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SAMF-Tagung "Migrant/innen und Arbeitsmarkt – Zwischen Entgrenzung, Ausgrenzung und Segmentierung"

Migration, Migrant/innen und Arbeitsmarkt – Zwischen Entgrenzung, Ausgrenzung und Segmentierung“ – Ein Rückblick auf die Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung (SAMF)

Wenn in Deutschland Fragen des Arbeitsmarktes mit dem Fokus auf Migration diskutiert werden, so werden in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem Probleme und Problemlösungsansätze des „Zugangs“ von bereits hier lebenden Migrant/innen zum (deutschen) Arbeitsmarkt thematisiert. Erst seit insbesondere von Seiten der Wirtschaft ein „Facharbeitskräftemangel“ prognostiziert bzw. befürchtet wird, wird diese Diskussion immerhin um den Aspekt der „erleichterten“ Anwerbung von „hoch qualifizierten“ Fachkräften aus dem Ausland bereichert. 

In dieser Konstellation weckte die Jahrestagung (SAMF) e.V mit dem Thema „Migrant/innen und Arbeitsmarkt – Zwischen Entgrenzung, Ausgrenzung und Segmentierung“ erhöhte Aufmerksamkeit. Die Tagung fand vom 23 - 24. Februar 2012 in Mülheim/Ruhr statt, also zu einer Zeit, als das Gesetz zur „Verbesserung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ zwar schon verabschiedet, aber noch nicht in Kraft getreten war, und das Gesetz zur „Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie der Europäischen Union (EU) zwar schon im Wesentlichen bekannt, aber noch nicht verabschiedet war. Dass aber im Vor- und Umfeld dieser Gesetze sich besonders die sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung verschiedensten Forschungsaufgaben stellte (oder diese gestellt bekam) und wohl noch weiter stellen muss, verdeutlichte diese Tagung allemal.

Bereits dem Ankündigungstext konnte entnommen werden, dass sich die "deutsche“ Vereinigung bei der Bearbeitung des Themenkomplexes „Migration, Migrant/innen und Arbeitsmarkt“ tatsächlich fast ausschließlich auf die Lage in Deutschland beziehen würde: So sollte insbesondere den Fragen nachgegangen werden, wie „Menschen mit anderen kulturellen Prägungen“ vollwertig in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden können und wie die Institutionen des deutschen Arbeitsmarktes hierfür weiter entwickelt werden müssen und was die Migrant/innen hierzu beitragen können. Des Weiteren sollten auch Beispiele „guter Praxis“ vorgestellt werden und die Rolle der privaten und öffentlichen Arbeitgeber für die Verteilung von Chancen am Arbeitsmarkt hinterfragt werden.

In seiner Einführung stellte Matthias Knuth vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen und Vorsitzender des SAMF e.V. das Spektrum vor, mit dem sich die Tagung beschäftigen wollte, und ging dabei vor allem auf die Qualifizierung von „Zuwanderern“ und das neue „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“ ein. Eine seiner Hauptthesen war: Die hohe Bedeutung der Berufsfachlichkeit für die Strukturierung des Arbeitsmarktes in Deutschland, der hohe Anteil der betrieblichen Berufsausbildungen, die dezentrale Verteilung der Verantwortlichkeiten (und folglich auch für die Bewertung von Abschlüssen, die aus dem Ausland mitgebracht werden) und schließlich der Bildungsföderalismus (der zu einer ähnlichen Dezentralität und Vielfalt der Verantwortlichkeiten für Berufe außerhalb des „dualen Systems“ führt) gelten einerseits zwar im Wesentlich als Stärken des deutschen Berufsbildungssystems, werden aber für „Bildungsausländer“ zu Hürden und Irrgärten. „Insofern kann die Prognose zur Wirksamkeit des neuen Gesetzes nicht sehr optimistisch sein, und selbst aus manchen Äußerungen von Repräsentantinnen der Bundesregierung ist herauszulesen, dass der Wert des Gesetzes vor allem im Symbolischen gesehen wird“.

