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Das Modul "Deutsch für den Beruf" am Herder-Institut der Universität Leipzig

Im Rahmen des Bachelorstudiengangs am Herder-Institut der Universität Leipzig findet seit Sommersemester 2012/2013 das Projektmodul „Deutsch für den Beruf: Fachliche Handlungsorientierung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Karen Schramm (bis 4/2014), Dr. Ramona Bitter-Karas und Caterina Mempel (seit 2012) bzw. Diana Feick (seit 2013) statt.

Das Herder-Institut

Das Herder-Institut wurde 1951 gegründet und ist heute Teil der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig. Es gehört zu den angesehensten und traditionsreichsten Einrichtungen in den deutschsprachigen Ländern im Bereich der Forschung und der Lehre von Deutsch als Fremdsprache (DaF).

  • Das Herder-Institut ist bestrebt, die Forschung auf den Gebieten Linguistik, Angewandte Linguistik, Didaktik, Kulturstudien, Literaturstudien, Phonetik und Phonologie des Deutschen als Fremdsprache mitzuprägen und intensiv zu befördern.
  • Bezogen auf die Lehre ist das Herder-Institut daran interessiert, exzellent vorbereitete DaF-Absolvent/innen durch eine grundständige und vertiefte Ausbildung (Bachelor, Master) hervorzubringen.
  • Innerhalb der Universität Leipzig setzt sich das Herder-Institut entschieden für die weitere Internationalisierung und Vernetzung der Hochschule sowie für eine angemessene und umfassende sprachliche Förderung internationaler Studierender ein.

Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-leipzig.de/herder/.


Modul Deutsch für den Beruf

Mit dem Wahlpflichtmodul „Deutsch für den Beruf“ bietet das Herder-Institut ein Qualifizierungsangebot für DaF-/ DaZ-Studierende an, welches die fachlichen und didaktisch-methodischen Anforderungen berufsbezogener Sprachkurse aufgreift. Ausbildungsstätten wie das Herder-Institut stehen vor der schwierigen Aufgabe, Studierende auf diesen neuen Berufszweig vorzubereiten, ihnen das notwendige Handwerkszeug zu vermitteln und ihnen die Angst vor unbekannten fachsprachlichen Inhalten zu nehmen. Die große Nachfrage nach dem Modul von Seiten der Studierenden bestätigt diese Notwendigkeit. Durch eine praxisnahe und projektorientierte Ausbildung im Rahmen des Wahlpflichtmoduls „Deutsch für den Beruf“ wird versucht, diesen Anforderungen gerecht zu werden und die Qualität der Umsetzung zu sichern. 

Die Veränderungen der Arbeitsstrukturen haben in nahezu allen Branchen die Anforderungen an die deutschen Sprachkompetenzen in Aus- und Weiterbildung erhöht. Dies gilt auch für gering- und teilqualifizierte Beschäftigte mit Migrationshintergrund. Um am Arbeitsplatz angemessen und erfolgreich handeln zu können, müssen fachkommunikative Merkmale sowie arbeitsplatzbezogene Handlungen identifiziert und vermittelt werden. Die Verzahnung von sprachlichen und arbeitsbezogenen Inhalten sowie der Bedarf an einen handlungs- und teilnehmerorientierten berufsbezogenen Deutschunterricht steigen demnach stetig an. 

Ziel des Moduls „Deutsch für den Beruf“ ist es deshalb, den Studierenden einen Leitfaden an die Hand zu geben, wie die sprachlichen Handlungsbedürfnisse ausgewählter Berufsgruppen empirisch zu bestimmen und Konzepte für die Vermittlung der Zweitsprache Deutsch im Kontext der jeweiligen Fachbereiche zu entwickeln sind. Grundlage dafür sind zielgruppenspezifische Bedarfs- und Bedürfnisanalysen mittels qualitativer Erhebungsmethoden wie Expertengespräch und Beobachtung von Arbeitsabläufen. Die erhobenen Daten werden in einem zweiten Schritt linguistisch analysiert. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Identifikation und Charakterisierung typischer linguistisch-stilistischer, textueller und fachkommunikativer Merkmale. In einem letzten Schritt sollen relevante Szenarien definiert und den Elementen des beruflichen Szenarios mithilfe der Software Profile deutsch Kann-Beschreibungen zugeordnet werden. Darauf aufbauend werden abschließend Lehr- und Lernkonzepte für berufsbezogene Deutschkurse entwickelt. 

