Punkte

Prozesskette: Die Phase "berufliche Orientierung und Planung"

In dieser Phase sollen Zugewanderte eine vertiefte Orientierung über berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven bekommen. Hier kommen Angebote zur beruflichen Beratung, zur Kompetenzfeststellung und zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen zum Einsatz. Es sollen passende, entwicklungsfördernde und existenzsichernde Arbeitsplätze gesucht bzw. konkrete berufliche Perspektiven entwickelt werden. Zu dieser Phase passen berufsbezogene Integrationskurse und berufsfeldbezogene Deutschkurse, zum Beispiel Deutschkurse für Pflegeberufe.

Beispiel

Yana Bessonova ist gebürtige Ukrainerin; ihre Muttersprache ist Ukrainisch, ihr Mann war „deutscher Volkszugehöriger“, er sprach aber fast nur Russisch. Sie besuchte eine Schule mit erweitertem Deutschunterricht und lernte dort außerdem Englisch. Yana kam mit 29 Jahren mit der Familie ihres Mannes und ihrem Sohn als „Spätaussiedlerin“ aus Czernowitz nach Deutschland und lebt seitdem in Hamburg. Ihr Mann fand als gelernter Maschinenbauingenieur schließlich eine Arbeit als Facharbeiter. 

In der Ukraine hatte Yana Bessonova den Beruf der Grundschullehrerin erlernt und ihn 5 Jahre lang gern ausgeübt. Jetzt ist sie 41 Jahre alt, ihre Kinder sind 12 und 9 Jahre alt und sie möchte wieder arbeiten, am liebsten würde sie in ihren Beruf zurückkehren. Yana Bessonova sollte sich gründlich darüber informieren, ob ihre Abschlüsse aus der Ukraine hier – zumindest in Teilen – anerkannt werden können. Einen ersten Wegweiser, wie und wo eine Klärung der Anerkennung von Qualifikationen, die im Ausland erworben wurden, vorgenommen werden kann, bietet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) auf der Website "Anerkennung in Deutschland"

Des Weiteren wäre zu klären, ob (wenn ja: wo und zu welchen Bedingungen) für sie passende Nachqualifizierungen für ausländische Lehramtsabschlüsse angeboten werden: Das BMBF fördert über die Otto Benecke Stiftung e.V. mit dem Programm "Akademikerinnen und Akademiker qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt" (AQUA) einige ausgewählte berufsbezogene Weiterbildungsmaßnahmen, um arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern mit und ohne Migrationshintergrund einen ausbildungsadäquaten (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. 

In der Beratung und Klärungsphase sollte Yana Bessonova aber auch darüber informiert werden, ob sich für sie Alternativen zum Berufswunsch Grundschullehrerin ergeben, bei denen ihre Qualifikationen ebenfalls zumindest teilweise anerkannt werden können. – Darüber hinaus sollte sie auch überprüfen (lassen), ob ihre Fertigkeiten in der fachsprachlichen Kommunikation als Pädagogin (z. B. Elterngespräche, Teamsitzungen im Kollegium etc.) für die Berufsausübung hinreichend sind. Anzustreben wäre, dass eine Nachqualifizierung bei Bedarf von einem Deutschkursangebot flankiert werden könnte, in dem gezielt die Kompetenzen in der berufsfachlichen Kommunikation in Deutsch gefördert werden.