Bemerkenswert war zudem ein Hinweis, den er in seinen Ausführungen – völlig zu Unrecht – nur ganz beiläufig erwähnte: „Soweit erworbene Qualifikationen sprachlich, kulturell oder institutionell gebunden sind, ist ihre teilweise Entwertung ein leider unvermeidlicher Preis der Migration: Entweder wird die mitgebrachte Qualifikation im Zielland überhaupt nicht nachgefragt, oder für die Ausübung der vergleichbaren Tätigkeit braucht man im Zielland teilweise andere, ebenfalls sprachlich, kulturell oder institutionell spezifische Ausbildungsinhalte.“

Die zweitägige Tagung bündelte die Beiträge in insgesamt fünf Themenrunden:

1 Zuwanderung und der deutsche Arbeitsmarkt - grundlegende Zusammenhänge

2 Wertigkeit von Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt

3a  Arbeitsmarktpolitik und Integration - zwei unverbundene Politikfelder?

3b  Die wirtschaftliche Bedeutung von Diversität der Herkunft

4  Aktuelle und zukünftige Zu-, Rück- und Abwanderung: Brain waste, drain, gain?

Es kann hier leider nicht geleistet werden, alle Beiträge zu würdigen. Auf der Seite der Veranstalter können aber bereits jetzt einige der Beiträge nachgelesen werden. Die gesamte Tagung wird wohl auch in einer Publikation dokumentiert werden. Mit den folgenden Ausführungen wird lediglich der Versuch unternommen, speziell einige der Beiträge aufzugreifen, aus denen sich explizit Anregungen im Kontext von Migration und Arbeit für den bildungspolitischen Diskurs ergeben.

Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln stellte in seinem Beitrag „Migration und Integration - Wo steht Deutschland?“ einige zentrale Befunde zur Arbeitskräftewanderung in Deutschland - teilweise in Relation zu weltweiten Wanderungsbewegungen - vor und konzentrierte sich hier auf die Frage der Zuwanderung von „hochqualifizierten“ Migrant/innen bzw. auf deren Qualifizierungshintergrund. (Eine in diesem Kontext bemerkenswerte Zahl soll hier nicht vorenthalten werden: Insgesamt erhielten im Jahr 2010 219 (zweihundertneunzehn!) Hochqualifizierte eine Niederlassungserlaubnis nach § 19 AufenthG; in den Jahren zuvor war die Zahl noch geringer). Klös identifizierte drei "Handlungsfelder für Migration und Integration":

1. Verbesserung des Arbeitsmarktzugangs (z.B. durch Feststellung von Kompetenzen, durch Standardisierungen von Bewertungen, durch Erleichterung des Zugangs zu Anpassungsqualifizierungen und durch Vereinfachung des Aufenthaltsrechts 

2. Erhöhung der Zuwanderung (z.B. durch Verringerung der Einkommensschwellenwerte, durch Aussetzen der Vorrangprüfung für Engpassberufe, durch Erleichterung der Zuwanderungssteuerung , durch Erprobung von „Blanket petition“ – einem Instrument der Verfahrenserleichterung im Rahmen des internationalen Personalaustauschs); 

3. Verminderung der Abwanderung (z.B. durch zuwanderungsorientierte Ausrichtung des Hochschulsystems, durch Unterstützung von Rückkehr aus dem Ausland, durch Reflexion des Steuer- und Abgabensystems und durch Verbesserung der Aussagekraft von Wanderungsstatistiken).

Langfristig, so seine Schlussfolgerung, muss die Integrationsverbesserung vor allem als eine Frage des Bildungssystems begriffen werden.

Nicht zuletzt weil Christiane Kuptsch den Blick über den Tellerrand (Deutschland) hinaus öffnete, bot ihr Beitrag “Entwicklungen der Migrationspolitiken unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise im europäischen Vergleich“ von, ILO Genf, viele Hintergrundinformationen und Anregungen für den Diskurs und zu den Bedingungen der heutigen „modernen“ Arbeitsmigration in Europa. Generell führte die Krise insbesondere zu Arbeitsplatzverlusten in Wirtschaftszweigen mit hoher Beschäftigung von Migranten und die „Empfängerländer reagierten auf diese Entwicklung mit – mehr oder weniger stringenten – Änderungen in ihrer Migrationspolitik, wie in ihrer Übersicht von dargestellt:

Empfängerländer-Reaktionen

Reaktionsart

Beispiele von Politikwechseln

Länderbeispiele

neue Regeln

Neue Gesetzgebungen werden eingeführt.
Umkehr von Politiken

neue schwedische Einwanderungspolitik

Italiens neue Gesetzgebung zur Kriminalisierung von Migranten in irregulären Situationen

Neue Programme werden aufgelegt.