Im Rahmen der Projektarbeit erwerben die Studierenden neben fachlichen und didaktisch-methodischen Inhalten Kompetenzen wie Selbstverantwortung, selbstständiges und soziales Handeln. Das Projekt stellt eine Brücke zwischen der Anwendung einzelner Fertigkeiten im Kurs und im Feld dar. Die Projektarbeit ist interdisziplinär zu verstehen. Im Mittelpunkt steht ein Thema oder ein Problem, das in seinem komplexen Zusammenhang begriffen und aus verschiedenen Blickrichtungen (Berufspraxis, Theorie, Unterrichtspraxis) bearbeitet wird. Das bewusste Zusammenwirken verschiedener Fachgebiete (Didaktik/ Methodik und Linguistik) soll es den Studierenden ermöglichen, Zusammenhänge zu verstehen und fachübergreifende Arbeitsweisen an einzelnen Berufsfeldern exemplarisch kennen zu lernen.


Die konkrete Umsetzung

Lehr-Lern-Ziele

Das Wahlpflichtmodul soll die Studierenden auf berufliche Tätigkeiten vorbereiten und ihnen die erforderlichen fachlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden so vermitteln, dass sie zu wissenschaftlicher Arbeit, zu selbständigem Denken und zu verantwortungsbewusstem Handeln befähigt werden. Damit werden die Grundlagen für berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und für die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Weiterbildung geschaffen. 

Die Lernziele des Moduls können wie folgt beschrieben werden:
Die Studierenden können mit Blick auf die Curriculum- und Materialentwicklung für berufsbezogene Deutschkurse

  • Feldbegehungen durchführen;
  • verschiedene Methoden der empirischen Datenerhebung anwenden; 
  • verschiedene Methoden der Datenaufbereitung anwenden;
  • diskurs- bzw. textlinguistische Analysemethoden anwenden;
  • didaktische Konzepte bezogen auf verschiedene berufliche Handlungsfelder realisieren

Modulplan

Um die oben genannten Ziele zu erreichen, wurden die einzelnen Bausteine des Moduls (Vorlesung, Seminar I und II, Tutorium) miteinander verzahnt (vgl. Abb 1). Den Rahmen des Moduls bietet die Vorlesung, welche die Inhalte aus den Seminaren vor- und nachbereitet. Sie bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und Lehrmaterialentwicklung. Im Mittelpunkt stehen insbesondere didaktische Diagnose- und Fördermöglichkeiten in Bezug auf berufsbezogene sprachliche Kompetenzen, die in der Vorlesung an konkreten Beispielen illustriert werden. Zentrale Themen sind weiterhin die Zielgruppenorientierung, die empirische Erforschung sprachlichen Handelns in bestimmten Berufsfeldern, die berufsbezogene Curriculumentwicklung und die Analyse berufsbezogener Lehrwerke. Der fachliche Input wurde innerhalb der Seminare vertieft und am eigenen Projekt reflektiert und angewendet. Im Tutorium hatten die Studierenden die Möglichkeit, einzelne, für die Projektarbeit notwendige, Kompetenzen zu vertiefen.

Abb. 1: Modulverzahnung "Deutsch für den Beruf"


Projektverlauf

Den Studierenden wurden Instrumente, Methoden und Kenntnisse an die Hand gegeben, die ihnen dabei helfen sollten, die sprachlichen Handlungsbedürfnisse der Berufsgruppen Koch, Servicekraft Gastronomie und Maler/ Lackierer empirisch zu bestimmen und Konzepte für die Vermittlung der Zweitsprache Deutsch im Kontext der jeweiligen Fachbereiche für Auszubildende oder bereits im Beruf stehende MigrantInnen zu entwickeln. 

Die auf der Grundlage zielgruppenspezifischer, qualitativer Erhebungsmethoden – wie Experteninterviews, videographische Beobachtungen von Arbeitsabläufen in den identifizierten Berufsfeldern und Sammlung von berufsspezifischen Textsorten – erhobenen Daten, wurden in einem zweiten Schritt aufbereitet und diskurs- und textlinguistisch analysiert. In einem letzten Schritt wurden in den Daten relevante Szenarien definiert und den Elementen des beruflichen Szenarios Kann-Beschreibungen zugeordnet. Darauf aufbauend wurden abschließend Kursmodule entwickelt und exemplarisch Lehr- und Lernkonzepte für Deutschkurse für die jeweiligen Berufsgruppen beschrieben. Zur Veranschaulichung des gesamten Projektverlaufs dient die Abbildung 2.

Abb.2: Projektphasen mit Arbeitsschritten und Meilensteinen