Themenschwerpunkt ein: Sie stellten zwei Instrumente vor, die für das Training von arbeitsplatzbezogenem Französisch als Zweitsprache für Arbeitnehmer_innen in gering qualifizierten Berufen entwickelt worden sind. Der „Referenzrahmen für Schlüsselqualifikationen in Arbeitssituationen“ und auch die „Kartierung arbeitsplatzrelevanter sprachlicher und fachlicher Kompetenzen“, die am Beispiel von Pflegeberufen vorgestellt wurde, waren dadurch ermöglicht worden, dass Französisch als Teil beruflicher Kompetenz inzwischen staatlich anerkannt worden ist. Die beiden Referent_innen schilderten die Implementierung der beiden Instrumente, die methodische Einarbeitung der Sprachtrainer und die Probleme bei der Umsetzung der Maßnahmen. So verursachte auf der Betriebsseite die nicht ausreichende Einbindung des mittleren Managements Umsetzungsprobleme. Die Trainer wiederum hatten oft Schwierigkeiten mit dem veränderten Rollenverständnis und der Anforderung, das Sprachtraining konsequent auf die Arbeit auszurichten. Zur Präsentation: http://kongress.dgff.de/uploads/media/Sektion11_MOURLHON-DALLIES.pdf  

Die abstracts und Präsentationen für die Vorträge der Sektion 11 finden Sie hier: http://kongress.dgff.de/de/sektionen/sektion-11.html 

Die Tagung besuchte Bettina Kleiner.