Rückwanderungsprogramme in Spanien und der Tschechischen Republik

Umgestaltung von Regeln

Punktesysteme heben die Punktzahl an.

GB: Abschnitt 1 PBS

(Hochqualifizierte)

Kriterien für den Arbeitsmarkttest werden verschärft.

GB: Abschnitt 2 PBS

(Qualifizierte mit Arbeitsangebot)

Listen mit Mangelberufen werden gekürzt.

Spanien: „Regime General“

Quoten werden reduziert.

Italien: Zugangsquote

Spain: „Contingente“

Anwendung von Regeln

Häufigere Arbeitsplatzinspektionen
 Besonders Sektoren und Arbeitsstätten mit vielen Migranten werden ins Visier genommen.

Frankreich: publikumswirksame Überprüfung von Arbeitsstätten

Frankreich: publikumswirksame Überprüfung von Arbeitsstätten

Lockerung von Dienstleistungsregeln (Bearbeitungsrückstände)

Christiane Kuptsch,  International Migration Branch ILO

 

Klare Muster oder Gründe für unterschiedliche Reaktionen konnte sie dabei nicht identifizieren, allerdings waren Veränderungen vor allem dort erkennbar, wo in der jüngeren Vergangenheit signifikante Migrationszuflüsse verzeichnet wurden. Wichtig für die Debatte, wer als Migrant/in „willkommen“ geheißen wird, dürfte auch die politische Prämisse sein, dass bestimmte Migrationsflüsse tatsächlich nur schlecht reduziert werden können, weil damit Menschenrechtsverletzungen oder Verletzung erworbener Rechte einhergehen würden, weil Multi- und bilaterale Abkommen oder intensive Handelsbeziehungen dem entgegenstehen (z.B. für Flüchtlinge, für die Familienzusammenführung). - Alles in allem habe die gegenwärtige Krise aber nicht zu Umstürzen in der Migrationspolitik europäischer Länder geführt. Hauptsächlich seien eine Regelanpassung und eine Veränderung der Anwendung der Regeln festzustellen. Beides, so eine wichtige Feststellung, könne leicht wieder zurückgenommen werden.

Kuptsch verwies schließlich darauf, dass die Krise von der Politik auch als Chance zur Stärkung staatlichen Handelns begriffen werden kann. Insbesondere betonte sie hier die Arbeit der ILO, nach deren zwischenstaatlichen Übereinkommen die Staaten auch die Verantwortung haben, Arbeitsmigranten vor Ausbeutung zu schützen und sicherzustellen, dass sie ihre Rechte auf Gleichbehandlung und Chancengleichheit, die ihnen nach internationalem Recht zustehen (z.B. gemäß Ü 97 und 143 der ILO), auch wahrnehmen können. Eine Chance bestehe auch darin, dass im Bereich der Migrationspolitik Arbeitsmarktfragen - im Vergleich zu Sicherheitsbetrachtungen - in den Vordergrund der Betrachtung von Migration rücken könnten und Migranten als ökonomische Akteure und „nicht mehr nur als Sicherheitsrisiken“ betrachtet würden.

Unter dem Titel „Diversität und migrantisches Unternehmertum in den Städten“ öffnete Felicitas Hillmann (Universität Bremen) den Blick für einen recht neuen und bisher kaum diskutierten Aspekt im Themenfeld „Migration und Arbeit“: Mit dem Begriff „marginale Urbanität“ betont sie die besondere Bedeutung migrantischer Ökonomien für die europäischen Städte; diese könnten nur funktionieren, wenn sie in den städtischen Kontext eingebettet sind, aber sie tragen ihrerseits zugleich zur Urbanität der Städte bei. Hillmann wies – vor allem am Beispiel ihrer Untersuchungen in Bremen - auch auf die Diskrepanz in der Rezeption der Selbstständigkeit von Migrant/innen hin: So werde die migrantische Selbstständigkeit gelegentlich als Nachweis für eine gelungene Integration bzw. für persönlichen Erfolg, an anderer Stelle für Ausgrenzung aus dem allgemeinen Arbeitsmarkt interpretiert. Hervorzuheben sei hier, dass objektiv viele Selbstständige tatsächlich „am Rande ihrer Belastbarkeit, am Rande der Stadtgesellschaft, am Rande der bisherigen Stadtentwicklung agieren“. In Interviews mit ihnen werde jedoch auch deutlich, dass sie sich selbst nicht als „prekarisiert“ empfinden. In ihren Schlussfolgerungen verweist Hillmann u. a. darauf, dass die zunehmende Selbständigkeit neue Formen von Urbanität mit sich bringt, die allerdings ihrerseits neue Organisationsformen und Instrumente erforderlich („matching“) machen. 

Und schließlich sei noch der Beitrag Die türkischen Bildungseliten in Deutschland -Türkische Bildungseliten in Deutschland zwischen Abwanderung und Ethnisierung“  von Kamuran Sezer, futerorg-Institut, Dortmund, hervorgehoben. Mit seinem Beitrag wurden die Begriffe „Integration“ und „Parallelgesellschaft“ sowie die dahinter sich verbergenden Konzepte wie Diversität, Vielfalt, Heterogenität und neuerdings “Inklusion” vom Kopf auf die Füße gestellt. Sezer „bekannte“, dass – obwohl er und sein Institut an der Entwicklung der Fragestellung maßgeblich beteiligt waren - es ihn nicht interessiere, „ob und warum und wie viele türkische Bildungseliten in Deutschland in die Türkei oder woanders hin abwandern. Die wichtige Frage … lautet nämlich: Über welche eklatanten, defizitären Strukturen muss eine Gesellschaft wie die der Deutschen verfügen, dass es ihr nicht gelingt, hochqualifizierte Türken in diese zu verankern, zu platzieren oder diesen zumindest anzubieten, sich in dieser zu etablieren? ... Ob meine Familie sich in unseren eigenen vier Wänden, in unserer eigenen Wohnung, wohl fühlt oder nicht, mache ich doch nicht davon abhängig, ob das Wohnzimmer meines Nachbarn, das ich durch sein Fenster erblicken kann, schöner, größer oder besser ausgestattet ist als meines. Wenn ich mich in meiner eigenen Wohnung nicht wohl fühle, dann fange ich doch nicht damit an, meine Ausstattungen mit seinen zu vergleichen. Ich will ja schließlich nicht in seiner Wohnung leben. Sondern ich bemühe mich, meine eigene wohnliche Infrastruktur so zu verbessern, dass es meiner Familie gefällt.“ 

Sezer stellt auch die Frage, „die zum Wesentlichen führt: Im Zeitalter der Globalisierung, unter dem Druck des demografischen Wandels, mit dem Blick auf die Multikulturalisierung, was für eine Gesellschaft möchte diese deutsche Gesellschaft sein?“ und er befürchtet, dass er die Antwort auf diese Frage schon kenne: „Die deutsche Gesellschaft ist strukturell, institutionell und im Zeitgeist auf Monokultur und Homogenität ausgerichtet. Die Migranten, Einwanderer, Zuwanderer oder wie immer man sie auch nennen mag, sind der Öltropfen in einem Glas Wasser.“

Eine kurze Bilanz

„… die von mir beschriebene und geforderte Transformation der deutschen Gesellschaft hin zu einer mit Diversitätskompetenzen ausgestatteten Gesellschaft verläuft selbstverständlich nicht konfliktfrei. Denn dieser Prozess verändert die Spielregeln in der Gesellschaft. Es entstehen ganz andere und neue Bedürfnisse, die ökonomisch und sozial befriedigt werden müssen, wenn der Zusammenhalt nicht gefährdet werden soll. Damit meine ich, dass verknappte gesellschaftliche Ressourcen wie Geld, Anerkennung, Positionen, Arbeit, Wissen usw. neu verteilt werden müssen. Kurz: Wir müssen die Mechanismen - und nicht nur in einem Teilsystem - sondern in der Gesamtgesellschaft neu rekonfigurieren, damit das Potenzial nicht nur der türkischen Bildungseliten voll ausgeschöpft werden kann und damit sie nicht in ihren ethnischen Nischen verbleiben bzw. in die Türkei oder woanders hin abwandern.“

Dieses Fazit von Kamuran Sezer in seinem Beitrag hätte es verdient, als Leitgedanke in den einzelnen Beiträgen aufgegriffen zu werden. Dass dies nicht geschah, lag wohl nicht nur an der Tatsache, dass Kamuran Sezer seinen Beitrag erst in der Schlussphase der Tagung einbrachte: Aufgrund der Vielzahl und Vielfalt der Einzelbeiträge, die sich vor allem und in erster Linie mit ausgewählten Detail- und Methodenfragen der Sozialwissenschaftlichen Arbeitsmarkforschung beschäftigten, ist sein Fazit gleichsam „untergegangen“. 

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass eine Jahrestagung vor allem dazu dienen soll und kann, dem Fachpublikum neuere Forschungsansätze vorzustellen; trotzdem ist festzuhalten, dass so auch eine Chance vertan wird, andere Wissenschaftsdisziplinen für die eigenen Lösungsansätze zu gewinnen und sich mit diesen Disziplinen zu vernetzen; insbesondere dann, wenn diese vorgestellten Forschungsansätze sich nicht aufeinander beziehen und wenn es – nicht zuletzt wegen der Fülle an kompetenten Beiträgen in einem engen Zeitrahmen – kaum Zeit dafür gibt, in den Diskussionen solche Ansätze für einen interdisziplinären Austausch zu gestalten. 

Im Programm der Tagung wurde in der Tat lediglich angekündigt, dass die deutsche Migrations- und Arbeitsmarktsituation thematisiert werden soll.  Immerhin wurde in dem Beitrag von Kuptsch noch die europäische Perspektive einbezogen und auch der Beitrag von Hillmann öffnete ein kleines Fenster mit Blick auf weltweite Entwicklungen. Trotzdem war es doch verwunderlich, dass in den Beiträgen und auch in den kurzen Nachfragen zu den Beiträgen kaum der Frage nachgegangen wurde bzw. nachgegangen werden konnte, welche Rolle die Globalisierung für die Arbeitsmarktentwicklung (auch in Deutschland) und welche Entwicklungen und Formen der Migration sich weltweit (und auch in Deutschland) abzeichnen. Ein Einbezug dieser Frage wäre aber m. E. notwendig, um sich kompetent mit der Frage auseinander setzten zu können, welche Entwicklungen tatsächlich auf Deutschland Einfluss nehmen und welche Lösungsansätze hierzu ausgebildet werden müssten. – Und auch die Rolle der privaten und öffentlichen Arbeitgeber für die Verteilung von Chancen am Arbeitsmarkt, die laut Ankündigung der Tagung thematisiert werden sollte, wurde nur in einer Anmerkung aus dem Publikum insofern angesprochen, als nachgefragt wurde, warum kein Redebeitrag aus dem Arbeitgeberkreis eingeplant worden sei.

So positiv es einerseits ist, dass die Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung in Deutschland mit dem Thema Migration offensichtlich einen Schwerpunkt aufgreift, der zahlreiche Ansätze für die Forschung bietet, so bleibt dem informierten und interessierten Laien der Arbeitsmarktforschung nach der Tagung der Eindruck, dass sich diese Forschung (noch?) sehr stark an dem „Nationalstaat als Wirtschaftsstandort“ orientiert. Dieser „Nationalstaat“ steht aber in Beziehung zu den widersprüchlichen Prozessen der Globalisierung: „Ökonomisch betrachtet erfordert die Globalisierung eine wachsende internationale Migration, technologisch gesehen ermöglicht sie die verstärkte Mobilität und Kommunikation, sozial beschleunigt sie die Migration durch wachsende Ungleichheiten. Politisch aber wird die Migration im Zuge der Globalisierung zunehmend begrenzt.“ (Albert Scharenberg: Brücke zum Mainstream – Mainstream als Brücke. Europäische Rechtsparteien und ihre Politik gegen Einwanderung, in: Thomas Greven/ Thomas Grumke (Hrsg.): Globalisierter Rechtsextremismus? – Die extremistische Rechte in der Ära der Globalisierung, Wiesbaden 2006, S.70-111, hier: S. 76). – Einen fundierten Einstieg zum Komplex „Globalisierung und Migration“ bietet: Christoph Butterwegge/ Gudrun Hentges (Hrsg.), Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, Wiesbaden: 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage 2006.

Tagungsbericht: Petra Szablewski-Cavus